Hop oder Top? Götterdämmerung in der deutschen Gründerszene?!

Der Hype frisst seine Kinder. In Bezug auf die deutsche Gründerszene ist momentan vieles zu lesen: Von zerstörten Hoffnungen über einem Exitus der Eventlandschaft bis zum Abgesang auf die Party in Berlin. Offenbar hatten einige Szenemenschen unglaubliche Erwartungen an die Start-up-Szene.
Götterdämmerung in der deutschen Gründerszene?!

Die Stimmung schlägt massiv um: Während die Szene sich in den vergangenen Jahren oftmals selbst feierte – und diverse etablierte Medien die Szene in den Himmel lobten – und so für einen waschechten Start-up-Hype rund um Berlin sorgten, neue Helden erschufen, ist nun Götterdämmerung bzw. ein Heldensterben angesagt. Wie sehr die etablierten Medien in den vergangenen Jahren im Start-up-Fieber waren, bekam auch der Verfasser dieser Zeilen täglich hautnah mit. Es gab Wochen, da rief jede Woche eine andere Redaktion an – sie wollen auch etwas über Start-ups machen. Einmal fiel sogar das Zitat: “Weil es ja gerade alle machen”. Ein typisches Medienphänomen also: Der ein schreibt etwas – und alle anderen schreiben ab. Folgt nun der gegenteilige Ausschlag: Vermutlich schon.

Selbstverständlich gab und gibt es handfeste Gründe für Berichte über die deutsche Start-up-Szene und speziell Berlin. Die deutsche Gründerszene hat sich in den vergangenen Jahren ordentlich gemausert. Viele deutsche Start-ups sind erfolgreich unterwegs, erwirtschaften Millionenumsätze. Selbstverständlich sind nicht alle Gründungen erfolgreich, dies liegt aber in der Natur der Sache: Viele Start-ups scheitern. Einige Zeit unterlagen aber offenbar auch einige Berliner Seriengründer und Inkubatoren in der Hauptstadt, dem Wahn, dass sie es schaffen könnten, keine Flops zu fabrizieren. Was, wie sich gezeigt hat, nicht stimmte. Selbst der Über-Inkubator Rocket Internet fabrizierte in den vergangenen Jahren in Deutschland – und anderswo auf der Welt Projekte, die gescheitert sind. Dabei gab der Firmenausbrüter sogar ganze Länder – wie die Türkei auf. Als Gesamtkonstrukt ist Rocket Internet trotzdem erfolgreich unterwegs. Wie langlebig und wirtschaftlich erfolgreich deren Start-ups sind, muss sich natürlich erst noch zeigen.

Das nächste Twitter aus Berlin

Im Allgemeinen gibt es zwei Meinungen über deutsche Start-ups, die zusammen nicht funktionieren: Oftmals wird gefordert, dass das nächste Facebook, das nächste Twitter aus Berlin kommen müsse. Nur, wer immer das nächste Facebook oder Twitter aus Berlin fordert, kann nicht gleichzeitig erwarten, dass dies gelingt, wenn gerade einmal einige Jahre ein paar andere (in Bezug auf Ausrichtung, Idee etc.) Start-ups in Berlin entstehen. Es muss ja nicht immer E-Commerce sein! Klar, Hype-Start-ups wie Amen, Gidsy und Readmill haben der Szene vielleicht scheinbar im allgemeinen Medieninteresse geschadet, waren sie doch nicht das nächste Twitter. Sie hätten es aber vielleicht sein können! Zudem waren diese Konzepte in Bezug auf Start-ups aus Deutschland anders, deswegen war es gut, dass es sie gab – auch wenn sie keine Überflieger waren. Und nun eine ziemliche Plattitüde: Nur wer wagt gewinnt. Denn nur dann entsteht vielleicht auch einmal das nächste Twitter in Berlin. Aus den USA kennen viele auch immer nur die Überflieger, die vielen Projekte die scheitern, kennt nur kaum jemand.

Nun aber zurück zu Götterdämmerung: Aktuell gibt es bei der Startup Academy Berlin einen Artikel über das Berliner Ökosystem. Titel: “Startup-Medien in Berlin: Rien ne va plus“. Zitat: “Vor einem Jahr war die Berliner Startup Event- und Medienlandschaft die vielfältigste Europas. Nun dagegen ist 2014, und sie steht vor dem Exitus”.

Auch Spiegel Online haut in Bezug auf das Readmill-Aus (verkauft an Dropbox) drauf: “Nach dem Boom der Anfangstage ist die Hoffnung auf Berlin als neues, internationales Gründerzentrum erst einmal vorbei. Alte Stars wurden aufgekauft oder gingen ein, das Geld fließt noch immer nicht, die bürokratischen Hürden sind noch immer nicht abgebaut und die Hoffnung auf das schnelle Geld mit Apps statt soliden Geschäftsideen ist auch perdu”.

Nicht zu vergessen der Artikel “Bei Berlins Startups ist die Party vorbei” in der Wirtschaftswoche vor einigen Wochen. Zitat: “Rückzüge, Notverkäufe, Pleiten: Nach Jahren des Booms macht sich Realismus in Deutschlands Internet-Hochburg an der Spree breit. Ohne zusätzliches Risikokapital bleibt der Abstand zum Silicon Valley exorbitant”.

Endlich ist der Hype vorbei

Der Hype frisst somit seine Kinder. Dabei ist die Party noch lange nicht vorbei! Party ist einfach das falsche Wort in Bezug auf die deutsche Gründerszene. Die deutsche Start-up-Landschaft steht (weiter) erst an ihrem Anfang: Der Hype der vergangenen Jahre sorgte aber offenbar dafür, dass einige Szenemenschen unglaubliche Erwartungen an die deutsche Start-up-Szene hatten. Deswegen ist es gut, dass der Hype nun vorbei ist. Nun gilt es, erfolgreiche Start-ups aufzubauen, die auch in einigen Jahren noch existieren. Dafür braucht es keinen Hype. Was die deutsche Gründerszene braucht – neben mehr großen Kapitalgebern und großen Exits – ist Zeit. Nur so kann eine lebendige Gründerszene weiter wachsen.

Passend zum Thema: “Scheitern ist keine Schande – 12 Gründer berichten über ihr Scheitern

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Foto: hype word on digital screen background with world map, business card from Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

  • Christian Kutschka

    Guter Artikel! Wir Zeit die WElle 2.0 zu starten… :-)

  • Nikolas Samios

    Was man bei dem ganzen Getöse (egal ob “Pro” oder “Contra”) nicht vergessen sollte, ist das Medien nunmal davon leben, dass durchaus dramaturgisch überspitzte Statements abgegeben werden, die dann – gerade in Zeiten von Twitter und Co – auch über die eigene Publikation hinaus weiter verbreitet werden.

    In dem Sinne sind auch “bad News” “good News”, denn der Bekanntheit von Michael Kroker von der WiWo z.B. hat sicherlich der oben zitierten “Party aus” Artikel und den vielen Erwiderungen, z.B. von Ciaran O’Leary deutlich geholfen und nicht geschadet.

    Insofern gilt es – im Positiven wie im Negativen – bei solchen Story einfach deutlich abzuzinsen. Oder glaubt hier in der Berlin wirklich jemand daran, dass – wie von der Wired seit 2011 mindestens schon 3x ausgerufen – Berlin (kurzfristig) an das Silicon Valley rankommt? Nein, sicher nicht, dazu haben wir einfach 20-30 Jahre aufzuholen und (noch) deutlich weniger Kapital und Brain am Start.

    Aber das ist auch gar nicht notwendig. Viel wichtiger ist, dass das Berliner (bzw. auch das ganze Deutsche) Ökosystem sich Schritt für Schritt weiterentwickelt und das tut es. Belege dafür sind, dass z.B. internationale Gründer, die in der Regel nicht mal Deutsch sprechen, nun hierherkommen um ihre nächste Company aufzuziehen, und zwar nicht aus “häßlichen” Ecken, sondern aus Städten wie Stockholm, London oder gar New York, wo man es durchaus auch aushalten könnte.

    Ebenfalls ist die Berliner Investoren-Landschaft so gut aufgestellt, wie noch nie. Ein gutes Konzept erhält auch das notwendige Kapital. Jeder Gründer, der jammert, dass es kein Kapital im Markt gibt, macht irgendwas falsch bzw. wird – was eben auch gut ist für die Szene – ausgefiltert.

    Last but not least: auch der Readmill Verkauf ist (ohne das ich Details kenne) für mich kein Beleg des Scheiterns, sondern eine der Top10 Startup Companies weltweit die gerade auf einen Milliarden IPO zugeht (Dropbox) akquiriert im fernen Berlin ein europäisches Gründer und Entwickler-Team für geschätzt mehr als 500.000 EUR pro Kopf trotz aller Fragestellungen der Post-Merger-Integration. Also irgendein Wert scheint da schon entstanden zu sein.

    In diesem Sinne, wünsche ich allen Akteuren einen kühlen Kopf, solange wir alle “nüchtern” weiterarbeiten, wird die nächste “Party” nicht die letzte sein.

    • wasauchimmer

      Mag sein das man mit einer guten Idee sofort Kapital bekommt aber diese Kapitalspritzen sind oft lachhaft im Vergleich zu denen im Silicon Valley und die verlangten Anteilen für solche Invests grenzen oft an Abzocke.

      Und wenn man dann mal schaut, woher eigentlich das ganze Kapital kommt, das im Silicon Valley investiert wird, dann kann man schon mal ins Grübeln kommen, denn Deutschland ist der weltweit größte Kapital Exporteur noch vor den ganzen Erdöl-exportierenden Ländern wie Katar oder Saudi Arabien.

      Da habe ich mich schon oft gefragt, wieso das Geld nicht das zuhauf da ist, in die aufstrebende heimische Wirtschaft gesteckt wird.

  • Patrick Meier

    An dieser Stelle möchte ich einfach mal einen anderen Vergleich heranziehen. Aktuell ist immer mal wieder vom sogenannten Digitalen Darwinismus die Rede. Dieser soll die alten und lahmen Offlineunternehmen auffressen und übrig bleiben nur die starken und innovativen Onlineunternehmen. Das ist der Boden auf dem deutsche Manager ihre Entscheidungen für die digitale Zukunft und für Investitionen evtl. auch in Start-Ups treffen. Zumindest könnte dies die Befürchtung sein, wenn ich mir die Liste der DAX- Unternehmen ansehe, die sich vom Autor der o.g. Theorie auf Veranstaltungen und Kongressen berieseln lassen. Dazu wird dann ein Digital Readiness Index mit der WiWo aus dem Boden gestampft. Daran müssen sich dann Gründer messen lassen, obwohl sie sicherlich Digital Ready sind, aber auf der anderen Seite garantiert noch keine Daxfresser.

    Momentan ist es doch eher so, dass die deutsche Start-Up-Szene typisch deutsch ist. Also eher ruhig und sachlich, zumindest die Leute die ich treffen durfte, und weniger partyorientierte Jungmillionäre in Lauerstellung. Der deutschen Gründerszene fehlt sicherlich ein Knallererfolg wie sie in den USA schon entwickelt wurden, aber diese Knallererfolge gibt oder gab es in den letzten Jahren auch nicht in der normalen Wirtschaft. Hier ist Deutschland eben solide, brav und langweilig. Warum sollen die Enkel so viel anders sein als ihre Großväter.

    Gegründet wird in Deutschland immer noch und auch erfolgreich, aber nicht jeder Gründer ist gleichzeitig ein Start-Upper, mancher ist eben ein von der Volksbank finanzierter Technoschuppen auf der schwäbischen Alb. Ein Hiddenchampion der Gründerszene, und damit vielleicht glücklich?

    Es soll immer alles schnell gehen, weil das der Maßstab ist der aus den Staaten vorgegebn wird, aber evtl. könnte langsam und solide auch ein Modell sein, wenn auch weniger sexy.

    Vielleicht ist auch Berlin die falsche Stadt? Nur weil es dort günstigen Büroraum gibt, die Löhne günstig sind und es genügend Human-Capital vorhanden ist, sind dies wohl nicht die Punkte die ausreichen. Klar, Rocket hat es in Berlin geschafft, aber sind wir mal ehrlich: Reicht das mit den anderen Gründen aus?

    In Frankfurt ist die Start-Up-Szene verschwindend gering vertreten, weil die Immobilienpreise hoch sind, die Gehälter über dem Berliner Schnitt und es gibt auch nicht so viel frei verfügbares Human-Capital. Es gibt aber eine ganze Menge Leute die über Geld verfügen, und immer mal wieder auf der Suche nach guten Geldanlagen sind. Diese Leute können sich in Frankfurt auf die Gründer konzentrieren die weniger Berlin sind, dafür aber mehr Handkäs, sprich eher etwas ruhiger an die Sache rangehen. Mancher Gründer meint er müsse nach Berlin, weil es dort ja schon andere Gründer gibt. Wer meint in einem Löwenkäfig überleben zu können, der könnte es schaffen.

    Ein weiterer Grund warum die Party bei manchen Unternehmen schnell auch mal zu Ende gehen kann ist das, durch Zalando, überaus gehypte Media for Equity Business. Ein Medienunternehmen wird Investor und zahlt mit seinem “höchsten” Gut: Dem nicht verkauften Mediainventar. Die Rechnung kann eine Weile gut aufgehen, so lange bis die Zielgruppe in der Reichweite des Investors erreicht ist und keine (Netto)-Reichweitenzuwächse mehr zu erzielen sind. Was ist dann der Vorteil eines Mediainvestors? Was ist sein zukünftiger Beitrag an einem Unternehmen, außer der Tatsache, dass er für Spots, Plakate, Anzeigen Unternehmensanteile bekommen hat und ansonsten aber evtl. wenig vom Kerngeschäft der Beteiligung versteht.

    Ich persönlich glaube, dass die deutsche Start-Up-Szene sich zu sehr auf Berlin konzentriert, zu sehr auf bereits bekannte Modelle setzt (weil sie kurzfristig helfen die gesetzten Ziele zu erfüllen) und sich zu stark an US-Deals orientiert. Ein Umdenken könnte dazu beitragen, dass die Party in Berlin vielleicht wirklich etwas ruhiger wird, aber evtl. in anderen deutschen Städten die Lautstärke deutlich zunimmt.

  • Kristin Oldenburg

    ‘Das nächste Twitter’ – warum feiern wir nicht einfach mal ‘das jetzige Twitter’? Der Legende nach entstand der Prototyp übrigens in Hamburg -> http://www.spiegel.de/netzwelt/web/internet-saga-wie-ein-deutscher-twitter-das-zwitschern-lehrte-a-757645.html Und wenn man mir den Sidekick verzeiht, in unserer schönen Stadt weiß dies von öffentlicher Stelle niemand zu schätzen. Hier klopft man sich auf die Schulter, packt sich Schulterpolster unters Jackett und will dann auch noch so hip sein wie Berlin. Ein Plan, der nicht aufgehen kann, dafür versucht man sich hier jetzt auch in StartUps. Ja, genau – hier wird es genau jetzt zum brandheißen Thema aufgerüscht. Schauen wir mal was daraus wird. Ich glaube ja, der Zug ist schon abgefahren.

  • BjoernKW

    Götterdämmerung, weil es “in Berlin (und Deutschland) unmöglich [ist], mit Startup-Medieninhalten Geld zu verdienen”? Die Welt besteht nicht nur aus Medieninhalten. Die Medienbranche – allen voran die erwähnten Vertreter etablierter Medien, die ‘auch etwas über Start-ups machen’ wollen, ist glaube ich zuerst einmal eine Hypeindustrie: Entweder werden Sachverhalte viel zu optimistisch und naiv beurteilt oder es wird gleich wieder alles in Grund und Boden geschrieben. Ein bisschen weniger Hysterie und Aufgeregtheit würde manchem Medienvertreter gut tun. Nicht nur, wenn er sich mit Startups beschäftigt.

    Es ist auch einfach so, dass es mittlerweile in fast jedem Bereich schwer ist, mit Medieninhalten Geld zu verdienen. Das wiegt nur beim Thema Startups besonders schwer, weil Startups im Bezug auf die Gesamtbevölkerung ein Nischenthema sind. Das hat auch wieder mit fehlender Akzeptanz von Unternehmertum in Deutschland zu tun, aber das ist nochmal ein ganz anders Thema.

    Oder wären deutsche Startup Medien lieber gerne wie TechCrunch? Im Vergleich zu den Anfangszeiten von TechCrunch muss man sagen, dass dazu eben nicht nur ein entsprechendes Startup Ökosystem notwendig ist, sondern auch Qualität. TechCrunch war vor dem Aufkauf durch AOL ein florierendes Medienunternehmen, aber diese Position haben die sich auch über Jahre hart erkämpft. Seit dem Aufkauf durch AOL ist es mit der Qualität von TechCrunch indes auch nicht mehr allzu weit her. Websites wie Hacker News sind in mittlerweile was Startups angeht denke ich relevanter. Andere Websites wie ReadWriteWeb oder The Next Web beschäftigen sich wiederum nicht nur mit Startups, sondern Technologie im Allgemeinen und sind daher breiter aufgestellt.

    Was die Konferenz- und Eventlandschaft angeht, ist so eine Bereinigung vielleicht gar nicht schlecht. Gerade für junge Gründer ist die Verlockung relativ groß, sich auf vielen Events rumzutreiben, auf denen man sich mit Gleichgesinnten austauschen und Spaß haben kann. Been there, done that. Networking und Austausch ist wichtig, darf aber nicht zum Selbstzweck werden. Die eigentliche Arbeit, ein profitables Unternehmen zu errichten, sollte immer noch im Vordergrund stehen. Abgesehen davon, kann sich Berlin über seine vielfältigen und hochwertigen Startup Events immer noch glücklich schätzen. Wenn man das mit der kläglichen Situation in anderen Städten vergleicht, wo sich auf Startup Events gefühlt zu 90% Versicherungsmakler und Unternehmensberater herumtreiben, die einem ein KfW-Gründercoaching andrehen wollen, kann’s so schlimm in Berlin nicht sein.

    Und schließlich kann und sollte Berlin auch nicht das nächste Silicon Valley sein, sondern einfach Berlin. Das ‘nächste Silicon Valley’ ist so ein blöder Allgemeinplatz, der einfach genug ist, dass ihn auch der letzte Provinzpolitiker versteht. Dass das Silicon Valley aber eine völlig andere und eigene Geschicht hat, wird dabei immer außer Acht gelassen.

    An Struktur und finanzieller Ausstattung der deutschen Startup Landschaft ist mit Sicherheit noch einiges verbesserungsfähig. Das ist vielerorts leider auch ein politisches Problem. Wenn man mal über den Berliner Tellerrand hinaus schaut, sieht man das Startups oft erst dann für Politik und Medien interessant werden, wenn sie bereits halbwegs erfolgreich sind.

    • Johann Q

      “Es ist auch einfach so, dass es mittlerweile in fast jedem Bereich schwer ist, mit Medieninhalten Geld zu verdienen.” – Richtig. Und wenn’s dann noch ein Überangebot gibt, dann wird’s umso schwerer und eine Korrektur kommt zwangsläufig früher oder später.

  • Daniel Bartel

    Schöner Artikel. Ich finde, es muss nicht immer ein Exit sein – und Party, das können die Berliner trotzdem gut und das sollten sie auch beibehalten – ich bin gerne in Berlin. Nirgendwo sonst trifft man auf so viel “Internationalität” und Vielfältigkeit, hier hat Kunst noch eine Chance.

  • Andreas Frank

    Das eine Extrem in der Pressebetrachtung ist genauso falsch, wie das andere. Da wird halt immer mal ‘ne neue journalistische Sau durchs Dorf getrieben und je nach Gusto ein Hype oder Abgesang geschaffen, der nichts mit den tatsächlichen Gegebenheiten zu tun hat. Aber, das ist doch Popcorn. Wer läßt sich davon wirklich beeindrucken? Das Pressegequatsche über Amen, Gidsy und Readmill interessiert doch nur ein paar Beteiligte und das Auditorium.

    Viel gravierender finde ich, dass sich die Gründungsmotivation in den letzten Jahren so dramatisch verändert hat. Bisher war eine echte Idee, ein inhaltliches Anliegen der Antrieb zur Unternehmensgründung. Heute steht aber das Gründen als solches im Vordergrund. Thema? Sch…egal, hauptsache wir gründen halt irgendwas. Das ist es, was die Floprate immer mehr nach oben treibt.

  • Johann Q

    Bei den Startup-Blogs gab’s halt ein Überangebot, bei den Events erst recht.

    Wenn sich ein guter Teil der Beiträge bei einem “professionellen” Blog nicht sonderlich von dem abhebt, was einige Gründer, Investoren etc. in Berlin nebenbei schreiben, dann fällt’s doch schwer dafür eine (hauptberufliche) Daseinsberechtigung zu sehen.

    Gerade bei vielen gewinnorientierten Events in der Stadt lässt sich schlichweg keine besondere Differenzierung oder Positionierung erkennen. Ein, zweimal geht man zu soetwas vielleicht noch hin, aber wenn man teilweise die gleichen Speaker alle paar Wochen auf einer anderen Konferrenz sehen kann, dann ist’s halt redundant.

  • Georg Kuklick

    Berlin braucht keine großen Exits, Berlin braucht große Ideen. Und die müssen solide oder besser noch überragend gut umgesetzt werden. Ja, es fehlt Geld in Berlin. Ja, es fehlen Investoren mit dem nötigen Mut in Berlin.

    Aber Berlin macht auch sehr sehr große Fehler und hängt in der Entwicklung viele Monate hinterher. Ich habe mitte Januar ein kleines Essay bei Medium (Berlin is still 18 months behind! – http://ow.ly/vnoks ) darüber veröffentlicht und viel Gegenwind dafür erhalten. Damals waren viele noch der Meinung, es sei alles super in Berlin. Berlin ist super – das Start-up Environment leider nicht.

  • Carlo Lapadula

    ..grosse Idealisten schaffen grosse Ideen doch dazu braucht man Glück, Mut und Investoren die Eier in der Hose haben und sofort richtig investieren und nicht immer das fertige komplette Produkt mit dem perfekten Team suchen und auch noch Proof of Concept, denn bis hier kann die Kohle schnell ausgehen und was dann..? Die meisten Nerds wollen Essen und Trinken und Ihre Miete bezahlen, da kommt man nicht weit mit 50 oder 100k €…..Business Angels und Seedinvestoren machen sich die Hände nicht mehr schmutzig…

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