Techies im Interview CTOs: Zwischen Lifehacks, Skills und Leitmotiven

Wie wird man eigentlich CTO und und welche "Lifehacks" kann ein Head of Engineering geben? deutsche-startups.de fragte Stefan Rothlehner von foodora, Arne Zeising von Liqid und Timo Rößner von Blacklane. Was wir festhalten können: Ein "Techie" braucht weit mehr Skills als nur ein Faible zur Technik.
CTOs: Zwischen Lifehacks, Skills und Leitmotiven

Meist sind es die CEOs eines Unternehmens, die bekannt sind und im Mittelpunkt stehen. Aber jedes Start-up braucht unbedingt auch einen CTO. Der Chief Technical Officer bzw. der Head- oder Director of Engineering ist unersätzlich für die technische Ausstattung eines jungen Unternehmens – siehe dazu auch “Alles, was man als Startup-CTO so wissen muss” und “Was muss eigentlich ein CTO tun?“.

Doch wie wird man eigentlich CTO, wie leitet man ein Techie-Team am besten und welche ultimativen “Lifehacks” kann ein Head of Engineering geben? deutsche-startups.de fragte Stefan Rothlehner von foodora, Arne Zeising von Liqid und Timo Rößner von Blacklane, beim CTO Club von honeypot.io aus. Hier ihre Antworten.

Stefan Rothlehner, Head of Engineering bei fodoora

stefanCTO

Wie wird man Head of Engineering?
Ich habe foodora gegründet und habe mich von Anfang an um unsere Technik gekümmert. Ich bin quasi in die Rolle reingewachsen. Aktuell fokussiere ich mich bei foodora vor allem auf unsere Logistiksysteme, um das komplexe Problem, tausende Orders mit einer flexiblen Flotte an Fahrern innerhalb kürzester Zeit zu den Kunden zu bringen so effizient, transparent und automatisiert wie möglich zu lösen

Wie leitet man ein “Techie”-Team?
Eine klare Richtung, ein klares “Leitmotiv” ist wichtig, und man muss geschickt die Aufmerksamkeit der Entwickler auf die aktuell wichtigen Aufgaben lenken. Jeder “Techie”, mich eingeschlossen, ist neugierig auf neue Technologie und “spielt” gerne mit dieser. Dabei kann aber schnell die Produktivität oder Qualität der Entwicklung auf der Strecke bleiben. Darauf muss man achten.

Was sind Ihre ultimativen “Lifehacks” im Job?
Ich habe eigentlich keine Lifehacks. Ich folge einem relativ fixen Tagesablauf und versuche mich so oft wie möglich mit meinem Team auszutauschen. Das einzige was mir in den Sinn kommt ist, dass ich mir ein Fitnessstudio direkt gegenüber von unserem Büro ausgesucht habe und meine Sportklamotten dauerhaft im Büro gebunkert sind, sodass der Weg zum Sport so weniger Barrieren wie möglich hat. So kann ich beispielsweise auch mal in der Mittagspause eine halbe Stunde abschalten. Andernfalls könnte ich mich vermutlich nie aufraffen, vor oder nach der Arbeit noch zu trainieren.

Was ärgert Sie in ihrer Rolle als Head of Engineering?
Ich denke, dass man auf der Business-Seite zwar sehr genau versteht, dass in einem guten Tech-Produkt eine Menge Wert und Potential steckt, aber ich vermisse häufig das Verständnis, dass auch Softwareentwicklung ein kreativer Prozess ist und man nicht immer alles messen, analysieren und in KPIs gießen kann. Es kann durchaus sein, dass ein Entwickler mal einen ganzen Tag über einem harten Problem grübelt und dann auf dem Papier weniger produktiv erscheint, oder dass man etwas entwickelt, das aktuell keinen direkten Nutzen hat, man aber in einem halben Jahr genau das brauchen kann.

Was wollten Sie schon immer mal gefragt werden als foodoras Head of Engineering?
“Können wir den Release um zwei Monate NACH HINTEN verschieben?” :-D

Arne Zeising, Head of Engineering bei Liqid

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Wie wird man CTO?
Da wir bei Liqid ein aus regulatorischer und operativer Sicht sehr anspruchsvolles Produkt anbieten und entwickeln, findet man bei uns keinen klassischen CTO. Vielmehr gilt es, den kundenzentrierten Entwicklungsprozess mit der finanztechnischen Abwicklung unter einen Hut zu bringen. Als Head of Engineering bin ich bei Liqid daher verantwortlich für die technologische Weiterentwicklung der Plattform sowie die Steuerung operativer Prozesse.

Wie leitet man ein “Techie”-Team?
In meinen Augen ist es entscheidend zu erkennen, wo die Stärken aber auch die Schwächen verschiedener Team-Mitglieder liegen. Was sich jetzt erstmal nach viel Management-Vokabular anhört, ist im Artikel How to Spot and Magnify the Powers of Your Engineering Superheroes sehr schön auf den Punkt gebracht. Jeder wird bei sich im Team Devs mit unterschiedlichen Typen und Talenten finden. Mein Ziel ist es, die Aufgaben im Team so zu verteilen, dass diese Talente ideal ausgespielt werden können und innerhalb des Teams eine gute Balance der verschiedenen Typen vorzufinden ist

Was sind Ihre ultimativen “Lifehacks” im Job?
Das zählt zwar kaum als Lifehack, aber die Giphy-Integration in unser Slack war das Beste, was uns bei Liqid passieren konnte.

Was ärgert Sie in ihrer Rolle als CTO?
Wir stehen bei Liqid vor der Herausforderung, die alte Welt der Vermögensverwaltung mit den digitalen Ansprüchen der Kunden zu vereinen. Dabei ist es jedes Mal aufs Neue ärgerlich, wenn einen regulatorische Beschränkungen davon abhalten, technologische Verbesserungen umzusetzen, die gleichzeitig unseren Kunden und uns zugutekommen würden.

Was wollten Sie schon immer mal gefragt werden als CTO?
Was ich mich jedenfalls frage: Wie schafft es ein Jack Dorsey so effizient zu sein, dass er in der Lage ist, zwei börsennotierte Unternehmen gleichzeitig zu führen. Und das als Techie.

Timo Rößner, Director of Engineering bei Blacklane

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Wie wird man Director of Engineering? 
Interesse daran mit höchst unterschiedlichen Akteuren zusammen etwas zu erschaffen, auf das man stolz sein kann und das Bestand hat. Alternativ dazu sollte es wenigstens bis zur nächsten Investorenrunde reichen. Abgesehen davon das, was Grundlage für alles im Leben ist: Leidenschaft, Hingabe und der Wille jeden Tag zu lernen.

Wie müssen „Techies“ geführt werden: Auf was kommt es an?
Ich bin sehr stark von Vorbildern wie Zappos, Tesla, google und so weiter inspiriert. Insofern ist es mein Ziel höchst performante und selbstständige Teams aufzubauen, die bis zu einem gewissen Grade vollständig ohne Management auskommen. Die meisten Management Strukturen sind sowieso nur für’s Ego und dadurch für das Produkt hinderlich. Insofern verstehe ich meine Arbeit eher als “Aufbau” denn als “Führung”.Dazu gehört eine ganze Menge – Mit gutem Recruiting fängt alles an hin zu Mitarbeiterentwicklung, “tech evangelizing”, Motivation aufbauen, lernen & lehren, das Produkt verstehen und wo es hingeht, innovativ sein oder wenigstens so tun, im schlimmsten Fall auch mal auf den Tisch hauen, Konflikte auflösen und so weiter und so fort.

Was sind Ihre ultimativen “Lifehacks” im Job?
Zero inbox, mehr oder weniger allem was in “Getting things done” steht, Kalendererinnerungen für alles, egal wie klein und unwichtig es scheint und, ähm, wunderlist.

Was ärgert Sie in ihrer Rolle als Director of Engineering?
Die monolithische legacy Applikation, die wahrscheinlich jeder im Keller hat. Ansonsten noch hoch im Kurs: Eine langsame test suite, das andauernde Verwechseln von “javascript” und “Java” von Recruitern, die Behauptung das Code Qualität subjektiv ist (newsflash: sie ist es nicht) und das Festhalten an veralteten Technologien weil man ja schon vor 10 Jahren xyz damit implementiert hat.

Was wollten Sie schon immer mal gefragt werden als Director of Engineering?
“Wieviel Budget braucht ihr für das jährliche Team Event auf Mauritius?”

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Conny Nolzen, geboren 1989, arbeitet seit September 2015 als Volontärin bei deutsche-startups.de. Die Hamburgerin konnte bereits, neben ihrer Tätigkeit als Pferdewirtin, verschiedene Start-ups mit kreativen Ideen unterstützen. Ihr besonderes Interesse galt hierbei den Gründerinnen der Szene. Erste journalistische Erfahrungen sammelte sie in der Nachrichtenredaktion eines Hamburger Radiosenders. Mit Conny kam auch der erste Bürohund zu ds - welcher (meistens) auf den Namen Emil hört.

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