Revolution Book A Tiger: Das Uber-Prinzip ist gescheitert

Book A Tiger stellt sein Geschäftsmodell komplett um! Das Start-up, das bisher auf freie Putzkräfte setzte, kündigt die Festanstellung seiner Reinigungskräfte an. Man darf den Vorstoß gerne eine Revolution nennen. Klar sollte aber auch sein, dass das Book A Tiger-Team diesen Schritt nicht komplett freiwillig geht.
Book A Tiger: Das Uber-Prinzip ist gescheitert

Claude Ritter und Nikita Fahrenholz, die Gründer von Book A Tiger, sind die neuen Revoluzzer der Digitalwirtschaft. Mit einem Handstreich werfen sie ein sehr gut skalierbares Geschäftsmodell über Bord. Sehr gut skalierbare deswegen, weil es im personalintensiven Dienstleistungssegment quasi ohne eigene Mitarbeiter ausgekommen ist – so wie die großen Vorbilder Uber und Co. Bisher konnten Nutzer über Book A Tiger Putzkräfte buchen. Diese Putzkräfte waren freie Mitarbeiter des Unternehmens. Oder anders ausgedrückt: Book A Tiger setzt bisher auf billige Tagelöhner.

Nun aber schwenkt Book A Tiger um – und kündigt an, Putzmänner und -frauen nun selbst einzustellen. Rund 500 Reinigungskräfte will das Start-up in den kommenden Wochen fest einstellen. Das Berliner Start-up bindet sich somit einen massiven Kostenblock ans einst so freie Bein. Ein mutiger und richtiger, aber auch ein notwendiger Schritt. Denn eine Heer an freien Mitarbeitern schafft auch massive Probleme. Und dabei geht es nicht nur um Qualität und das firmenfremde Erscheinungsbild der Mitarbeiter. Das Thema Scheinselbständigkeit dürfte dabei auch ein großes Problem sein. Ein Problem, dass für Unternehmen wie Book A Tiger teuer werden kann – sehr teuer. Stichwort: Sozialversicherungsbeträge.

Insgesamt ist es somit durchaus gerechtfertigt, dass Book A Tiger den massiven Wandel seines Geschäftsmodells als “radikale Änderung” und “einschlägigen Schritt in der Geschichte” des Unternehmens bezeichnet. Man darf den Vorstoß auch gerne eine Revolution nennen. Klar sollte aber auch sein, dass das Book A Tiger-Team diesen Schritt nicht komplett freiwillig geht, der Schritt ist notwendig, weil die massenhafte Beschäftigung von freien Mitarbeitern langfristig teuer werden und zudem das Image des Unternehmens beschädigen kann. Denn wer will schon ständig als negatives Beispiel in der Presse landen, wenn es um Billigarbeitskräfte geht. Den schwarzen Peter schiebt das Book A Tiger-Team nun an den Wettbewerber Helpling, gehört zu Rocket Internet, weiter.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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