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Werksta.tt: Ein “Traum-Gründer” – auch ohne Maschmeyer-Investment

Glücklicherweise scheuen die Löwen Lob noch viel weniger als Kritik. Immer wieder werden Gründer mit starken Auftritten gelobt. Doch so überschwänglich wie im Fall von Werksta.tt-Gründer Justus Lauten hat man sie selten erlebt. Was hat der "Traum-Gründer", was man sich vielleicht von ihm abgucken kann?
Werksta.tt: Ein “Traum-Gründer” – auch ohne Maschmeyer-Investment
Dienstag, 13. April 2021VonRuth Cremer

Es lief rund für den jungen Informatiker, praktisch von Anfang an. Die Löwen hörten gebannt beim Pitch zu, denn jede/r von Ihnen investiert gerne in Nachhaltigkeitsthemen. Als er dann noch künstliche Intelligenz als Kern seiner Software zur Vermeidung von Überproduktion von Bäckereiwaren nannte, griff Carsten Maschmeyer direkt zu seinem Notizbuch. Denn, wie wir später erfuhren, hatte er auf ein solches Thema gewartet. “Ich hab immer gehofft, dass echte künstliche Intelligenz in die Höhle kommt.” sagte der Löwe mit dem wohl technologiereichsten Startup-Portfolio. Doch er setzte noch etwas hinterher, was das Feedback aller Löwen sehr gut zusammenfasste: “Und heute haben wir einen Traum-Gründer.”

Doch was genau ist ein Traum-Gründer für Investoren und kann man vielleicht lernen, einer zu werden?

Bei Maschmeyer war natürlich schon das Thema künstliche Intelligenz ein großer Türöffner. Dafür bringt der Gründer als studierter Informatiker – und das auch noch an einer sehr angesehenen technischen Universität – aber auch die nötige Qualifikation mit. Zudem besteht sein Team aus weiteren drei fast fertig studierten Informatikern. Um diese in Vollzeit ins Team zu übernehmen zu können, sucht er vor allem auch das Investment. Eine hohe Qualifikation im relevanten Thema ist bei Investoren aber immer sehr gefragt.

Dass er die ganze Zeit von “wir” statt von “ich” geredet hat, wie es Ralf Dümmel aufgefallen war, lässt ihn dazu auch als Team-Player erscheinen.

Doch an seiner professionellen Präsentationen und den sicheren Antworten konnte man schon erahnen, dass er so etwas wahrscheinlich nicht zum ersten Mal macht. Justus punktete hier mit klaren Planungen und Vorstellungen. Egal, ob es darum ging, wie viele Einnahmen man sich trotz gestaffelter Preise im Durchschnitt von einer Bäckereifiliale erwartete oder wie lange und für was die angefragten 120.000 € reichen würden: Der Wahl-Kölner hatte einen Plan. Auch als Unternehmer machte er also einen tollen Eindruck.

Und tatsächlich: Mit Tamyca war er vor vielen Jahren schon einmal Mitgründer eines Aachener Startups, dass damals als eines der ersten die Aachener Gründerszene buchstäblich mit prägte.

Nun hat er also den 1,7 Millionen Tonnen Bäckereiwaren, die jedes Jahr in Deutschland nicht verkauft werden können und daher weggeschmissen werden, den Kampf angesagt. Mit einem Pilotkunden und 4 Filialen konnte der von ihm entwickelte Algorithmus die Retourenquote bereits um 50% senken und dabei sogar 400 € mehr Gewinn für die Bäckereien herausholen. Die Software rechnet sich also auch noch unmittelbar für die Kunden.

Zwar soll das auch bald für andere Branchen möglich sein, allerdings muss und will der passende Investor natürlich von vorneherein helfen können. Judith Williams, Ralf Dümmel und Nils Glagau mussten daher leider aussteigen, da die Bäckereibranche nicht ihr Gebiet ist.

Doch Dr. Georg Kofler machte ein Angebot – und legte sich fast untypisch für ihn richtig ins Zeug. Er sagte selbst, dass er normalerweise mehr Anteile haben wolle, in diesem Fall ihm aber alles so gut gefiele, dass er nicht einmal verhandeln wollte.

Auch Maschmeyer verzichtete auf jedwede Verhandlung “Ich gebe Ihnen natürlich die 120.000 Euro, ich will auch nicht verhandeln.” Auf ihn hatte der Gründer wohl auch von Anfang an spekuliert, daher bekam er schließlich den Deal.

Doch das hatte Justus bestimmt nicht nur seinen fachlichen und unternehmerischen Qualitäten zu verdanken, das alleine reicht einem so erfahrenen Investor wie Maschmeyer bestimmt nicht, um das Prädikat “Traum-Gründer” zu verleihen.

Denn mehrfach wurde von fast allen Löwen Justus’ bescheidene und bodenständige Art gelobt. Eine solche Haltung ist bei Investoren besonders deshalb so beliebt, weil solche Menschen Probleme nicht klein reden, sie aber anpacken, nicht beratungsresistent sind und allgemein man einfach super mit ihnen arbeiten kann. So sagte dann auch Judith Williams am Ende: “Einer der sympathischsten Gründer, die wir je hatten.”

Und auch, wenn der Deal nach der Ausstrahlung der Show nicht zu Stande gekommen ist: Dieser “Traum-Gründer” wird sicherlich seinen Weg gehen und hoffentlich noch vielen Branchen helfen, mit intelligenter Produktionsplanung das Wegwerfen von Lebensmitteln zu bekämpfen.

Zum geplatzten Investment sagt Maschmeyer: “Der Deal wurde kurz vor Beginn der Pandemie geschlossen. Leider haben es bei der coronabedingten Neuausrichtung dann unterschiedliche Einschätzungen gegeben. Deswegen sind wir nicht zusammengekommen. Ich wünsche Justus aber weiterhin viel Erfolg, denn die Idee, durch KI, Nahrungsverschwendung nicht aufkommen zu lassen, ist gut. Dafür lohnt es sich weiter zu kämpfen”.

Tipp: Alles über die Vox-Gründer-Show gibt es in unserer DHDL-Rubrik. Die jeweiligen Deals und Nicht-Deals gibt es hier: “Die Höhle der Löwen (9. Staffel)“,”Die Höhle der Löwen (8. Staffel)“, “Die Höhle der Löwen (7. Staffel)“,”Die Höhle der Löwen” (6. Staffel)“,“Die Höhle der Löwen” (5. Staffel)“, “Die Höhle der Löwen (4. Staffel)“, “Die Höhle der Löwen (3. Staffel)“, “Die Höhle der Löwen (2. Staffel)“, “Die Höhle der Löwen (1. Staffel)“.

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Foto (oben):  TVNOW / Bernd-Michael Maurer

Ruth Cremer

Ruth Cremer ist Mathematikerin und Beraterin sowie Hochschuldozentin im Bereich Geschäftsmodelle, Kennzahlen und Finanzplanung. Als ehemaliger Investment Manager weiß Sie, worauf Investoren achten und hilft bei Pitch- und Dokumentenvorbereitung auch im Investment- oder Akquisitionsprozess. In der aktuellen sechsten Staffel von “Die Höhle der Löwen” war sie als externe Beraterin in die Auswahl und Vorbereitung der Kandidaten involviert.