Brennende Branchenbücher: Auskunft.de im Osterfeuer-Clinch mit Telekom-Tochter DeTeMedien

Ein Aprilscherz kann schon einmal nach hinten losgehnen. Im vergangenen Jahr zerrte Michaela Schaffrath den Online-Marktplatz Gimahhot (www.gimahhot.de) vor Gericht. Vorher gab es selbstverständlich eine Abmahnung. Das Start-up hatte am 1. April berichtet, […]

Ein Aprilscherz kann schon einmal nach hinten losgehnen. Im vergangenen Jahr zerrte Michaela Schaffrath den Online-Marktplatz Gimahhot (www.gimahhot.de) vor Gericht. Vorher gab es selbstverständlich eine Abmahnung. Das Start-up hatte am 1. April berichtet, dass Schaffrath (aka Gina Wild) das neue Werbegesicht des Unternehmens sei und der Marktplatz künftig Ginahot heißen würde. In diesem Jahr erwischte es Auskunft.de (www.auskunft.de). Das neue Start-up von Daniel Grözinger und Sven Schmidt (ehemals verwandt.de) kündigte am 31. März via Pressemitteilung “Deutschlands größtes Osterfeuer” an. Und weiter: “Das Feuer wird eine Höhe von mindestens 35 Metern haben”. Soweit so unspektakulär.

Der entscheidende Punkt war das Brennmaterial: “Tausende Telefon- und Branchenbücher”. Die Telekom-Tochter DeTeMedien erwirkte gegen dieses imaginäre Feuer vor dem Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung. Also gegen das geplante Verbrennen von Branchenbüchern. Das Stichwort dazu lautet unlauterer Wettbewerb. Einige andere Aussagen aus der betreffenden Aprilscherz-Meldung dürften den DeTeMedien-Machern ebenfalls nicht gefallen haben. Da heißt es, dass Auskunft.de mit der Aktion “auf die Umweltverschmutzung durch die schon lange nicht mehr zeitgemäßen gedruckten Telefon- und Branchenbücher aufmerksam machen” möchte. An anderer Stelle folgt die Aussage: “Telefonbücher drucken ist wie Heizen bei offenem Fenster, eine unglaubliche Verantwortungslosigkeit gegenüber der Umwelt”.

“Wirkliche Innovation ist nicht aufzuhalten”

Gründer Schmidt sieht in der einstweiligen Verfügung gegen den seiner Meinung “leicht durchschaubaren Aprilscherz” einen “willkommenen Anlass” gegen Auskunft.de gerichtlich vorzugehen. “Wahrscheinlich kommt es dem Telekom-Konzern gelegen, unliebsamen Wettbewerbern das Leben auf diese Weise zu erschweren”. Der Schritt dürfte für die Startupper aber keinesfalls aus heiterem Himmel kommen, schon in der Vergangenheit trat DeTeMedien immer wieder in Sachen Abmahnungen in Erscheinung. Und sehr wahrscheinlich sind zuvor schon Schreiben von DeTeMedien in die Büroräume von Auskunft.de geflattert. So findet sich im Pressebereich des Start-up in diversen Zitaten der Begriff “Gelbe Seiten-Markt” nicht mehr – stattdessen ist von Branchenbuch-Markt die Rede.

Eine einstweilige Verfügung gegen einen Aprilscherz sorgt allerdings für Aufsehen, deswegen nutzen Schmidt und sein Team dieses Vorgehen nun in Sachen Eigen-PR: “In der Tat gefährden wir aus unserer Sicht mit unserem offenen und für Anbieter sowie Nutzer kostenlosen Plattformansatz das Geschäftsmodell der etablierten Branchenbuch-Anbieter“, sagt Schmidt. Mitgründer Grözinger ergänzt: “Wir dachten, die Strategie 2.0 der Telekom sei rein innovationsgetrieben. Aber hier scheint primär ein Goliath seinen Markt abschotten zu wollen. Anwälte können das Leben von Dinosauriern maximal verlängern, wirkliche Innovation ist jedoch nicht aufzuhalten”.

Premiumeinträge kostenlos

Die Online-Firmensuche Auskunft.de startete Anfang März offiziell durch. Der neue Dienst soll eine Vielzahl von Infos, die sonst überall im Netz verstreut sind, sammeln – beispielsweise Nachrichten, Bewertungen und Jobs. Partner wie Qype und popula können ihre Inhalte kostenlos einbinden. Unternehmen müssen für Premiumeinträge bei Auskunft.de im Gegensatz zur Konkurrenz kein Geld zahlen. Mit dem “besseren Produkt” und einer “schlanken Kostenstruktur” wollen Grözinger und Schmidt gegen die mächtigen Mitbewerber bestehen. Geld in die Kasse von Auskunft.de soll stattdessen Display-Werbung und Google AdSense bringen. Jetzt müssen sich die Hanseaten aber erst einmal mit ihrem mächtigen Konkurrenten auseinandersetzen. Solche Auseinandersetzungen sind meist mühsam und Kosten Geld sowie Zeit.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.