Holtzbrinck verkauft VZ-Netzwerke an Investmentfirma – Kommt Bebo.com durch die Hintertür nach Deutschland?

Die Investmentgesellschaft Vert Capital Corp. übernimmt von Holtzbrinck Digital die erst kürzlich gegründete Poolworks Ltd (ehemals VZnet Netzwerke Ltd). Damit haben die drei sozialen Netzwerke studiVZ (www.studivz.net), meinVZ und schuelerVZ ab sofort einen […]
Holtzbrinck verkauft VZ-Netzwerke an Investmentfirma – Kommt Bebo.com durch die Hintertür nach Deutschland?
  • Von Alexander Hüsing
    Dienstag, 11. September 2012
  • 37 Kommentare
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VZ-niedergang

Die Investmentgesellschaft Vert Capital Corp. übernimmt von Holtzbrinck Digital die erst kürzlich gegründete Poolworks Ltd (ehemals VZnet Netzwerke Ltd). Damit haben die drei sozialen Netzwerke studiVZ (www.studivz.net), meinVZ und schuelerVZ ab sofort einen neuen Eigentümer. Im Rahmen der Transaktion, deren Volumen bisher nicht bekannt ist, erwirbt Vert Capital sämtliche Anteile an Poolworks. Holtzbrinck Digital behält laut Presseaussendung aber “die Option, das Portal schuelerVZ zu nutzen”. Schon mehrfach hatte Holtzbrinck in der Vergangenheit versucht, die VZ-Netzwerke zu verkaufen – ohne Erfolg. Zuletzt hieß es immer wieder, dass ein Verkauf nicht mehr geplant sei. Im Sommer entließ das Unternehmen dann etliche Mitarbeiter.

Der Niedergang von studiVZ war in den vergangenen Monaten heftig: Im Schnitt verloren studiVZ, meinVZ und schülerVZ in den vergangenen 12 Monaten jeden Monat gegenüber dem Vorjahresmonat rund 77 % der Zugriffe. “Vor gerade zwei Jahren verzeichneten die VZ-Netzwerke noch mehr als zehnmal so viel Traffic wie im August 2012. Der Absturz des einstigen deutschen Marktführers im Lauf der letzten 25 Monate ist dramatisch”, berichtet statista passenderweise an diesem Tag (siehe Grafik oben). Dennoch freut sich Jason Thonis, Unternehmenssprecher von Vert Capital, über den Kauf des Internet-Zombies: “Die Jugendlichkeit der VZ-Netzwerke in Kombination mit einer nach wie vor breiten Nutzerbasis und einer etablierten Marktposition in Deutschland, sind ausschlaggebend für die heutige Akquisition, die ausgezeichnet zu unseren Investitionsschwerpunkten passt. Für die Neuausrichtung der VZ-Netzwerke haben wir erste gute Ideen und sind zuversichtlich, mit unserer breiten und fundierten Erfahrung erfolgreich zu sein”.

“Interessante internationale Perspektive”

Laut Presseaussendung ist Vert Capital eine “private Investmentbank und ein Medieninvestor mit einer Vielzahl von digitalen Angeboten”. Wer genau hinter Vert Capital steckt und welche Angebote die Investmentgesellschaft betreibt, bleibt momentan völlig offen. “Wir freuen uns sehr, mit Vert Capital einen geeigneten Käufer für Poolworks in Zeiten des internationalen Konsolidierungsprozesses im Bereich von sozialen Netzwerken gefunden zu haben. Für die beiden deutschsprachigen Plattformen studiVZ und meinVZ ergibt sich damit eine interessante internationale Perspektive und für die Nutzer eine Erweiterung des Angebots. Durch entsprechende Vereinbarungen konnten wir sicherstellen, dass wir der Zielgruppe von schuelerVZ auch weiterhin alternative und relevante Angebote machen können. Dies ist, insbesondere mit Bezug auf Bildungsthemen, von strategischem Interesse für Holtzbrinck Digital”, sagt Markus Schunk, Geschäftsführer von Holtzbrinck Digital.

Kolportierte 85 Millionen Euro soll Holtzbrinck einst für die Übernahme von studiVZ und Co. gezahlt haben. Seitdem Facebook, das studiVZ einst im Austausch für ein dickes Aktienpaket übernehmen wollte, die Social Networking-Welt regiert, dürfte sich der Wert der VZ-Netzwerke jeden Tag verringert haben. Holtzbrinck ist mit dem Verkauf nun ein marodes Unternehmen los, dessen Umstrukturierung viel Zeit und Geld gekostet bzw. dessen Abschaltung für sehr viel hämische Kommentare gesorgt hätte. Völlig offen bleibt, welche “interessante internationale Perspektive” sich durch die Übernahme der VZ-Netzwerke durch Vert Capital ergeben könnte. Wie der Branchendienst W&V berichtet, soll Vert Capital hinter dem sozialen Netzwerk Bebo.com (www.bebo.com) stecken: “Der Medieninvestor plant offenbar durch den Kauf von VZ den Einstieg in den deutschen Markt”. Der Kreis schließt sich, wenn man der amerikanischen PR-Agentur, die in der offiziellen Presseaussendung angegeben ist, nachgeht: Fabric Media aus Denver macht auch die PR für Bebo.com. Auch die Namen der Fabric Media-Macher sind interessant: Der Gründer heißt Jason Damata, der Head of Chicago Chris Thonis! Beide Namen zusammen ergeben Jason Thonis – wie der Unternehmenssprecher von Vert Capital, den Google und das ganze Internet nicht kennt. Zu weit hergeholt?

Artikel zum Thema
* Wie geht es mit studiVZ & Co. weiter? 25 Mitarbeiter müssen VZ-Netzwerke verlassen

Alexander Hüsing

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.



  1. Sascha

    Vert Capital. Noch nie gehört.



  2. Tom

    Na also – dann Vollgas. Bin gespannt, was mit den Marken passiert.

  3. Ob da mehr als der symbolische Euro geflossen sind? Das einzige Portal, welches noch eine Handvoll Perspektiven bietet ist schuelerVZ, aber selbst dort würde ich tippen wird Facebook bald auch räubern gehen. Spannend.

  4. Das Ende einer langen, taurigen Geschichte des Versagens.

    Die Jungs haben jede Menge Fehler gemacht. Aber es bleibt die Frage, ob es ohne die Fehler funktioniert hätte.

    Im Rückblick wäre ein Verkauf an Facebook sicher die beste Option gewesen.

  5. Und was hat Holtzbrinck für den Verkauf “bezahlt”? ;)



  6. martin

    Um es mal beim Namen zu nennen: Schrott verkauft. Die typischen Meldungen “passt gut in unser Portfolio, Synergien, etc.” ist reinstes PR Geblubbere und es wird am Ende nichts passieren. Wer glaubt eigentlich diesen ganzen Müll noch?

  7. Pingback: StudiVZ: Ja, er lebt noch! * - Patrick Schneider

  8. Pingback: Holtzbrinck wird die VZ-Netzwerke los: Mysteriöse Übernahme durch Investmentgesellschaft » netzwertig.com

  9. Ich frage mich warum das überhaupt jemand kauft? Das hat doch auf dem ersten Blick keinen Wert…oder sinds etwa die Benutzerdaten? :-)

  10. ist holzbrink der gründer von vz oder ein weiterer käufer? ich habe im fernsehen einen bericht über diesen gesehen, welcher vz für nicht 84mio sondern lediglich ~10 verkauft hat.

  11. Pingback: VZ-Netzwerke verkauft und Neustart geplant – Vom Handel mit toten Pferden



  12. Peter Pan

    Sebastian,

    ich kenne dich nicht, was mir aber auffällt: Du komentierst JEDEN Artikel, der auf ds/gs geposted wird. Mehrfach.

    Gibt es bei diesem komischen nanoo so etwas wie ein operatives Tagesgeschäft? Just wondering…Wäre ich dein Investor, würde ich dir den Chai Latte Hahn zudrehen …

  13. Pingback: Holtzbrinck findet doch noch Käufer für studiVZ » Social Media » blogstone.net



  14. TheRiddler

    Man man man, die VZ Geschichten werden nie wieder auf die Beine kommen, der Zug ist abgefahren und die “Marke”, meiner Meinung nach, verbrannt.

    Glückwunsch an das Copycat-Gründer, dass sie in den Schwachmaten von Holzbrink “stupid money” gefunden haben.

  15. Herzlichen Glückwunsch an Holzbrinck, dass sie ihre toten Pferde nicht ewig weiterreiten.

  16. Pingback: 5 Lesetipps für den 12. September | Netzpiloten.de - das Beste aus Blogs, Videos, Musik und Web 2.0

  17. Pingback: Bebo.com übernimmt VZ-Netzwerke von Holtzbrinck Digital » t3n News

  18. @Peter Pan

    > ich kenne dich nicht

    Das spricht nicht gerade für Dich!

    > würde ich dir den Chai Latte Hahn zudrehen

    Das entspringt Deiner grausamen, geistigen Grundhaltung.

    Mein größter Investor ist die Positiver Cashflow AG. Und die ist verdammt geduldig.

    > so etwas wie ein operatives Tagesgeschäft?

    Wer arbeitet, hat keine Zeit zum Geldverdienen!

  19. Es ist immer wieder erstaunlich zu verfolgen wie ein sehr gut funktionierendes Geschäftsmodell, durch einen einzigen mächtigen Konkurrenten in die Knie gezwungen wird. Wirklich bemerkenswert!

  20. @Peter Pan:
    > Wäre ich dein Investor, würde ich dir den Chai Latte Hahn zudrehen

    Schön, daß Dein Denken um Investoren (für Deine Seite?) kreist.

    Schön ist auch, daß es reichlich Firmen gibt, die Investoren schon an der Tür abwimmeln, weil sie echt keinen Bedarf für fremdes Kapital haben ;-).

  21. Sebastian:
    “Das spricht nicht gerade für Dich!”
    Kann schön arrogant, oder? Ich kenne dich nämlich auch nicht und noch nicht mal die komische nanoo Seite. Gute Nacht!



  22. Mike

    Nach Statista verzeichnete StudiVZ im August ca 30 mio Aufrufe, was 1 mio Aufrufe am Tag und damit Pi x Daumen ca. 180.000-210.000 aktiven Nutzern entsprechen sollte. Mit Werbung nimmt StudiVZ damit geschätzt rund 35.000-45.000€ monatlich ein. Zieht man den GF Gehalt von Frau Waehlert ab, bleiben noch 25-35000€ für Mitarbeiter und Server. Bei 4 Vollzeitpogrammieren, 2 Grafiker und Azubis entstehn Unkosten von ca. 30000€. damit dürfte VZ quasi plus minus Null sein. Das bedeutet trtozdem nen Jahresumsatz von ca. 450000€. Bestimmt man nun die Nutzerbasis von inaktiven Nutzern, welches bei ca. 10mio inaktiven Nutzern liegt und zahlt man 1€ für 20 inaktive Nutzerdaten, so kommt man auf ne Unternehmensbewertung von ca. 450.000€ + 500.000€ + 400.000€ (für Markennamen und Technologie, Server) + Anwaltskosten und Steuer = so landet man bei einer Unternehmensbewertung von 1,7-2 mio €. So wie man Hanse Ventures kennt wollten die vermutlich min. das 3-fache, also liegt mein persönlicher Verdacht bei einem Verkauspreis zwischen 6 und 8mio€.

    Alle Zahlen und Angaben sind reine Fiktion. Aber mehr als 8mio€ für ne tote Community zuzahlen halte ich für unrealistisch.

    Naja, macht nen Verlust von nur 74 mio € fur Holtzbrinck Ventures. Man muss sich diese Zahlen verdeutlichen. Typische VC Investitionen in Growthphase liegen zwischen 100-500k€. 74mio entsprechen quasi 740 early stage oder 148 late stage Investitionen. Ich habe ja schon gehört das manche VCs das zehnfache oder zwanzigfache von ihrem Investment einnehmen, aber dass man mit einem mal 148 Investitionen in den Sand setzt ist schon was Besonderes. Wär ich Gesellschafter hätte ich den Fondmanager längst gefeuert.

    Wo sonst darf man 148 Startups in den Sand setzen? Hah, das gibt’s nur im social media!

    Mike



  23. Mike

    Typo: *Holtzbrinck Ventures und nicht Hanse Ventures. Wobei beide HV nen lustigen Trackrecord besitzen.



  24. Sven

    wer braucht schon vz oder bebo? Leiche übernimmt Leiche.



  25. Hans Meiser

    Mike, wer mit so vielen HVs um sich schmeisst kennt bestimmt auch den Unterschied zwischen Holtzbrinck Digital und Holtzbrinck Ventures?



  26. Mike

    Warum? StudiVZ gehört Holtzbrinck Ventures und nicht HD.



  27. Mike

    Laut dem Portfolio gehört StudiVZ HV.

  28. Steht unter ehemalige Investments. Mit der Übernahme ist Ventures raus. Haben quasi intern an Digital verkauft.

    http://www.holtzbrinck-ventures.com/index.php?portfolio-ehemalig



  29. Realistiker

    @Mike:”Wär ich Gesellschafter hätte ich den Fondmanager längst gefeuert. Wo sonst darf man 148 Startups in den Sand setzen? Hah, das gibt’s nur im social media!”
    .
    So kann man es sehen. Andererseits hat der 85 Mio. Exit damals Gadowski, Samwer, Hebenstreit, Dariani, Brehm, etc.pp. zu Multimillionären gemacht.
    Dariani wird ja nicht müde, bei seinen Auftritten zu verkünden, wie stolz er darauf ist, dem Erben Stefan von Holtzbrink das Geld aus der Tasche geleiert zu haben. Und da gebe ich ihm recht. Was bringt es jetzt, ob ein Holtzbrink auf der Bank 800 oder 715 Mio. € liegen hat.
    Das Geld ist besser aufgehoben bei Leuten, wie den oben genannten, die es ins ecosystem reinvestiert haben und viele hunderte bis tausende Arbeitsplätze geschaffen haben (wenn auch manchmal nur temporär).
    @Safferthal: Du bist so ein peinlicher Link-Troll. Google dich mal und lies, was da über dich steht.

  30. Pingback: Die Woche im Rückblick: VZ-Netzwerke, Bebo.com, 6wunderkinder, Plan.io :: deutsche-startups.de



  31. Dodge

    wenn hv vor Jahren, z.B. 500k in VZ investiert hat, und es dann intern an H Digital veräußert, für dahingestellte 75 Mio, dann hat HV schon mal eine positive Bilanz von 74 Mio, je nachdem wie so etws gebucht wird , die Gesellschafter sind hier natürlich auch zu betrachten. HD dann mit dem entsprechenden Minus. In der Gesamtbilanz sieht es zu diesem Zeitpunkt ja noch ausgeglichen aus. Die Auszahlung an die Gesellschafter ist da natürlich weg. Insgesamt war das Investment sicherlich nicht sehr hoch.
    Intern in einem Verlag die Summen zu verschieben ist aber nicht so dramatisch wie es hier geschildert wird.

  32. Pingback: Jetzt ist es hochoffiziell: Bebo ist der neue studiVZ-Besitzer :: deutsche-startups.de

  33. Eigentlich sehr faszinierend wie schnell es relativ großen sozialen Netzwerken an den Kragen gehen kann. Wenn man bedenkt, dass dies ständig passiert, muss man sich schon wundern, was für ein Business Model die meisten sozialen Netzwerke haben…

  34. Naja man sollte sich vielleicht auch mal bei der Bewertung der facebook Aktie das Schicksal des StudiVZ im Hinterkopf behalten, wo steht denn geschrieben, dass es dem großen facebook nicht ähnlich gehen kann wie dem Netzwerk StudiVZ?
    Gerade in meinem Freundeskreis gibt es schon erste Personen die auch schon dem großen Facebook den Rücken zudrehen…

  35. Pingback: studiVZ: Vom Start-up zur Firma zum Start-up – Neuer Chef will Nutzer mit Fotoplattform halten – schülerVZ wird abgeschaltet :: deutsche-startups.de



  36. Matt

    Relative interessant, dass so viele Startups für viel Geld verkauft werden und dann zu Grund gehen. Liegt es daran, dass diese Firmen von Grund auf zum Scheitern verurteilt sind oder, dass wenn sie von “grösseren” Firmen gekauft werden von diesen zerstört werden?

    Und anscheindend ist nebend Facebook nicht wirklich Platz für ein weiteres grosses soziales Netzwerk in Deutschland.

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