Fragestunde mit Jörn Kunst von Luupo – Die Antworten

Das erste User-Generated Interview bei deutsche-startups.de ist vollbracht. In unserer neuen Rubrik “Fragestunde” können Sie, also unsere Leser, Gründern Löcher in den Bauch fragen. In der Premierenausgabe stellte sich Jörn Kunst, Gründer und […]

Das erste User-Generated Interview bei deutsche-startups.de ist vollbracht. In unserer neuen Rubrik “Fragestunde” können Sie, also unsere Leser, Gründern Löcher in den Bauch fragen. In der Premierenausgabe stellte sich Jörn Kunst, Gründer und Vorstand der Mainzer Luupo AG, Ihren Fragen. Vielen Dank für die zahlreichen Fragen. Jörn Kunst hat die Fragen in Windeseile beantwortet. Hier seine Antworten.

Was bedeutet der Name Luupo und welche Alternativen standen bei Gründung noch zur Debatte?
Die vielen Dutzend anderen Namen unseres Brainstormings habe ich alle schon wieder vergessen. Wir wollten, dass unser Name möglichst weltweit als Domain frei und als Marke schützbar, überall leicht einprägsam und aussprechbar ist. Und nach Möglichkeit in keiner Sprache ein Schimpfwort ist. Aber wer kennt schon alle chinesischen Schimpfworte?. Die entscheidende Idee kam ganz einfach im Alltagsleben: Vor uns fuhr ein Auto aus Ludwigshafen mit dem Kennzeichen LU-PO. Da Lupo schon vergeben war, haben wir den Namen „neu erfunden“. Das Doppel-U fanden wir durchaus originell. Luupo steht für ein sympathisches, ehrliches Konzept: Clever, fair und anziehend; als Begriff wie als Plattform für jeden leicht verständlich.

Wo sieht sich Luupo: Eher beim Glücksspiel oder doch bei den Schnäppchenanbietern?
Rechtlich betreiben eindeutig kein Glücksspiel. Das Luupo-Prinzip ist eine neue Form der Abwärtsauktion mit Elementen eines Gewinnspiels. Durch unser System bieten wir dem User auf jeden Fall Schnäppchen, insofern sind wir Schnäppchenanbieter. Diese Schnäppchen sind allerdings hochwertig und nicht als Ramsch zu verstehen. Einzelne User können Schnäppchen machen, ohne dass der Verkäufer hierdurch Margenverluste hinnehmen muss. Da jedoch auch wir den Gesetzen der Physik unterliegen, brauchen wir natürlich eine Brücke, die das ermöglicht: Der Einsatz von Luupos, den man als Gewinnspielelement bezeichnen kann.

Was antworten Sie auf den Vorwurf, dass das Geschäftsmodell von Luupo an niedere Schnäppcheninstinkte appelliert, die das rationale Denken ausschalten könnten?
Der einzelne User folgt bei Luupo durchaus seinem rationalen Denken: Er weiß zum einen, dass er eine recht große Chance hat, einen begehrten Artikel günstig oder sogar fast umsonst zu bekommen, zum anderen aber auch, dass er dafür zuerst eine kleine Summe einsetzen muss. Insofern handelt er meines Erachtens clever und nicht „dumm“. Darüber hinaus macht Luupo Spaß am Schnäppchenschnappen – das ist wie bei Ebay oder bei Schnäppchengelegenheiten in der Fußgängerzone. Was ist daran „nieder“? Jeder kauft doch schon mal Dinge, die nicht dringend gebraucht werden. Ich würde sagen, das ist menschlich und legitim. Wir haben schon von vielen Usern gehört oder gelesen, dass sie gerade „Luupo-süchtig“ werden – das aber eher mit einem zwinkernden Auge. Aber wir haben eine klare moralische Grenze: Wenn wir Hinweise darauf haben, dass jemand ernsthaft spielsüchtig ist, sperren wir ihn. Das war bislang einmal der Fall.

Ist Luupo ein Copycat oder gibt es zumindest ein Vorbild für Luupo?
Nein, Luupo ist kein Copycat. Die Ur-Idee zum Luupo-Prinzip hatte ich als Geistesblitz beim Einschlafen in einer Phase, in der mein Bruder Kris und ich intensiv über verschiedene Internet-Geschäftsmodelle nachdachten. Zusammen haben wir dann die Idee weiterentwickelt. Das hat viele Monate gedauert hat. Manchmal kommt es vor, dass einer meint, er kenne das Prinzip doch schon anderweitig. Wir fragen dann nach dem ‚Woher’? Aber bislang konnte noch niemand einen Nachweis erbringen. Selbst weltweit agierende VC-Gesellschaften konnten uns bislang kein solches Beispiel nennen. Wer das kann, soll sich bei uns melden. Wir sind gespannt! Leider versuchen jetzt schon die ersten Copycats, unser System zu kopieren. Das stößt bei uns vor allem dann auf keine Gegenliebe, wenn diese Kopierer behaupten, sie hätten mal eben so die gleiche Idee gehabt, wären eben nur etwas später online gegangen. Wenn man selbst lange und mit sehr hohem persönlichem Risiko an der Entwicklung und Umsetzung einer solchen eigenen Idee arbeitet, sind solche Behauptungen wirklich ärgerlich. Wir haben das Luupo-Prinzip schon seit langem in Deutschland und den USA zum Patent angemeldet und werden dieses auch durchsetzen, sollten wir es bekommen.

Hat Luupo einen Investor? Wie und wo wurde dieser gefunden?
Nach langer Suche und einigen Matchings konnten wir Rudolf Dorbert als Business Angel gewinnen, der bis heute im Vorstand unserer Luupo AG sitzt. Mit ihm zusammen traten wir an die Sparkasse Mainz heran. Die Wirtschaftsförderung Rheinland-Pfalz mit ihrer öffentlichen VC-Gesellschaft und weitere Investoren kamen dann nach und nach hinzu. Nun geht es allerdings darum, weiteres Kapital zu mobilisieren – da stecken wir mitten drin.

Was waren die Gründe für die Aktiengesellschaft als Rechtsform und wie kostenintensiv ist hier der Gründungsprozess?
Der Erwerb und Verkauf von Anteilen ist bei einer AG viel einfacher und günstiger als bei einer GmbH – das war unser entscheidendes Motiv. Die Gründung hat alles in allem etwa 4.000 Euro gekostet. Im Nachhinein würden wir jedoch keine AG mehr in dieser frühen Phase gründen, sondern eine GmbH. Vor allem braucht man in diesem Fall keinen Aufsichtsrat, und die Geschäftsführung ist direkter den Gesellschaftern unterstellt. Abraten würde wir auf jeden Fall von der Ltd. Zum einen ist diese nur kurzfristig günstiger – mittelfristig eher sogar aufwändiger. Vor allem jedoch erscheint man gleich als unseriös bei Geschäftspartnern.

Plant ihr einen Börsengang?
Dafür sind wir wirklich noch zu klein. Sollte sich Luupo aber so entwickeln, wie wir planen, dürfte auch ein Börsengang in einigen Jahren eine durchaus spannende Option sein.

Wie viele von euren 10.000 Nutzern sind wirklich aktiv?
Für uns sind User dann bereits aktiv, wenn sie schon einmal Luupos oder Artikel gekauft haben – in diesem Sinn sind das rund 20 %. Da wir aber noch eine relativ kleine Artikelauswahl haben, warten viele erst eine größere Auswahl ab.

Stichwort Preisangabeverordnung: Inwieweit schafft ihr es, nicht dagegen zu verstoßen, denn der Händler muss bei Euch weder den definitiven Preis noch die Umsatzsteuer angeben. Auf welchen rechtlichen Sachverhalt berufen sich dabei die Händler?
Die Startpreise legen wir fest, nicht die Händler. Laut der Preisangabenverordnung darf es zu keinen versteckten Kosten kommen, sondern es muss der für den Verbraucher gültige Endpreis immer inklusive Steuern und Versandkosten angegeben werden. Dieses ist auf Luupo gewährleistet.

Es war zu lesen, dass ihr bereits 80.000 Euro Umsatz gemacht. Sind damit die Händler oder Luupo gemeint? Das wären dann etwa 163.000 Einheiten der Ersatzwährung. Richtig?
Nicht ganz: Unsere User haben diese 80.000 Euro bisher insgesamt bei Luupo ausgegeben. Das bedeutet, dass auch die Einmalzahlungen für den Artikel-Endpreis im Sofortkauf einberechnet sind.

Wie viele User haben bei Euch schon Luupos im Wert von mehr als 200 Euros gekauft?
Schon mehrere Dutzend: Eine Pioniergruppe von Usern hat begriffen, welche Chancen sich ihnen auf Luupo eröffnen. Diese Nutzerschaft hat schon reihenweise Schnäppchen abgeräumt, die sie vermutlich wieder verkaufen. Warum auch nicht? Bei uns haben alle die gleiche Chance.

In welchen Situationen war es hinderlich bzw. förderlich, mit dem eigenen Bruder zusammen zu arbeiten?
Grundsätzlich haben wir immer die Erfahrung gemacht, dass wir als Brüder zusammen doppelt so stark sind als wenn jeder alleine agieren würde. Wir sind zwei sehr unterschiedliche Typen, was auch dazu führt, dass wir uns gut ergänzen. Viele Punkte werden heiß diskutiert. Uns zwar so lange, bis ein Ergebnis steht, welches für beide Seiten in Ordnung ist. Das Ergebnis ist dann meistens überdurchschnittlich.

Was war ihr lehrreichster Fehler, den Sie im Zusammenhang mit Luupo gemacht haben?
Selbsternannte Business Angel, die gesagt haben, sie würden in Luupo investieren, nicht gleich festgenagelt zu haben. Da sind viele Heißluftdrescher oder Ängstliche unterwegs, die in Wirklichkeit doch kein Risiko eingehen wollen. Oder Zocker, die einen dann doch irgendwie über den Tisch ziehen, wenn man nicht aufpasst. Da kann es helfen, gleich am Anfang eine klare Sprache zu sprechen und eine schriftliche Vereinbarung zu treffen.

Sind Sie selbst auch eine Zockernatur?
Ich nicht, mein Bruder Kris eher. Ich finde es spannend, kontrolliert mein Geld an der richtigen Stelle zu investieren. Das kann durchaus auch mit einem Risiko einhergehen. Ich würde den Begriff Risikokapital durchaus ernst nehmen.

Gab es Momente, bei der die Gründung von Luupo auf der Kippe stand?
Nein, die gab es nicht – trotz der vielen Widrigkeiten, mit denen wir zu kämpfen hatten – und die uns natürlich auch immer wieder zurückgeworfen haben. Wille und Glaube an die Erfolgsträchtigkeit des Luupo-Prinzips, beides war und ist bei uns ungebrochen, seitdem ich die Idee zu Luupo Januar 2006 hatte.

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Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.