#Interview “Gebt möglichst frühzeitig Verantwortung an euer Team ab”

Gründeralltag - gibt es das überhaupt? "Es gibt Höhen und Tiefen, weil wir einfach nicht alles zu 100 % selber steuern können, sondern viele Schnittstellen nach außen wie zu unseren Kunden und den Herstellern haben", sagt Arasch Jalali, Gründer von Profishop,
“Gebt möglichst frühzeitig Verantwortung an euer Team ab”

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Heute antwortet Arasch Jalali, Gründer des Bremer Startups Profishop, einem B2B-Onlinehändler.

Wie startet ihr in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?
Wir starten relativ früh in den Tag, in der Regel so zwischen 7 und 8 Uhr – mit einem starken Kaffee und dem Checken von E-Mails. 

Wie schaltet ihr nach der Arbeit ab?
Am besten durch Lesen. Derzeit lese ich Drachenjahre von Robert Rother.

Was über das Gründer-Dasein hättest ihr gerne vor der Gründung gewusst?Das Gründer-Dasein ist eine Achterbahn. Es gibt Höhen und Tiefen, weil wir einfach nicht alles zu 100  % selber steuern können, sondern eben viele Schnittstellen nach außen wie etwa zu unseren Kunden und den Herstellern haben. 

Was waren die größten Hürden, die ihr auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?
Das klingt vermutlich komisch, aber es gab tatsächlich keine. Unsere Gründung ist recht reibungslos verlaufen.

Was waren die größten Fehler, die ihr bisher gemacht habt – und was habt ihr aus diesen gelernt?
Anna, mit der ich Profishop 2012 gegründet habe, und ich haben lange gedacht, dass wir alles selber machen müssen. Erst mit der Zeit haben wir erkannt, wie wichtig es ist  Verantwortung abgegeben. Nicht nur für uns selbst, sondern auch für das Team. Schließlich bedeutet Verantwortung abzugeben, dem anderen Vertrauen zu schenken.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?
Letzten Endes ganz klassisch wie etablierte Unternehmen das auch tun: durch  persönliche Gespräche. Wir führen noch jedes Einstellungsgespräch selber – da sind wir auch wieder beim Thema Verantwortung abgeben. Für uns ist dieser Weg jedoch der beste, denn diese Unterhaltungen ermöglichen uns, durch gezielte Fragen festzustellen, ob jemand für unser Unternehmen brennt oder nicht. Wir haben auch schon Mitarbeiter/innen auf Empfehlung anderer Mitarbeiter/innen  eingestellt. Hier sind wir jedoch ein wenig vorsichtig, weil so eine Empfehlung natürlich auch mal nach hinten losgehen kann und jemand vielleicht einfach nicht hundertprozentig in das Unternehmen passt. Bislang haben wir damit jedoch sehr gute Erfahrungen gemacht.  

Welchen Tipp habt ihr für andere Gründer?
Gebt möglichst frühzeitig Verantwortung an euer Team ab. Das entlastet nicht nur euch, sondern ist auch ein positives Signal an eure Mitarbeiter. 

Ohne welches externes Tool würde euer Startup quasi nicht mehr existieren?
Wir nutzen viel Slack für die Kommunikation, in der aktuellen Situation noch intensiver als zuvor, und Microsoft Teams. Aber auch Tools wie Todoist, Trello, OneNote von Microsoft. Letztlich entscheiden die einzelnen  Teams, welche Programme in ihren Abteilungen Sinn machen und welche nicht. 

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?
Indem wir unser Team stets informieren und in wichtige Entscheidungen einbeziehen. Für uns ist diese Transparenz wichtig, um eine gute Atmosphäre zu schaffen. Außerdem  haben wir alle zwei Wochen ein All-Hands-Meeting. Dort stellt jede Abteilung ihre jeweiligen KPIs vor und abteilungsinterne Erfolge werden mit dem gesamten Team gefeiert. Schließlich ist diese Form der Anerkennung wichtig. Darüber hinaus gibt es bei uns natürlich auch: Obst, Getränke und Events wie Kickerturniere, aber auch Kohltouren, ein typisch norddeutscher Brauch, oder wir besuchen gemeinsam den Freimarkt, das größte Volksfest im Norden. 

Was war euer bisher wildestes Startup-Erlebnis?
Der Launch unseres Frankreich-Shops 2019, das war unser erster nicht-deutschsprachiger Online-Shop. Hier mussten alle Inhalte wie etwa CMS-Seiten und Produktinformationen ins französische übersetzt werden – und das bei Wahrung der vollen Rechtssicherheit.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

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Foto (oben): Profishop