Es köchelt im Netz

Seit einigen Monaten befindet sich Deutschland im Kochfieber. Im Fernsehen schießen die Koch-Sendungen wie Pilze aus dem Boden. Promiköche wie Tim Mälzer, Sarah Wiener und Alfons Schuhbeck werden inzwischen teilweise wie Megastars gefeiert. […]

Seit einigen Monaten befindet sich Deutschland im Kochfieber. Im Fernsehen schießen die Koch-Sendungen wie Pilze aus dem Boden. Promiköche wie Tim Mälzer, Sarah Wiener und Alfons Schuhbeck werden inzwischen teilweise wie Megastars gefeiert. Und auch am Internet geht der Boom nicht spurlos vorüber. So wagt Anfang Dezember der renommierte Ratgeberverlag Gräfe und Unzer mit der Koch-Community Küchengötter den Sprung ins Web-2.0-Zeitalter. Dabei will der Ableger der Ganske Verlagsgruppe nicht kleckern, sondern klotzen und strebt die “Qualitätsführerschaft unter den zahlreichen Kochangeboten im Internet” an. Gelingen soll dieser Großangriff durch eine Mischung aus Profiwissen und Nutzererfahrungen. Profiinhalte liefern unter anderem Nicole Stich, die bereits das Foodblog delicious:days betreibt, und Kochbuchautor Sebastian Dickhaut. Ansonsten finden die Nutzer bei der kostenlosen Koch-Community Step-by-step-Anleitungen, Videoclips und Tests. Finanzieren will der Ratgeberverlag Küchengötter über Werbung, Kooperationen und spezielle Angeboten wie Kochkurse.

Mit Burda beackert bereits ein anderes Medienunternehmen das lukrative Kochgeschäft. Mit der kürzlich gestarteten Food-Community BonGusto wollen die Münchner allen kochbegeisterten Onlinern – vom Kochanfänger über Gourmet bis zum reinen Genießer – eine zweite Heimat geben. Für eine Zwischenbilanz ist es so kurz nach dem Start noch zu früh. Im Juli schoben die Hobbyköche Dominic Hesse und Marco Bickel die Koch-Community Spacecook ins Netz. Die Plattform entwickelt sich derzeit nur langsam. Aus den rund 700 registrierten Nutzer einen Monat nach dem Start sind inzwischen gerade einmal 841 geworden. Zu guter Letzt bewegt sich sein einiger Zeit auch Vijay Sapre, der ehemalige Gründer des Automobilmarktes mobile.de im Kochsegment. Über sein Koch-Wiki mit dem Namen Kochpiraten können sich Hobbyköche, Profis und angehende Küchenmeister über Wissenswertes, Anekdoten und Hintergründe zu Lebensmitteln aller Art informieren. Das ambitionierte Projekt ist aber bisher allerhöchstens in Fachkreisen ein Begriff.

Platzhirsch im Kochsegment ist Chefkoch.de

Neben den genannten neueren Online-Kochprojekten existieren unzählige Koch- und Rezeptseiten im Netz. Allein eine Suchanfrage zum Thema Rezepte bei Google fördert unglaubliche 33,4 Millionen Treffer zu Tage. Platzhirsch unter den Kochseiten im Netz ist ohne Frage Chefkoch.de. Im Oktober klickten die Nutzer die riesige Rezeptsammlung laut IVW auf 4,8 Visits und 58,5 Millionen Page Impressions. Damit gehört Chefkoch.de zu den zehn größten Websites mit nutzergenerierten Inhalten im deutschsprachigen Web. Ihren Spitzenplatz werden die Online-Pioniere, Chefkoch.de ging bereits 1998 ins Netz, sicherlich hart verteidigen. Wer Erfolg in diesem Segment haben will, muss vermutlich über starke Medienpartner verfügen oder ordentlich Geld in die Hand nehmen.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.