Der Startup-Pott kocht! Start-ups im Ruhrgebiet – was Gründern im Pott noch fehlt

Der Pott kocht schon lange nicht mehr - und auch die letzte Zeche macht bald dicht. Dafür erblüht zwischen Duisburg, Essen und Dortmund die Start-up-Szene. Wir haben uns im Kohlenpott einmal umgehört, was im Gründerinnen und Gründer im Ruhrgebiet noch vermissen.
Start-ups im Ruhrgebiet – was Gründern im Pott noch fehlt

Das Ruhrgebiet ist mehr als ein Lebensraum, für die Menschen zwischen Bochum, Bottrop, Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen ist das Ruhrgebiet auch ein Lebensgefühl. Auch Start-ups erblühen im Pott, das bald komplett ohne Zechen auskommen muss, inzwischen vermehrt.

In unserem Themenschwerpunkt Ruhrgebiet beschäftigen wir uns ausgiebig mit Start-ups im schönen Revier – siehe auch “Ist das Ruhrgebiet die nächste Start-up-Hochburg?” und “10 % aller deutschen Start-ups sind in Rhein-Ruhr Zuhause“. Wir haben uns im Kohlenpott einmal umgehört, was im Gründerinnen und Gründer im Ruhrgebiet noch vermissen. Hier die Antworten.

Was fehlt im Ruhrgebiet noch?

Es ist schon deutlich schwerer geeignete Mitarbeiter und Investoren in unserer Region zu locken, gerade so tradierte Unternehmen wie Klöckner gehen – warum auch immer – nach Berlin und schwächen sehr deutlich die Gründerszene in der Region, das ist aus meiner Sicht sehr schade. Gerade solch große Unternehmen aus der Region müssen hier die Ressourcen nutzen und hier die Gelder investieren. Mutige und umsetzungsstarke Unternehmen die auch die neuen Dienstleistungen und Technologien stärker integrieren und einsetzen fehlen mir auch noch. Wobei man durchaus eine positive Veränderung wahrnimmt.
Thomas Harmes, mifitto

Die Hidden Champions sollten sich langsam aktiver zeigen und die Digitale Transformation angehen. Der konservative Spirit kann sehr gefährlich werden. Wir sollten all diese etablierten Unternehmer durch Berlin, Silicon Valley und New York schleusen und sagen: Schaut Euch an, was alles geht und lasst uns unseren, eigenen Ruhrgebiets-Weg in die Zukunft finden! Dümmer würde das Ruhrgebiet von so einem Ansatz sicher nicht. Man darf halt nur nicht den Fehler machen und versuchen diese Hot Spots zu kopieren. Das wird nicht funktionieren. Authentizität ist hier das Wichtigste.
Kai Oestreicher, Wunschfutter

Die Überzeugungsarbeit, dass aus einem kleinen Start-up etwas Großes werden kann, fehlt im Ruhrgebiet noch. Es gibt auch in unsere Breitengraden viele Erfolgsstories, welche aber auch nach außen getragen werden müssen. Man muss sich nicht profilieren, aber man sollte sich auch nie zu klein machen, denn die bessere Currywurst gibt’s auf jeden Fall bei uns im Ruhrgebiet!
Daniel Marx, Urlaugsguru

Im Ruhrgebiet fehlt es besonders an Venture Capital Gebern. Eine Business Angels Struktur ist vorhanden und die Anzahl an Business Angels wächst, jedoch sind vor allem Venture Capital Geber im Ruhrgebiet rar. Um diese kennen zu lernen, muss man sich in Berlin auf den Events aufhalten. Wenn man in Berlin als Startup gründet, kann man an fast jedem Tag ein Event besuchen. Die Möglichkeiten der Vernetzung genauso wie die Förderung durch z.B. Seminare sind in Berlin vielfältiger als im Ruhrgebiet.
Lea-Maria Zimmermann, Bauduu

Eine verbreiterte A40 und ein gemeinsamer Außenauftritt, denn die Städte für sich genommen haben nicht soviel Power, wie eine Stadt mit über fünf Millionen Einwohnern.
Kai Brökelmeier, virtualnights

Es fehlen vor allem digitale Leuchttürme im Ruhrgebiet. Das Ruhrgebiet beherbergt schon einige große Konzerne, aber sehr wenige bedeutende digitale Unternehmen. Das führt dazu, dass viele Talente das Ruhrgebiet Richtung anderer Metropolen verlassen. Selbst einige Konzerne, die Ihren Hauptsitz im Ruhrgebiet haben, verlegen ihren ihre digitalen Aktivitäten nach Berlin Berlin – z.B. Funkedigital. Es hat bis jetzt nicht viele Exits gegeben und infolgedessen fehlen gute aktive Business-Angels. Es tut sich aber etwas und vor kurzem gab es mit Employour einen guten Exit in Bochum und – das ist ein gutes Zeichen dafür, dass das Ruhrgebiet auch erfolgreiche digitale Unternehmen hervorbringen kann.
Wahid Rahim, RankSider.

Die großen Universitäten müssen bald umdenken. Sie bilden nicht mehr für Opel aus, denn Opel gibt es nicht mehr. Sie müssen praxisnaher werden und Studenten die Möglichkeit geben, Unternehmertum zu lernen und zu leben. Es kann zum Beispiel nicht sein, dass ein abgeschlossener BWL-Student noch nie Online-Marketing gemacht hat und ein Informatiker mit Master noch nie von Technologien wie Node.JS oder Ruby on Rails gehört hat. Weiterhin müsste man die Anlaufstellen für Gründungsinteressierte besser schulen – das geht beim Vokabular – Seedfinanzierung, A/B/C-Runde, Termsheet – los und hört mit dem Wissen auf, dass es noch andere Finanzierungsmöglichkeiten als einen Kredit bei einer Bank gibt. Es gibt zwar Bestrebungen, das zu ändern, aber leider kocht da jede Stadt ihr eigenes Süppchen – smarter wäre es, das auf NRW-Ebene zu koordinieren.
Sebastian Deutsch, 9elements

Wir sehen momentan eine ziemlich dynamische Entwicklung der gesamten Startup-Szene im Ruhrgebiet und erwarten in vielen Aspekten eine deutliche Verbesserung in 2016! Auf der einen Seite muss und wird intensiv an einem städteübergreifenden Netzwerk zwischen Startups gearbeitet. Initiativen wie FuckUp Nights, Startup-Nights.de sowie gewisse Meetup-Gruppen wachsen momentan exponentiell und ergänzen lokale Initiativen und politische Kampagnen wie beispielsweise start2grow. Sinnvoll wäre sicher auch ein Großevents, welches die Startup-Region Ruhrgebiet in den Fokus von Investoren und Konzerne rückt. Nicht steuerbar aber wünschenswert wären erste bzw. weitere Exits von Ruhrgebiets-Startups, um die Szene mit Geld, Knowhow und Kontakten anzureichern.
Oliver Weimann, taxify24

Mehr mutige Gründer, die das Potential, das hier im Ruhrgebiet zweifelsohne vorhanden ist, ausnutzen.
Stefan Peukert, Employour

Passend zum Thema: “Start-ups aus dem Ruhrgebiet, die jeder kennen sollte” und “Ruhrgebiet = ‘persönlicher und nicht so oberflächlich’

Foto: Bjoern Alberts / Shutterstock.com

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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