#Gründeralltag

Was Gründer gerne vor der Gründung gewusst hätten

Was über das Gründer-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst? "Dass man 24/7 die Arbeit im Kopf hat und nie abschaltet. Selbst wenn man in den Urlaub fährt, hört die Arbeit nicht auf, weil man weiter plant und überlegt", sagt Tessa Zaune-Figlar von Vegdog.
Was Gründer gerne vor der Gründung gewusst hätten
Freitag, 1. Januar 2021Vonds-Team

Regelmäßig bitten wir Gründerinnen und Gründer zum großen und beliebten Gründeralltag-Interview. Eine Frage, die wir jedem jungen oder erfahrenem Entrepreneur stellen lautet: “Was über das Gründer-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?“Hier 15 Antworten gebündet in der praktischen Übersicht.

Viele Gründer stellen sich den Weg zu einem erfolgreichen Unternehmen zu einfach vor. Ich hatte das zu Beginn auch unterschätzt. Das liegt vermutlich daran, dass wir häufig nur die positiven Start-up-Stories zu hören bekommen und seltener die Geschichten, die die Probleme und Herausforderungen oder gar das Scheitern beschreiben. Jedem sollte klar sein: Der Weg zu einem erfolgreichen Unternehmen ist steinig und zeitintensiv. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich auf jeden Fall trotzdem gegründet, aber ich hätte mich besser darauf einstellen können. Heute sind wir bei Appinio stolz, selbst eine dieser positiven Start-up-Stories zu sein.
Jonathan Kurfess, Appinio

Wie schwierig es ist, wirklich Top-Level-Mitarbeiter*innen zu bekommen! Aus meiner Zeit bei BCG war ich natürlich sehr verwöhnt, was die Pipeline an super motivierten Menschen fürs Team angeht. Im Nachhinein verstehe ich noch besser, warum Unternehmensberatungen wie BCG oder McKinsey so viel Ressourcen fürs Recruiting verwenden. Als Startup hast du am Anfang kein Brand, vergleichsweise wenig Geld und vor allem keine komplettes Recruiting-Team. Das heißt: Um Top-Leute zu bekommen, musst du das x-fache an Zeit und Geld aufwenden. Mein Rat daher an alle Gründer*innen: Recruiting ist entscheidend, plant viele Ressourcen dafür ein!
Til Klein, Vantik

Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Wahrscheinlich, dass es schwierig ist, generell richtig abzuschalten und dass Urlaube und die Familie leider fast immer zu kurz kommen. Außerdem, wie enorm wichtig es ist, den/die richtige*n Mitgründer*in sowie das richtige Team an Bord zu haben. Gerne hätte ich auch noch mehr technischen Background gehabt – beispielsweise um ein MVP – Minimum Viable Product –  schneller aufzuziehen oder um in der Lage zu sein, auch mal Developer selbst mit dem notwendigen Hintergrundwissen zu “challengen”.
Thomas Bernik, rebike1

Dass man 24/7 die Arbeit im Kopf hat und nie abschaltet. Selbst wenn man in den Urlaub fährt, hört die Arbeit nicht auf, weil man weiter plant und überlegt. Das hat gute wie auch anstrengende Seiten. Das Gute überwiegt zum Glück, denn man hat ein Thema gefunden, mit dem man sich immer beschäftigen möchte. Ebenfalls ist das Thema Bürokratie zu erwähnen: Es ist alles nicht so kompliziert und schwer, wie es die Behörden etc. darstellen. Ein Unternehmen aufzubauen ist ein Marathon und kein Sprint. Man muss wirklich lernen mit seinen eigenen Ressourcen gut umzugehen. Häufig ist man ungeduldig und hat lauter Themen auf dem Tisch, so dass man ins Rennen gerät und lossprintet. In solchen Momenten muss man sich immer etwas zurücknehmen, weil man sonst schnell erschöpft ist. Einen dauerhaften Sprint kann nämlich auch der beste Sportler nicht hinlegen.
Tessa Zaune-Figlar, Vegdog

Manchmal ist es auch gut, wenn man nicht alles weiß und es durch „Try and Error“ lernt. Deshalb wäre ich auch immer wieder den Weg gegangen, direkt aus der Uni als Unternehmer zu starten. Eins kann man aber sicher festhalten: Es ist sehr viel Arbeit, es dauert immer alles länger als gedacht und man darf sich nie sicher sein, dass alles so bleibt, wie es gerade ist – im Guten wie im Schlechten.
Sebastian Wagner, Hausgold

Um ehrlich zu sein: Ich habe nie etwas anderes gemacht, als zu gründen oder unternehmerisch tätig zu sein. Schon zu Schulzeiten habe ich ein kleines Unternehmen aufgebaut, später dann zugunsten des Unternehmerdaseins die Uni direkt nach dem Bachelorabschluss verlassen. Will sagen: Nach zwanzig Jahren Gründer-Erfahrung schockt mich kaum noch etwas!
Adrian Locher, Merantix

Alle kochen nur mit Wasser. Punkt. Wenn man sich das vor Augen führt, dann macht man sich viel weniger Gedanken und dann klappt das, was man vorhat, auch. Die meisten Leute, die gründen wollen, starten nie, weil sie sich nichts zutrauen oder alles bis ins letzte Detail und darüber hinaus zerdenken. Einfach machen, nicht zu viele Gedanken vorab machen, das ist meine Empfehlung.
Daniel Schnadt, Gambio

Die Tatsache, dass sich die Unternehmensstrukturen und die Dynamik innerhalb der Teams durch schnelles Wachstum extrem verändern werden, war mir vorher in diesem Ausmaß nicht bewusst. Mit Mitarbeitern umgehen, und sie zu begeistern, ist eine sehr unterschiedliche Aufgabe, je nachdem ob du 3, 10, 50 oder 200 Mitarbeiter hast. Als Gründer musst du darauf vorbereitet sein, deinen Management-Stil und deine Fähigkeiten für diese Aufgabe weiterzuentwickeln.
Vincent Huguet, Malt

Mehrere Dinge: Work-Life-Balance bezieht sich aufs ganze Jahr, nicht auf die tägliche oder wöchentliche Arbeit. Persönliche Beziehungen sind wichtiger als die Strategie. Wenn die Teamdynamik nicht stimmt, läuft das Business nicht. Gründer und Manager sind nicht dasselbe, meistens haben sie divergierende Erwartungen. Deshalb muss man eine Seite wählen,um nicht mit sich selbst in Konflikt zu stehen. Belohnungen kommen von da, wo man sie am wenigsten erwartet.
Camilo Anabalon, Babybe

Wie wichtig die Auswahl der Mitarbeiter ist, mit denen du täglich zusammen arbeitest und gemeinsam ein Unternehmen aufbauen willst. Nicht die richtigen Kandidaten einzustellen, bedeutet nämlich nicht nur Enttäuschung, sondern auch Mehraufwand. Hier hätten Jamal und ich von Anfang an stärker auf unser Bauchgefühl hören sollen.
Johannes Laub, CrowdDesk

Die initiale Geschäftsidee ist nur 10% vom Erfolg eines Startups. Der weitaus größere Teil ist harte Arbeit und Disziplin. Immer und immer wieder müssen Lösungen für Probleme gefunden werden, die nun mal auftauchen. Je früher man das lernt, desto besser. Die aktuelle Lage ist da übrigens ein gutes Beispiel: Egal wie gut deine Geschäftsidee ist, du wirst dein Business durch eine wirklich herausfordernde Phase führen müssen.
Marc Nicolas Polleti, Cluno

Wahrscheinlich ist es besser, wenn man nicht alle Hürden und Herausforderungen bereits kennt, da man sonst auch leicht abgeschreckt wäre. Sich nach und nach mit den Themen auseinander zu setzen und täglich dazu zu lernen, finde ich sehr positiv.
Hanna Jakob, neolexon

Wie wichtig es ist, die richtigen Leute auszuwählen, die für einen arbeiten, denn nicht nur der Gründer bringt den Laden zum Laufen. Die Mitarbeiter sind ein wesentlicher Bestandteil, um alles, woran man gearbeitet hat, Wirklichkeit werden zu lassen. Ich hätte auch gerne gewusst, wie wichtig es ist, darüber zu reden, worum es bei meinem Start-up geht. Ich musste es erklären, auch wenn ich selbst davon überzeugt war, dass das Tool selbsterklärend ist.
Yoni Assia, eToro

Ich bin “Wiederholungstäter”, insofern gibt es da für mich keine Überraschungen mehr. Aber ich glaube, dass es keine “Abkürzungen” für Gründer gibt. Damit meine ich: Es gibt keinen Studiengang, kein Buch oder sonstigen Ersatz für die Erfahrungen, die man als Gründer eigenhändig sammelt. Es gibt Höhen und Tiefen – und durch die Tiefen muss man einfach durch.
Alexander Mahr, Stryber

Schlussendlich ist es der kontinuierliche Prozess verbunden mit den täglichen, neuen Herausforderungen die dazu beitragen, unser Unternehmen wie auch uns als Team ständig besser zu machen. Würden wir den Weg nicht gehen, also hätten wir Short-Cuts, würde uns der so wichtige Lernprozess fehlen.
Stefan Sinnegger, PowUnity

TippSo sieht der Gründeralltag bei jungen und erfahrenen Startuppern aus

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Foto (oben): Shutterstock