Gastbeitrag von Thomas Keup Etablierte Firmen auf der Suche nach der “sexy lila Kuh”

Etablierte Firmen locken Start-ups mit Funding, Mentoring und Business Development in ihr Eco-System - und vergessen manchmal, was für den gemeinsamen Erfolg nötig ist. Nach einem hoffnungsvollen Contest und einem engagierten Onboarding übernimmt leider der Konzernalltag die Regie.
Etablierte Firmen auf der Suche nach der “sexy lila Kuh”

Does your startup understand railway? Mit dieser Frage spricht die Deutschen Bahn junge Gründer auf der Homepage ihres Acccelerators “Mindbox Berlin” an. Die gut gemeinte Ansprache offenbart die Schwäche von Inkubatoren, Acceleratoren und Innovationlabs: Etablierte Firmen locken mit Funding, Mentoring und Business Development in ihr Eco-System – und vergessen manchmal, was für den gemeinsamen Erfolg nötig ist.

Nach einem hoffnungsvollen Contest, einem erfolgreichen Pitch-Day und einem engagierten Onboarding übernimmt der Konzernalltag die Regie in vielen Innovationsprogrammen. So endete der 1. Batch des Bahn-Programms nicht nur “zukunftsweisend”: Das im Juni ‘15 hier vorgestellte Team von Inube wollte den “Zukunftsbahnhof” Berlin-Südkreuz mit ihrer Indoor-Navigation ausleuchten. Das Projekt endete mit einem Angebot für den uninteressanten S-Bahnhof Jannowitzbrücke.

Schaue ich mir Pitch-Contests, Startup-Classes und Demo-Days als Chefredakteur des Magazins Gründermetropole Berlin an, stellen sich mir eine Reihe von Fragen: Was ist aus den angekündigten Geschäftmodellen geworden? Wo wurden die innovativen Produktideen in die Praxis umgesetzt? Wie haben sich die Startups nach den Programmen entwickelt? Auch ds-Chefredakteur Alexander Hüsing bestätigt, dass eine Reihe geförderter Startups schon kurze Zeit später verschwunden sind.

Das Ziel: Eine neue Line of Business

Die Konzerne bieten Startups neben stylischem Office-Space und Zugang zu ihrem Netzwerk vor allem Mentoring zum Marketing. Als Mentor des Inkubators “Media Force” von WestTech Ventures kenne ich eine Reihe der Unterstützer – u. a. Dienstleister und Investoren. Meine Schlüsselfrage lautet: Sind Mentor-Sessions ein Erfolgsgarant für Startups und Corporates? Ein Absolvent des Berliner Accelerators von Microsoft Ventures bezeichnete die Qualität der mehr als 30 Mentoren des Software-Riesen als “herausragend” bis “äußerst schwach”.

Hinter den bunten Labs und offenen Event-Spaces steht eine ernste Aufgabe: Innovationsmanager müssen Technologien und Geschäftsmodelle evaluieren und Lösungen für ihr Unternehmen und das Partnergeschäft gewinnen. Die Deutsche Bank will jährlich allein 500 FinTech-Startups screenen, worüber ich als Veranstalter des FinTech-Stammtisches schon früh mit den Bank-Managern diskutiert habe. Am Ende des Tages wird eine neue “Line of Business” generiert. Dabei liegen Chancen und Risiken so dicht beieinander, wie nie zuvor.

Der Weg: Brücken zu neuen Ideen

Die erste repräsentative Studie zum Status Quo von Inkubatoren & Acceleratorenfordert eine Schärfung der Positionierung von Innovationsprogrammen, die deutliche Verbesserung der Kommunikation sowie Nachhaltigkeit der Aktivitäten. Das sind die drei entscheidenden, aufeinander aufbauenden Herausforderungen für Innovationmanager der Konzerne – auch für dasBahn-Innovationsprogramms Infrastruktur 4.0.

Was sind die Erfolgsfaktoren von Startups und Unternehmen der 25 Innovationsprogramme mit Inkubatoren, Acceleratoren und Innovationlabs? Wie können die aktuell 10 engagierten DAX-Konzerne – von Bayer und Commerzbank bis zur Deutschen Telekom, von Lufthansa über RWE bis zu Volkswagen erfolgreich – vor allem in Berlin – Brücken zwischen neuen Ideen, marktreifen Produkten und erfolgreicher Entwicklung bauen?

Der Schlüssel: Vertrauenswürdigkeit

“Business ist nichts anderes, als ein Knäuel menschlicher Beziehungen”, bringt es der renommierte US-Automotive-Top-Manager Lee Iacocca auf den Punkt. Der Satz gilt als Schüssel für den Erfolg in der professionellen Kommunikation von Unternehmen – und hat nichts mit “Platinum-Level Influencern” zu tun. Es geht um Austausch und Verständigung mit “internen Kunden”, wie die Leitungsebene, die Produktentwicklung,  das Marketing, den Vertrieb und die Unternehmenskommunikation.

Es geht um Vertrauen und Zusammenarbeit mit “externen Kunden” – vor allem First Mover und Early Adaptor, sprich Innovatoren und Promotoren, die um die Ecke denken und sich zugleich Sicherheit wünschen. Die neue “Line of Business” besteht im Kern aus gemeinsamen Ideen und Wegen im Rahmen eines vertrauensvollen Innovationsprozesses. Um tragfähige Lösungen zu erarbeiten, sollte man sich aus meiner Sicht “Vermittler” holen.

Die Partner: Neue interne Kunden

Die meisten Innovationsprogramme engagieren erfahrene Gründer, die die Sprache der Startups sprechen. Ein Beispiel ist der Co-Founder des Telekom-Inkubators “Hubraum Berlin”, Peter Borchers. In einem Interview erzählt der Telekom-Vertreter auf Gründermetropole Berlin über die Erfolgsfaktoren des “Hubraums”. Dazu gehören u. a. Relationship Manager sowie die Kooperation mit internen und externen Partnern. Hier kommt u. a. Verena Vellmer als  Dreh- und Angelpunkt einer vertrauensvollen Kommunikation ins Spiel.

Mit 18 Jahren PR-Know how für Konzerne, Mittelständler, ITK-Verbände, Tech-Communities und Startups bin ich der Überzeugung, dass der Schlüssel des Erfolgs für Inkubatoren, Acceleratoren und Innovationlabs in einer überzeugenden Kommunikation besteht – mit internen und externen “Kunden”. Das haben mir u. a. zwei Vorträge von VISA Europe Collab und Volkswagen Financial Services auf dem Corporate Startup Summit Anfang Dezember ‘15 bestätigt.

Das Problem: Fehlender Austausch

An diesem Punkt besteht Nachholbedarf, wie die o. g. Studie der HTW Berlin bekräftigt. Ein von mir initiierter Gastbeitrag des “Bahn-Startups” Konux kam durch persönliches Networking zu Stande, nicht durch die Empfehlung der Pressestelle im Bahn-Tower. Kollegen bestätigen, dass Pressestellen und PR-Agenturen häufig selbst nicht helfen können. Zwischenergebnisse, Erfolgsmeldungen und Kontinuität üben den Demo-Day hinaus? Eher die Ausnahme.

Wie erfolgreiche Kommunikation für Innovationsprogramme aussehen kann, habe ich in einem Whitepaper erarbeitet. Das Dossier geht auf die Sorgen und Nöte von Innovationsmanagern ein, zeigt Wege im Management mit Stakeholdern auf und fokussiert auf die Schlüsselbereiche Informationen, Kommunikation und Zusammenarbeit. Das Whitepaper kann kostenfrei per E-Mail (innovations@spreefactory.com) abgerufen werden.
Das Fazit: Der Erfolgsdruck nimmt zu

Damit Innovationsprogramme künftig noch erfolgreicher sein können, haben sich mehrere in der Startup-Szene verankerte Partner zusammengeschlossen und organisieren ein spezielles Event für Innovationsmanager. Zu den Partnern gehören deutsche-startups.de und mein Startup-Service Spreefactory. Das Event bietet einen fokussierten Erfahrungsaustausch von Innovationsmanagern in Berlin. Interessierte Firmenvertreter können sich auf die Gästeliste für die geschlossene Veranstaltung setzen lassen (E-Mail siehe oben).

In den kommenden Monaten werden neue Inkubatoren, Acceleratoren und Innovationlabs dazukommen. 2/3 aller Innovationsprogramme laufen heute in Berlin. Der Erfolgsdruck auf Innovationsmanager wächst, Ideen und Produkte für ihr Unternehmen zu gewinnen. Nur, wer unter Startups als offener und fairer Partner gilt, wird die wirklich spannenden Konzepte zu sehen bekommen. Und darauf kommt es am Ende des Tages an.

Über den Autor
Thomas Keup ist langjähriger Journalist und Kommunikationsspezialist in Berlin. Seit mehr als 24 Jahren arbeitet er für Hörfunk, Fernsehen und Online-Medien, u. a. als Chefredakteur von Gründermetropole Berlin und Gastautor bei Deutsche Startups. Seit 18 Jahren betreut er Konzerne, Mittelständler, Verbände, Startups und Tech-Comunities in ihrer Kommunikation, in Social Media und Marketing. Mit dem Startup-Service Spreefactory engagiert sich Thomas Keup u. a. in den Bereichen E-Commerce, E-Health, FinTech und Mobile Apps. Weitere Informationen im Blog und auf spreefactory.com.

Foto: Chris Harvey / Shutterstock.com

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