#Interview

“Natürlich gab es Zeiten, in denen wir hart kämpfen mussten”

Das EarlyGame-Team hat ein Herz für Esports-Fans. "Wir haben innerhalb eines Jahres eine der führenden Plattformen im deutschsprachigen Raum aufgebaut. Aktuell sind wir knapp über 10 Kolleginnen und Kollegen", sagt Gründer Fabian Furch.
“Natürlich gab es Zeiten, in denen wir hart kämpfen mussten”
Dienstag, 10. August 2021VonAlexander Hüsing

Das junge Unternehmen EarlyGame positioniert sich als “zentrale Anlaufstelle für E-Sports und Gaming”. Das Startup, das von Leopold Ingelheim und Fabian Furch gegründet wurde, bietet nach eigenen Angaben “eine umfassende Berichterstattung zu den wichtigsten E-Sport-Spielen”. Der Olympia-Verlag, bekannt für den kicker, investierte bereits in EarlyGame. “Wir haben innerhalb eines Jahres eine der führenden Plattformen im deutschsprachigen Raum aufgebaut”, sagt Gründer Furch.

Derzeit wirken 10 Mitarbeiter:innen für das Unternehmen. “Zudem arbeiten wir mit einem größeren Freelance-Pool zusammen, um Lücken hier und da zu füllen. Umsatztechnisch geht es von Monat zu Monat aufwärts – vor allem durch die vielen neuen Partnerschaften”, sagt Furch. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht der EarlyGame-Macher zudem über Entwicklungsprozesse, Marketingbudgets und Userkennzahlen.

Wie würdest Du Deiner Großmutter EarlyGame erklären?
Ganz einfach. Es gab schon immer Medien und Entertainment-Firmen, die über Sport berichten wie zum Beispiel in Deutschland die Bild oder der kicker. Wir machen genau dasselbe nur eben statt über Fußball zu berichten, heißen bei uns die Sportarten League of Legends, Fortnite oder FIFA – das digitale Fußball. Diese Sportarten finden nicht auf dem Rasen, sondern am PC oder auf der Konsole statt. Bei uns geht es hierbei aber nicht nur um die reine Berichterstattung, sondern vor allem auch um den Aufbau einer Community und das Interagieren der Spieler und Fans über unsere Plattform.

Hat sich das Konzept, das Geschäftsmodell, in den vergangenen Jahren irgendwie verändert?
Wir sind ja erst knapp über 1 Jahr alt und dabei ist das Geschäftsmodell natürlich in einem konstanten Entwicklungsprozess. So haben wir zum Beispiel unsere Content Strategie angepasst. Komplett pivotiert haben wir aber nicht. Unsere Hypothese bzw. Strategie bestätigt sich im von Monat zu Monat – vor allem gemessen an unserem User Wachstum. Zuletzt haben wir die Schallmauer von 2 Million Unique Users auf EarlyGame.com geknackt, deutlich früher als ursprünglich geplant. Auch ist es eine schöne Bestätigung der eigenen Ideen, wenn der ein oder andere – größere – Wettbewerber sich Ideen bei uns abschaut.

Wie genau funktioniert euer Geschäftsmodell?
Unsere Vision ist es, die Nr. 1 Community Plattform und Marke an der Schnittstelle zwischen Esports, Gaming und Pop Culture zu werden. Hierbei sind wir bereits marktführend in Deutschland. Das heißt, wir produzieren zielgruppengerechten Content für den Mainstream und agieren dabei als Marke sowohl auf unserer eigenen Website als auch über unsere Social-Media-Kanäle. Gerade der Mainstream-Fan vermisst im Esports und Gaming Segment eine Anlaufstelle, die sich nicht auf den Hardcore Fan oder nur auf ein Spiel fokussiert. EarlyGame ist diese Anlaufstelle.

Die Corona-Krise traf die Startup-Szene zuletzt teilweise hart. Wie habt ihr die Auswirkungen gespürt?
Für uns als Startup hat das Thema Corona zwei Seiten. Zum einen gab es natürlich einen extra Schub des Mainstreams in den Esports. Somit ist der Markt schneller gewachsen. Auf der anderen Seite aber, wurde teilweise Budgets – vor allem Marketingbudgets – eingefroren. So haben wir in 2020 im Bereich Sponsoring etwas weniger umsetzen können als ursprünglich geplant. Zum Glück aber konnten wir diese Lücke durch andere Umsatzfelder mehr als schließen, sodass wir mit dem Jahr 2020 und dem Start ins Jahr 2021 sehr, sehr happy sind.

Wie ist überhaupt die Idee zu EarlyGame entstanden?
Ich bin als Gamer aufgewachsen. Sei es als Kind mit dem Gameboy in der Hand oder zu Abiturzeiten täglich am PC um mit meinem Clan CounterStrike zu spielen. Ebenso hatte ich schon immer die Lust Projekte neben dem Studium oder auch in meiner Zeit als Berater voranzutreiben, wie zum Beispiel die Gründung einer Fußballakademie in China. Nach meiner Zeit als CEO bei esports.com und Geschäftsführer von esports.com GSA GmbH, einem Joint Venture mit ProSiebenSat.1, hat sich glücklicherweise auch Leopold – mein Co-Founder bei EarlyGame – dazu entschieden in die Selbständigkeit zu wechseln. Da wir uns sehr gut ergänzen und der Gaming Markt ein riesen Potential hat, war EarlyGame die logische Konsequenz.

Wie hat sich EarlyGame seit der Gründung entwickelt?
Super. Wir haben innerhalb eines Jahres eine der führenden Plattformen im deutschsprachigen Raum aufgebaut. Natürlich gab es auch Zeiten, in denen wir hart kämpfen mussten – zum Beispiel als durch das Google Core Update im Dezember 2020 20 % unseres Traffics über die Nacht weggebrochen ist. Zum Glück konnten wir dies vor allem durch unsere Social Media-Präsenz in Regionen wie USA, Südamerika aber UK abfangen. Auch sind wir sehr happy, dass unser Team kontinuierlich an unserer gemeinsamen Vision arbeitet. Die Motivation des Teams ist mit der Hauptgrund, wieso wir bisher so erfolgreich waren.

Nun aber einmal Butter bei die Fische: Wie groß ist EarlyGame inzwischen?
Aktuell sind wir knapp über 10 Kolleginnen und Kollegen. Zudem arbeiten wir mit einem größeren Freelance-Pool zusammen, um Lücken hier und da zu füllen. Umsatztechnisch geht es von Monat zu Monat aufwärts – vor allem durch die vielen neuen Partnerschaften.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?
Leider haben wir das Google Update im Dezember nicht kommen sehen, welches uns wie angesprochen 20 % unseres Traffics gekostet hat. Hier waren wir nicht wachsam genug, da wir uns hierauf vermutlich etwas besser hätten vorbereiten können.

Und wo hat Ihr bisher alles richtig gemacht?
Alles richtig gemacht, haben wir sicher nirgends. In den Monaten seit Gründung haben wir viele Learnings gemacht und manche auch, wo wir davor gesagt hätten, dass wird garantiert funktionieren. Sicherlich aber gibt es zwei Aspekte die seit Gründung sehr gut liefen. Erstens: Unser Team, welches nicht nur inhaltlich stark ist, sondern auch kontinuierlich die berühmte extra Meile geht. Zweitens: Mit unserem Investor, dem kicker, haben wir einen super Partner gewonnen, der uns sowohl strategisch als auch operativ beim Wachstum hilft.

Wo steht EarlyGame in einem Jahr?
Wir haben uns entschlossen, unsere Firma über Seedmatch der Crowd als Investoren zu öffnen. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand. Wir glauben, dass die Crowd aktiv als Brand Ambassadors die Marke EarlyGame fördern kann. Zudem erreichen wir pro Monat über unsere Kanäle mehr als 15 Millionen Gaming- & Esports-Fans. Mit diesen gemeinsam als Co-Investoren die Firma weiterzuentwickeln, und zwar genauso wie es sich die Fans wünschen, ergibt nicht nur Sinn, sondern bedeutet, dass wir das Produkt nicht am User vorbei aufbauen. In Zahlen gesprochen: In 12 Monaten, wollen wir unsere aktuellen Userkennzahlen verdoppeln, unseren Umsatz verfünffachen und weiterhin hoffentlich mindestens genauso viele motivierte Kollegen und Partner für die Vision EarlyGame begeistern wie heute.

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Foto (oben): EarlyGame

Alexander Hüsing

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.