Fragestunde mit Cem Basman, Initiator des StartupWeekend – die Antworten

Eine weitere “Fragestunde” ist abgeschlossen. Dieses Mal baten wir Cem Basman eure zahlreichen Fragen, zu beantworten. Vielen Dank für das große Interesse am Initiator und Mitgründer des StartupWeekend in Deutschland, einer Initiative, die […]
  • Von Christina Cassala
    Dienstag, 26. Februar 2008
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Eine weitere “Fragestunde” ist abgeschlossen. Dieses Mal baten wir Cem Basman eure zahlreichen Fragen, zu beantworten. Vielen Dank für das große Interesse am Initiator und Mitgründer des StartupWeekend in Deutschland, einer Initiative, die er seit 2007 aufbaut.

Wann ist das nächste StartupWeekend geplant?
Das nächste StartupWeekend findet an drei Tagen statt, Freitag bis Sonntag vom 7. – 9. März 2008.

Wie ist der Ablauf des nächsten StartupWeekend geplant?
Diesmal ist das StartupWeekend größtenteils online im Web. Es startet allerdings vor Ort am ersten Tag auf der CeBIT in Hannover. Am zweiten Tag arbeiten und kommunizieren wir nur online. Die Aktion endet dann vor Ort in Hamburg mit der Gründung des Unternehmens. Wir testen damit wie effektiv und effizient wir eine komplexe Aufgabe in einem virtuellen und mobilen Netzwerk lösen können. Das ist eine sehr grosse Herausforderung unter schwierigen Bedingungen, die ein Höchstmaß an Koordination und Kooperation von den Teilnehmern erfordert. Das wird sehr spannend.

Wann und wo kann ich mich anmelden?
Die Anmeldung ist im Internet ab Mittwoch 27.2.2008 unter StartupWeekend@CeBIT (http://startupweekend.mixxt.de/ ) möglich. Man kann sich dabei entscheiden, ob man an der Aktion nur als Teilnehmer mimachen will oder aber auch Teilhaber, also eingetragener Gesellschafter, des Startups werden möchte. Zukünftige Gesellschafter zahlen 25 Euro in die Gemeinschaftskasse und haben mehr Rechte.

Was sind die Top 3 der lessons learned aus dem ersten Workshop?
Die allerwichtigste Erkenntnis ist, dass es möglich ist, in kürzester Zeit mit einer Menge Leute, in einer inspirierenden
und positiven Atmosphäre, gemeinsam eine große und komplexe Aufgabe zu lösen und etwas Neues zu erschaffen. Wir haben dabei innovative Wege beschritten und viele kreative Kräfte freigesetzt. Das haben wir mit StartupWeekend gezeigt. Die weitere Erkenntnis war aber auch, dass unsere Verantwortung für StartupWeekend nicht mit dem Ende der Veranstaltung aufhört. Beim letzten StartupWeekend haben wir geglaubt, dass das neue Startup, bei all der Begeisterung und dem Hype, anschließend von alleine laufen würde. Das war ein Irrtum. Das frische Startup braucht eine intensive und professionelle Unterstützung für eine weitere (kurze) Zeit nach seiner Geburt.

Wir hatten letztes Mal Teilnehmer sowohl aus der Old Economy wie auch der New Economy im Workshop. Das war so auch beabsichtigt als Crossover und Mashup. Wir hätten beide „Lager“ etwas besser auf den Kulturschock vorbereiten sollen. StartupWeekend ist kurz und intensiv. Es gibt keine Zeit, sich aneinander gut zu gewöhnen. Das ist zwar letztes Mal gut gegangen, hätte aber auch effizienter gestaltet werden können. Da müssen wir für solche Fälle an den Prozessen im Detail noch feilen.

Mit Blick auf das neue StartupWeekend: Was wäre die ideale Situation für Sie bzw. für die Teilnehmer?
Viele spannende und praktische Ideen für Startups. Das ist die beste Voraussetzung. Und wenn alle gut motiviert und gut informiert an den Start gehen, mit dem festen Willen am Ende etwas Großartiges zu schaffen für das sie gemeinsam die Verantwortung tragen.

Wie würden Sie den Vektor des StartupWeekend für alle die, die mehr über das Potenzial der Initiative wissen möchten, beschreiben?
Es geht eigentlich um Crowdsourcing und Crowdfunding. StartupWeekend ist nur ein kleines Experiment da drin. Es geht darum, wie man das große schlummernde Potential an Innovation und Kreativität da draußen im Land besser ans Tageslicht fördern und optimaler nutzen kann. Es geht darum, wie man zu besseren Ideen animieren und sie schneller umsetzen kann. Es geht darum, wie man diese Prozesse effizienter und nachhaltiger macht. Es geht darum, in Deutschland ein offeneres Klima zu schaffen für erfolgreiche Erneurer. Das sind praktische Feldversuche, die wir machen. Das kann man nicht aus Büchern lernen. Das geht nur am lebenden Objekt und in Echtzeit. Dazu ist die New Economy ideal mit ihrer Schnelligkeit und den Möglichkeiten über das Web zu kommunizieren.

Mein konkretes Ziel wäre, dafür einen „schnellen Brüter“ für erfolgreiche Startups zu schaffen. Einen innovativen, inspirierenden und kreativen Ort der Exzellenz. Virtuell und real. Es gibt schon konkrete Konzepte und Gespräche darüber. Wenn ich das restliche Berufsleben mit dieser Aufgabe erfolgreich verbringen darf, wäre es für mich
die grösste Befriedigung.

Was ist Ihrer Meinung nach der Reiz, daran teilzunehmen?
Für alle Teilnehmer ist es eine intensive Erfahrung in kürzester Zeit eine Menge interessanter Menschen bei dieser Aktion kennenzulernen, die ähnlich gepolt sind. Menschen unterschiedlichster Talente kommen zusammen. Menschen, die Ideen in die Realität umsetzen wollen und dabei offen für Kooperationen sind. Teil eines Netzwerks von Gründern zu sein. Das war die einhellige Meinung vom letzten StartupWeekend.

Soll das neue Startup, welches demnächst gegründet wird, tatsächlich an die Börse gehen? Wenn ja, wie genau soll das funktionieren?
Ich habe nicht gesagt, dass das Startup am gleichen Wochenende an die Börse geht. Sondern danach. Alles andere wäre auch vermessen. Praktisch bedeutet das, dass das Startup über einen Zeitraum darauf vorbereitet werden muss. Management, Unternehmensplan und Budget müssen stimmen. Damit wir das halbwegs sichern können, haben wir uns diesmal entschlossen, das Startup vom Management professionell zu besetzen. Dazu wollen wir eine Seed-Finanzierung beschaffen. Das ist ein sehr ehrgeiziges Vorhaben.

Ist das Internet durch Open Source etc. nicht eine einmalige Chance für unsere Gesellschaft etwas für alle Bürger zu schaffen? Schließt man mit der Vision eines Börsengangs nicht vielleicht Non-Profit Ansätze zu früh aus oder liegt der Fokus tatsächlich vollkommen auf Gewinnerzielung?
Kommerzielle Unternehmen müssen in einem planbaren Zeitraum Überschüsse erwirtschaften. Sonst sind sie eine philantropische Beschäftigung.

In wie fern kümmern Sie sich noch um edelbild?
Edelbild ist bisher nicht produktiv gewesen. Darüber habe ich vor eingen Tagen im StartupWeekend Blog ausführlich Stellung bezogen. Ich finde die Idee von Edelbild nach wie vor gut, aber die späteren Rahmenbedingungen haben nicht gepasst. Wir haben daraus unsere Lehren gezogen. Aktuell überlegen wir uns Maßnahmen wie wir Edelbild konkret helfen können.

Sie haben lange in der Old Economy gearbeitet: Was waren Ihre Beweggründe, sich aus diesen Tätigkeitsbereichen zurückzuziehen?
Die New Economy. Schade, dass sie erst jetzt gekommen ist. Ich war in der Old Economy schon eher der Nonkonformist, der Neues ausprobiert hat. Mir ging das in dem Umfeld aber alles viel zu langsam. Trotzdem haben wir in den 90er Jahren mit den Unternehmungen, mit denen ich in der Old Economy tätig war, in den Bereichen IT-Services-Mangement viel Neuland betreten und waren damit recht erfolgreich. Manches, was heute in der Branche selbstverständlich ist, geht auf diese Zeit zurück.

Was reizte Sie an der New Economy?
Die Schnelligkeit und die ungeheure Kreativität, die es entfesselt hat. Man kann in der New Economy wahnsinnig schnell neue Services und Geschäftsmodelle einführen, evaluieren, anpassen, skalieren und wieder verwerfen, wenn sie nicht funktionieren. Dazu braucht man heute nur noch einen Bruchteil der Mittel, die man in der Old Economy brauchte. Ferner ist man heute in der globalisierten Welt für viele Aktivitäten ziemlich unabhängig vom Standort. Zudem hat man zu fast allen klassischen und neuen Ressourcen und Märkten für Waren, Dienstleistungen und Informationen den direkten Zugang ohne Mittler.

Man kann dadurch um ein vielfaches mehr bewegen als früher. Das Spiel ist viel variantenreicher und schneller geworden. Die Kehrseite ist natürlich die Schnelllebigkeit und die Copycats, die wie Schatten jeder vielversprechenden Errungenschaft auf den Fersen folgen. Wenn zudem Schnelligkeit in Hastigkeit und Diziplinlosigkeit umschlägt, leidet zudem die Qualität der angebotenen Leistungen.

Wo liegen Ihrer Meinung nach die größten Unterschiede zwischen Old und New Economy?
Eindeutig in der Kommunikation. Die Old Economy ist hierarchisch, formal und dadurch langsam. Die unterschiedlichen Ebenen in den Hierarchien schotten sich stark gegeneinander ab. Chefs sprechen nur mit Chefs. Mittleres Management nur mit seinem Pendant usw. Ein höchst komplexes Machtsystem, um Informationen zu verbergen, denn Informationen bedeuten Macht. Macht über Kunden, Lieferanten, Märkte und andere Beziehungen. Old Econmy ist in dieser Hinsicht ein Versteckspiel.

New Economy ist das genaue Gegenteil in diesem Punkt. Alles wird offengelegt. Die Social Network Plattformen sind ein gutes Beispiel dafür. Die Märkte und Beziehungen werden deutlich transparenter. Sie sind Communities geworden.
Hierarchien erodieren immer mehr. Es geht nicht mehr um Macht, sondern um Schnelligkeit, aber auch um Zugehörigkeit. Es ist viel mehr bottom up organisiert. So gesehen ist die New Economy viel demokratischer und flacher. Und das ist gut so.

Welche Gemeinsamkeiten gibt es zwischen Old und New Economy?

Ebenfalls eindeutig: Das Geld. Die Grundsätze für kommerzielle Unternehmen sind gleich. Die Finazbuchhaltung ist die selbe. Sie können nicht mehr ausgeben, als Sie einnehmen auf Dauer. Daran hat sich seit der Steinzeit wenig geändert. Auch alle Formalitäten der Warenwirtschaft sowie der Kosten- und Leistungsrechnung sind im wesentlichen gleich. Dieses Fundament wird noch lange bestehen.

Benutzen Sie Mac oder Windows?
Windows. Reine Gewohnheit.

Für welchen Hamburger Verein schlägt ihr Herz: HSV oder St. Pauli?
HSV. Ich bin in Hamburg am Rothenbaum in der Nähe des damaligen Vereinshauses aufgewachsen, habe als ganz kleiner Junge noch Spiele im alten Stadion gesehen und bin nebenan zur Grundschule gegangen. Das prägt für ein ganzes Leben. Für den FC St.Pauli und seinen großartigen Fans habe ich aber auch große Sympathien.

In welcher anderen Stadt außer Hamburg würden Sie leben wollen?
Ich schätze Hamburg sehr. Es ist meine Heimatstadt und mein Lebensmittelpunkt. In Deutschland wäre Berlin meine Alternative. Berlin ist kreativ. Ansonsten überall rund um das Mittelmeer an jedem anderen Ort. Eigentlich überall dort, wo man gute Gastfreundschaft schätzt.

Wie multinational sind Sie aufgewachsen, da Sie auf Xing sowohl Deutsch, Schwedisch und Türkisch als Muttersprache angeben?
Meine Mutter ist Schwedin, mein Vater war Türke. Ich war in Deutschland, in der Türkei und in Schweden in der Schule. Im Elternhaus sprechen wir türkisch. Mit meiner schwedischen Verwandtschaft spreche ich natürlich schwedisch, dass allerdings durch den regionalen Dialekt recht norwegisch eingefärbt ist. Ich war auch eine kurze Zeit in den USA tätig und spreche einigermassen passabel Englisch. Ich denke amerikanisch im Geschäft, deutsch in der Organisation und fühle ziemlich türkisch mit dem Herzen.

Wie spricht sich Ihr Name richtig aus?
Cem Basman wird wie „Dschämm Baschmann“ ausgesprochen. Ganz einfach. Basman heisst übrigens Hauptmann. Mit „Haupt“ ist übrigens das „Haupt einer Gemeinde“ gemeint.


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Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.