Geld für FinTech-Start-ups DvH Ventures geht an den Start und investiert in Compeon

DvH Ventures sucht derzeit intensiv nach "disruptiven Geschäftsmodellen für die Finanzindustrie", Zum Start investiert das junge Investmentvehikel des Medienhauses DvH Medien, zu dem die Verlagsgruppe Handelsblatt, die Tagesspiegel Gruppe und Die Zeit Verlagsgruppe gehören, in Compeon.
DvH Ventures geht an den Start und investiert in Compeon

Über die noch junge Beteiligungsgesellschaft DvH Ventures war bisher noch nicht viel zu lesen. Abgesehen davon, dass WirtschaftsWoche-Chefredakteur Roland Tichy demnächst zum Investmentvehikel des Medienhauses DvH Medien, zu dem die Verlagsgruppe Handelsblatt, die Tagesspiegel Gruppe und Die Zeit Verlagsgruppe gehören, wechselt. Momentan führen Oliver Finsterwalder (auch Geschäftsführer von DvH Medien) und Peter Richarz (crossventures) die Beteiligungsgesellschaft DvH Ventures. Im Spätsommer komplettiert Tichy dann dieses Duo. Zum heutigen offiziellen Startschuss von DvH Ventures investiert der frische Kapitalgeber nun in Compeon, eine Ausschreibungsplattform für Bankprodukte.

Die 2012 gegründete Plattform will mittelständischen Unternehmen und Freiberuflern mehr Freiheit und Vergleichbarkeit bei der Abwicklung ihrer Bankgeschäfte bieten. Studien und Befragungen zeigten, so Gründer Kai Böringschulte, eine deutliche Affinität von gewerblichen Kunden, Bankgeschäfte ins Internet zu verlagern. Demnach würden 52 % der deutschen Unternehmer große Teile ihrer Bankgeschäfte gerne bereits heute über das Internet abwickeln. Hier schließt Compeon.de an und will es ermöglichen, über das auf gewerbliche Bankkunden zugeschnittene Internetportal Angebote und Hilfe im Geldanlage- und Finanzierungsbedarf zu finden. Die rund 80 angeschlossenen Banken, Sparkassen und Leasinggesellschaften können bei diesem Konzept
ein Angebot abgeben und der Auftraggeber kann sich dann eine passende Offerte aussuchen.

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Ein Segment, welches auch Rocket Internet mit Zencap bedienen will – siehe “Samwers vergeben mit Zencap Darlehen an Mittelständler“. Compeon hat nun aber einen gewichtigen Partner an seiner Seite, der über direkten Zugang zur Zielgruppe verfügt. “Über die Publikationen der DvH Medien wird es Compeon gelingen, eine signifikante Sichtbarkeit bei Unternehmen und Banken zu erreichen. Wir sind glücklich einen so kompetenten, reichweitenstarken und unternehmerisch denkenden Investor wie DvH Ventures gefunden zu haben”, sagt Frank Wüller, Mitgründer und Geschäftsführer von Compeon.

DvH Ventures sucht abgesehen von Compeon nun intensiv nach weiteren “disruptiven Geschäftsmodellen für die Finanzindustrie”, wie Geschäftsführer Richarz betont. Schwerpunktmäßig wolle sich der Venture-Ableger der Verlagshäuser, die unter DvH Medien zusammengefasst sind, an bestehenden Konzepten beteiligen. Eigene Projekte werde es zwar auch geben, diese sollen aber die Ausnahme sein, sagt Richarz weiter. Besonders interessieren sich der Kölner und das DvH Ventures-Team für FinTech-Themen (wie auch Rocket Internet neuerdings oder die Commerzbank).

DvH Ventures versucht sich dabei unter anderem mit Zugang zu den Lesern von Handelsblatt, WirtschaftsWoche und Co. von der starken Konkurrenz abzusetzen. Was die kleine, aber umtriebige Mediengruppe im Fall der Anleger-Plattform wikifolio bereits bewiesen hat. Das 2012 gestartete Unternehmen schreibt nach Unternehmensangaben bereits schwarze Zahlen. Über VHB digital, ebenso wie DvH Ventures ein Gemeinschaftsprojekt der Verlagsgruppe Handelsblatt und des Kölner Inkubator crossventures, stieg die Mediengruppe 2011 beim Wiener Start-up wikifolio ein. Mit Erfolg, gerade erst verkündete das Unternehmen eine Finanzierungsrunde in Höhe von 6 Millionen Euro. Neben Medienleistungen bietet DvH Ventures aber auch handfestes Geld: Maximal 500.000 Euro – wobei mehrere Runden möglich sind. Zu guter letzt schreibt sich der neue Geldgeber “Management Support” auf die Fahnen. Klingt alles in allem nach einem neuen, spannenden Partner für junge Start-up.

Im Fokus: Alle Finanzspritzen und Exits in der Internetbranche gibt es in unserem Deal-Monitor

Foto: Group of Business People Discussing Business Issues from Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

  • http://codirect.biz/ Göran Nitsche

    “Was die kleine, aber umtriebige Mediengruppe im Fall der Anleger-Plattform wikifolio bereits bewiesen hat. Das 2012 gestartete Unternehmen schreibt nach Unternehmensangaben bereits schwarze Zahlen.”

    Hier liegt ein elementarer Denkfehler vor. Unternehmerisch sind schwarze Zahlen nur bedingt eine gute Sache – nämlich für den Fiskus (Steuern) und die Anleger (Dividenden). Einem Unternehmen selbst werden durch schwarze Zahlen faktisch substanzielle Werte entzogen, über die der bzw. die Unternehmer keinerlei Kontrolle mehr hat!

    Viel sinnvoller ist es, und das zeigen u.a. die Samwer-Brüder, wenn man Überschüsse sofort unternehmerisch re-investiert. Sei es in neue Unternehmen, sei es in Steine oder andere Sachwerte.

    Ich bezweifle die Innovation des Modells Compeon, da sie faktisch unter der Lafuchtel der Wirtschaftswoche stehen und auf deren Wohl und Wehe quasi angewiesen sind. D.h. es werden die “alten”, “traditionellen” Unternehmen nur abgesichert. Nicht mehr, nicht weniger. Und nach außen wird es in Hochglanz als Super-Innovation verkauft. So wie Krautreporter, Correctiv oder andere Modelle.

    Daumen runter. Und zwar nachhaltig.

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