#Interview

“Nichts geht so schnell, wie man es selber gerne hätte”

Gründeralltag - gibt es das überhaupt? Thomas Kley, Mitgründer des Oldenburger Startups Löwenanteil, startet äußerst "klassisch" in seinen Startup-Tag: "Kaffee, Macbook auf, Zahlen vom Vortag prüfen, dann Mails und Slack checken".
“Nichts geht so schnell, wie man es selber gerne hätte”
Freitag, 4. Dezember 2020VonAlexander Hüsing

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Heute antwortet Thomas Kley, Mitgründer von Löwenanteil. Das Oldenburger Startup setzt auf Bio-Mahlzeiten für Sportler und Fitness-Begeisterte .

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?
Ziemlich klassisch. Kaffee, Macbook auf, Zahlen vom Vortag prüfen, dann Mails und Slack checken.

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?
Ich verbringe gern möglichst viel Zeit mit meiner Tochter, 3 Jahre alt. Ihr ist natürlich völlig egal, was Papa beruflich macht und das empfinde ich als einen sehr angenehmen Kontrast. Die Zeit mit ihr entspannt mich und holt mich runter.

Was über das Gründer-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?
Wie lange Dinge einfach dauern. Es lief wirklich sehr viel sehr gut für uns, aber nichts geht so schnell, wie man es selber gerne hätte. Vor allem, wenn es Produkte geht, bei denen hohe Qualität im Fokus steht und man daher auch keine Kompromisse eingehen will. Man muss einen Rucksack voll Geduld mitbringen.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?
Die richtigen Partner-Unternehmen zu finden. Wir haben bei Löwenanteil schlanke Strukturen aufgebaut, was uns gut gefällt. Zu Beginn war es jedoch sehr mühsam, die richtigen Produzenten zu finden und den Stein ins Rollen zu bringen.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?
Zu wenig herausfordern. Dinge, Preise, Umstände haben zu oft als gegeben oder statisch betrachtet, selbst wenn wir insgeheim wussten, dass so gut wie alles beeinflussbar oder verhandelbar ist, oder es vielleicht auch einfach anders ist, als es auf den ersten Blick erscheint. Heute hinterfragen wir viel mehr als noch vor zwei Jahren.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?
Der Fokus sollte einfach möglichst stark auf der Person, dem Menschen liegen, weniger auf seinen Fähigkeiten oder seiner Expertise. In Startups sind die Gehälter in der Regel überschaubar. Es ist also wichtig, was die Person motiviert und antreibt. Die richtige Einstellung ist der Schlüssel, nicht das reine Skillset.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer?
Reflexion. Je besser du darin wirst, dich selber, dein Verhalten, deine Stärken und Schwächen, sowie dein Umfeld zu reflektieren, desto besser wirst du. Das sollte man ununterbrochen tun, aus unserer Erfahrung ist das der stärkste Lernprozess.

Ohne welches externes Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?
Unsere Smartphones. Klingt unspektakulär, entspricht aber der Realität. So gut wie jedes Problem im Alltag regeln wir damit.

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?
Neben den wichtigen Themen reden wir im Allgemeinen auch einfach sehr viel Schwachsinn und lachen gerne über uns selber. Das trägt immer zur allgemeinen Belustigung bei.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?
Da gibt es viele. Am stärksten hängengeblieben sind glaube ich die Messe-Auftritte auf der FIBO 2018 und 2019. Das war jedes Mal ein wilder Ritt, wir hatten viele Freunde und unsere Partnerinnen dabei, die uns geholfen haben. Alles war sehr chaotisch und teilweise kam Ware am letztmögichen Tag, damit überhaupt alles klappt. Das war beide Male ein Riesenspaß, hat aber auch jedes Mal das Potenzial zur Vollkatastrophe. Mein Mitgründer Robin und ich haben immer drei Kreuze gemacht, wenn es vorbei war und alles irgendwie geklappt hat.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

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Foto (oben): Shutterstock

Alexander Hüsing

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.