Unternehmen in der Startup-Falle

Für einen Abgesang ist es sicherlich noch zu früh, dennoch scheint sich das neue soziale Netzwerk “unddu.de” aus dem Hause Web.de, welches am 24. April das Licht der Cyberwelt erblickte, zu einem Rohrkrepierer […]
Unternehmen in der Startup-Falle

Für einen Abgesang ist es sicherlich noch zu früh, dennoch scheint sich das neue soziale Netzwerk “unddu.de” aus dem Hause Web.de, welches am 24. April das Licht der Cyberwelt erblickte, zu einem Rohrkrepierer zu entwickeln. Offizielle Zahlen nennt das Unternehmen keine, deswegen müssen andere Indikatoren für ein erstes Fazit her.

Ein Ansatzpunkt ist dabei die Website selbst. Unter dem Menüpunkt “Neue Mitglieder” gibt’s seit längerem keine neuen Gesichter. Ständig lächelt Jule aus München, die übrigens bei der Web.de-Schwester GMX arbeitet, die Nutzer an. Im schlimmsten Fall melden sich keine neuen Mitglieder an, im besten Fall laden die neuen Mitglieder einfach nur keine Profilfotos hoch. Ein katastrophales Bild liefert dagegen das Forum. Knapp 50 Beiträge deuten nicht auf rege Kommunikation zwischen den Mitgliedern hin. Dabei war zu erwarten, dass vor allem Netzwerk-Neulinge mit vielen Fragen bei “unddu.de” aufschlagen würden.

Eindeutiger Vorsprung für “JoinR”

Weitere Ansatzpunkte liefern ein Blick auf die Alexa-Zahlen, die Suchergebnisse bei “Google” und die Links bei “Technorati”. Alle diese Zahlen sind sicherlich nicht das Maß der Dinge, trotzdem lohnt sich ein Blick. Demnach kommt “unddu.de” bei Alexa derzeit auf Rang 70.373. Zum Vergleich: Das Mitte Februar an den Start gegangene Netzwerk “JoinR” kommt immerhin schon auf Rang 27.510. Ein Blick auf die Suchergebnisse bei “Google” zeigt ebenfalls einen eindeutigen Vorsprung. “JoinR” kommt auf 160.000 Suchergebnisse, die übermächtige Konkurrenz nur auf 45.400. Allerdings sind bei “JoinR” unter den Suchergebnissen viele Profilseiten der Nutzer.

Dabei dürfen sich die “unddu.de”-Macher nicht über mangelndes Interesse beschweren. Dies zeigt ein Blick auf die Alexa-Reichweite (siehe oben). An den ersten Tagen hat sich wahrscheinlich die gesamte Blogosphäre einmal bei “unddu.de” umgesehen. Leider sind vermutlich alle seitdem nicht wiedergekommen. Fazit: “unddu.de” ist rasant gestartet und muss nun wie alle anderen Frischlinge um Aufmerksamkeit und Mitglieder kämpfen. Ähnlich sieht’s bei “bloomstreet” (von Mediengigant Bertelsmann gesponsert) aus. Der Anfangseuphorie folgte Ernüchterung. Merkwürdigerweise ist auch im “bloomstreet”-Forum so gut wie nichts los. Ende Februar ging “bloomstreet” in den Beta-Test. Die Resonanz ist mau: 128.000 Suchergebnisse bei “Google” und 120 Links bei “Technorati”. Nochmals zum Vergleich ein Blick auf Unterdog “JoinR” (160.000 Suchergebnisse und 159 Links).

“Das lässt sich in einem Konzern nur schwer initiieren”

Große Unternehmen und viel Geld sind im Webgeschäft offensichtlich kein Garant für sofortigen Erfolg. In vielen Fällen fehlt solchen firmengesteuerten Neugründungen einfach der Anfänger-Charme und die Kompetenz. Marcus Englert, Vorstand Diversifikation bei ProSiebenSat.1, hat dies längst erkannt. Der TV-Sender stieg im vergangenen Jahr unter anderem bei “MyVideo” und der Social Community “Lokalisten” ein. “Die Entwicklung und Gründung eines Start-ups braucht eine spezifische Kompetenz. Außerdem haben solche Sites immer eine eigene Philosophie, die in den meisten Fällen zunächst auf einem reinen Selbstzweck gründet. Das lässt sich in einem Konzern nur schwer initiieren. Was nicht heißen soll, dass es in der ProSiebenSat.1-Gruppe keine kreativen Ideen gibt. Doch solche Unternehmen müssen in der berühmten Garage das Licht der Welt erblicken”, sagt Englert.

Netzwerke im Vergleich *

unddu.de
Alexa-Traffic-Rank: 70.373
Google-Suchergebnisse für “unddu”: 45.400
Technorati (Links to this URL): 92

bloomstreet
Alexa-Traffic-Rank: 47.377
Google-Suchergebnisse für “bloomstreet”: 128.000
Technorati (Links to this URL): 120

JoinR
Alexa-Traffic-Rank: 27.510
Google-Suchergebnisse für “joinr”: 160.000
Technorati (Links to this URL): 159

vicinia
Alexa-Traffic-Rank: 152.371
Google-Suchergebnisse für “vicinia”: 81.600 **
Technorati (Links to this URL): 57

Cosmonited
Alexa-Traffic-Rank: 253.175
Google-Suchergebnisse für “cosmonited”: 704
Technorati (Links to this URL): 17

studiVZ
Alexa-Traffic-Rank: 293
Google-Suchergebnisse für “studivz”: 1.260.000
Technorati (Links to this URL): 5.816

schuelerVZ
Alexa-Traffic-Rank: 4.226
Google-Suchergebnisse für “schuelervz”: 204.000
Technorati (Links to this URL): 241

Lokalisten
Alexa-Traffic-Rank: 1.768
Google-Suchergebnisse für “lokalisten”: 1.750.000
Technorati (Links to this URL): 535

* Stand: Freitag, 18. Mai 2007 (16 Uhr)
** Es existiert auch eine Pennälerverbindung in Karlsruhe mit dem Namen “PV Vicinia”

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

  1. Sorry .. aber mir will echt nicht in den Kopf, warum man immer an diesen ALEXA Rankings festhält.

  2. Wie ich schon im Text geschrieben habe: “Alle diese Zahlen sind sicherlich nicht das Maß der Dinge, trotzdem lohnt sich ein Blick”. Und weil ich das auch so meine, spielen die Alexa-Zahlen in diesem Artikel auch nicht die wichtigste Rolle. Zummindest Trends/Hypes kann man aber an den Alexa-Zahlen ablesen. Siehe Start von “unddu.de”.

  3. Kann mir mal einer erklären, was es mit diesem Alexa auf sich hat.

    Mir sagte jemand, der sich auskennt, dass das keine harte Währung ist.

  4. IMHO wird das Alexa Ranking auf Basis des Nutzerverhaltens der Alexa Toolbar Nutzer errechnet. Da die Alexa Toolbar aber primär von “Heavy Usern” installiert wird (zumindest im deutschsprachigen Raum), kann man von dem Alexa Ranking nur bedingt auf das allgemeine Nutzerverhalten des “Otto-Normal-Surfers” schließen.

    Entscheidender sind wohl nicht die Alexa Zahlen, sondern die wenigen neuen Mitglieder von Unddu.

  5. Alexa.com hat in den letzten Jahren einen richtigen Hype erlebt. Für ist das nur reine Augenwischerei die sich prima für den Vertrieb eignet.

    Alexa.com ist leicht manipulierbar und spiegelt mit Sicherheit nicht den wahren Stellenwert einer Seite wieder.

  6. Die Zahlen von Alexa sind im Prinzip vertrauenswürdig.
    Ausnahmen sind Seiten, die überdurchschnittlich von Entwicklern/SEO/Marketingleuten besucht werden, die besonders häufig die Alexa Toolbar installiert haben.
    Diese Seiten werden von Alexa überbewertet.
    Die Alexa-Trafficdaten für Durchschnitts-Communities, wie die oben genannten, sind aber ziemlich aussagekräftig.



  7. tender

    joinr, unddu, vicinia, … alles “rohrkrepierer”!

    warum? weil bundesweit gestartet und kaum neue features… bis auf paar sinnige ajax-features könnten das auch irgendwelche communities ende der 90er sein.

  8. Ganz so blöd wird United Internet übrigens wohl auch nicht sein, so ein Projekt hinzustellen und dann einfach wieder krepieren zu lassen.
    Die werden das demnächst noch ein bisschen in ihrem eigenen Netzwerk pushen und wenn sie das auch nur ein bisschen schlau anstellen, stellen sie damit einige andere Communities sicher ziemlich schnell in den Schatten.

  9. Naja, die Aussagekraft von Alexa ist unserer Erfahrung nach wirklich nicht die größte – mehr dazu demnächst auf unserem Blog…

    Ansonsten:
    Ja! Startups leben von den Köpfen, die dahinter stehen und deren Ideen. Sicher kann das auch ein Großkonzern managen, aber eben nur, wenn er das StartUp dann laufen lässt und nicht zu eng an der Hand führt…

  10. @Christian .. absolut richtig !:-)

  11. Alexa kann man total vergessen. Wir haben erst vor kurzem einen Beitrag dazu veröffentlicht wie Google Analytics und Alexa uns sehen. Fazit: die beiden gehen getrennte Wege ;-)

    http://blog.edelight.de/187/unsere-entwicklung-alexacom-vs-google-analytics/

  12. Pingback: Kapitalismus.de » Analysen zu Freundes- und Schülernetzwerken

  13. horizontale und motivfreie networks können in d’land einfach keine kritische masse initiieren um selbsterhaltendes wachstum zu erzeugen. ach, was red ich? unddu interessiert einfach kein mensch in deren nutzerstamm für. wie soll man jemandem dem man gestern premium-mail-anti-spam-club-blah dienste verkauft hat, heute erklären jetzt doch bitte kostenlos seine daten hier einfach offen ins netz zu stellen?

  14. … wie kommt eigentlich der prosieben pr-text da mittenrein?

  15. Ich finde das http://wir.de auch noch in der Liste genannt werden sollte … Technik alleine hat noch nie gereicht … Die Köpfe dahinter sind der Schlüssel zum Erfolg.

  16. @Thomas Promny

    Vielleicht mal an einem Bsp. gezeigt. … Unser Blog hat gerade den Alexarank von WuV.de geknackt und nähert sich gerade Horizont.net an.

    Im Schnitt hat unser Blog rund 200 Besucher am Tag … :-) Alexa rulez



  17. Jan

    United Internet hat sicher noch längst nicht alle Munition verschossen. Mit Web.de und GMX haben sie ja nun zwei große Portale mit erheblichen Nutzerzahlen in der Hinterhand und das aus meiner Sicht noch gar nicht wirklich ausgenutzt. Ich kann jedenfalls nicht behaupten, dass ich schon viel über unddu.de informiert wurde – obwohl ich sowohl bei GMX als auch bei Web.de bin. Also da kommt sicher noch einiges.

    Kritisch anmerken muss man allerdings, dass irgendwann mal die Nutzer fehlen. Es gibt inzwischen bald mehr Netzwerke als Teilnehmer. Dass da einige zum Rohrkrepierer werden, ist ganz klar. Solche Seiten funktionieren erst, wenn sie eine kritische Masse erreicht haben. Und die erreichen sie nicht, so lange sie nicht genügend Nutzer haben. United Internet könnte diesen Teufelskreis durchbrechen. Andere werden es da sehr, sehr schwer haben, wenn sie sich nicht auf eine ganz bestimmte Zielgruppe spezialisieren. Eine Community für Suchmaschinenoptimierer beispielsweise…

    Wem das alles zuviel wird, dem empfehle ich übrigens http://www.alleinr.de ;-)

  18. Guter Artikel, danke. Ich freue mich, bei deutsche startups auch einmal etwas Kritisches zu lesen. Hätte glatt von uns stammen können ;)

    Vermutlich werden die meisten der zahlreichen Social Networks ohne eigenen USP in Kürze wieder verschwinden. Schau mer mal, wer überlebt!



  19. tender

    unddu.de wird auch bei mehr promotion ein flop bleiben…

    es gibt einfach keinen grund sich da anzumelden…

    kaum profile und wenn dann mehr als leer…

  20. Pingback: Kapitalismus.de » Ich finde es laaaaaaaaaangweilig - UndDu?



  21. hanno

    ich würde die großen kommerz-netze (wir.de, unddu.de) auch noch nicht vorzeitig abschreiben. natürlich ist solch ein konzern wesentlich unbeweglicher als ein junges startup, hat aber auch ganz andere möglichkeiten und multiplikatoren als ein noname.

    wie hier schon einige leute sagten, sind die plattformen bisher nicht mal an ihren eigenen nutzerstamm (gmx, web, ..) herangetragen worden – wieso auch? denen wir auch klar sein, dass sie bei den informierten first-movern im internet als kommerz-plattform auf ablehnung stoßen werden. also die plattform erstmal ein paar monate laufen lassen, erstes feedback einfahren und schauen wie das system läuft. die spätere user von unddu.de (was WIR wohl nicht sein werden) werden von der heutigen kritik eh nichts mitbekommen. also erstmal ausbauen und dann nach einigen monaten mit einem fertigen produkt in die promotion starten, und nicht wie heutzutage üblich mit einer first-pre-beta.

    natürlich gibt es noch immer die möglichkeit, dass die teile stecken bleiben .. aber für untergangsgesänge halte ich es noch ein wenig zu früh. dafür haben die anbieter noch zuviele möglichkeiten im ärmel, die sie ausschöpfen ‘könnten’.

  22. Pingback: Massenpublikum » Keine Ideen im Land der Ideen



  23. Benjamin Ahlers

    glaube auch, dass sich kaum ein Konzern mit einem Social Network durchsetzen wird – einerseits steht der offensichtlich kommerzielle Gedanke zu weit im Vordergrund, andererseits sind die Konzepte aber auch derart verschroben! unddu.de ist nur ein Beispiel, wer sich mal in der T-Com Community fussball.de umgeschaut hat, der wird sein blaues Wunder erleben!

    unddu schießt natürlich natürlich auch noch in punkto Spießigkeit den Vogel ab!



  24. weter

    Diese blauäugigen Pseudoanalysen, die in den Blogs gerne die Runde machen, können nervtötend sein. Das Alexa-Daten in Frage gestellt werden, ist wohl mittlerweile selbstredend und das wurde ja auch erwähnt. Aber einfach bei Google nach einem Stichwort (in diesem Fall “joinr”) zu suchen und die Daten dann zu nutzen, ohne sie in irgendeiner Form zu verifizieren ist schlicht und einfach unprofessionell.
    Analysiert man das Ganze mal korrekt:
    Der Suchbegriff “joinr” nur im Bezug auf die Domain joinr.de bringt runde 2780 Links zu Tage. Dies sind die berühmten Mitgliederseiten. D.h. hier haben wir einen Richwert, wieviele Mitglieder sich dort tummeln (zumindest aktiv verlinkte).
    In dem Beitrag hier wird davon gesprochen, dass beim Suchwort ““JoinR” unter den Suchergebnissen viele Profilseiten der Nutzer” sind. Diese machen keine 2% des Ergebnisses aus. Das ist keineswegs “viele”… Dies ist nur ein Kritikpunkt an dieser “Analyse”. Es gibt durchaus noch weitere. Also, beim nächsten Mal wäre ein wenig mehr Recherche angebracht. Eine Spielwiese ist das hier ja mal auch nicht… Beste Grüße, weter

  25. @ weter

    Wie ich schon geschrieben habe: “Alle diese Zahlen sind sicherlich nicht das Maß der Dinge, trotzdem lohnt sich ein Blick”. Der Google-Vergleich soll die Links zur Domain joinr aufzeigen und nicht zeigen wie oft joinr.de mit der eigenen Domain bei Google im Index vertreten ist. Die Zahl soll sozusagen als Indikator dafür dienen, wie oft andere Menschen und Medien über joinr.de berichtet haben.

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