#Interview “Wir glauben, dass kleine Teams glücklicher und effektiver sind”

"Perdoo hilft Unternehmen dabei, ihre Strategien in Ergebnisse umzusetzen", sagt Gründer Henrik-Jan van der Pol. Das Konzept geht auf: "Wir sind sehr stolz darauf, dass wir selbst finanziert sind und ein profitables Unternehmen aufbauen konnten".
“Wir glauben, dass kleine Teams glücklicher und effektiver sind”

Das Berliner Startup Perdoo gibt Unternehmen ein Werkzeug an die Hand, mit dem sie die Unternehmensziele erfassen, analysieren und managen können. “Perdoo hilft Unternehmen dabei, ihre Strategien in Ergebnisse umzusetzen. Wir nehmen immer das übergeordnete Ziel eines Unternehmens als Ausgangspunkt und unterstützen es dabei, einen klaren Fahrplan zu erstellen, ermöglichen es, die richtigen Teil-Ziele zu identifizieren, um dorthin zu gelangen, und halten die Mitarbeiter auf dem Laufenden, was ihren Fortschritt bei der Zielerreichung angeht”, erklärt Gründer Henrik-Jan van der Pol das Konzept des Unternehmens.

Firmen wie WeTransfer, Rewe Digital und Flaconi nutzen Perdoo. “Wir sind sehr stolz darauf, dass wir selbst finanziert sind und ein profitables Unternehmen aufbauen konnten, das einen positiven Cashflow aufweist, ohne uns von Risikokapital abhängig zu machen. Trotz unseres Wachstums haben wir uns dafür entschieden, die Größe unseres Kernteams überschaubar zu halten. Wir glauben, dass kleine Teams glücklicher und effektiver sind. Deshalb lagern wir jede Funktion, die keinen strategischen Wettbewerbsvorteil bietet, aus”, erzählt van der Pol weiter.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht der Perdoo-Macher außerdem über Fahrpläne, Vorauszahlungen und Fehlbesetzungen.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Perdoo erklären?
Ich würde meine Oma fragen “Erinnerst du dich noch, wie Papa sich immer mit diesen Straßenkarten aus Papier herum schlug, wenn wir nach Italien in den Urlaub gefahren sind? Jedes Mal hatte er Schwierigkeiten damit, herauszufinden, wo wir gerade waren und wie wir ans Ziel kommen. Kannst du dich auch daran erinnern, als er anfing, Google Maps zu nutzen und die App uns ansagte, wie wir am besten zu unserem Urlaubsziel kommen und wo genau wir links und rechts abbiegen müssen? Perdoo ist so etwas wie Google Maps für Unternehmen”. Ich müsste Google Maps vielleicht durch TomTom ersetzen, damit meine Oma die Analogie versteht, aber ich fürchte, das kennen die Leser hier nicht mehr. Anders ausgedrückt: Perdoo hilft Unternehmen dabei, ihre Strategien in Ergebnisse umzusetzen. Wir nehmen immer das übergeordnete Ziel eines Unternehmens als Ausgangspunkt und unterstützen es dabei, einen klaren Fahrplan zu erstellen, ermöglichen es, die richtigen Teil-Ziele zu identifizieren, um dorthin zu gelangen, und halten die Mitarbeiter auf dem Laufenden, was ihren Fortschritt bei der Zielerreichung angeht.

Hat sich euer Konzept seit dem Start irgendwie verändert?
Auf jeden Fall. Wir haben eine Weile gebraucht, um herausfinden, was wir tun wollen und wen wir mit unserem Angebot ansprechen möchten. Wir haben zum Beispiel gelernt, dass es bei Zielen (wie OKRs) nicht um den einzelnen Mitarbeiter, sondern um das gesamte Unternehmen geht. Folglich liegen Ziele nicht in der Verantwortung der Personalabteilung, sondern bei den Führungskräften und Managern. Als uns das klar wurde, begannen wir damit, unser Produkt für Führungskräfte zu optimieren. Auch unser Geschäftsmodell hat sich geändert. Vor einigen Wochen haben wir eine kostenlose Version unserer Software auf den Markt gebracht. Der Großteil unseres edukativen Contents war von Anfang an kostenlos. Indem wir unsere Software jetzt ebenfalls kostenlos zur Verfügung stellen, ermöglichen wir es jedem Unternehmen da draußen, ihre Ambitionen effektiv zu verwirklichen.

Wie ist überhaupt die Idee zu Perdoo entstanden?
Während meiner Arbeit als Unternehmensberater konnte ich beobachten, dass sehr viele Organisationen weltweit nicht ihre gewünschten Ergebnisse erzielen. Ich habe aus erster Hand gelernt, dass Ziele dabei helfen, die Lücke zwischen der heutigen Realität und einer gewünschten Zukunft zu überbrücken. Ich liebe Ziele und glaube fest daran, dass sie der wichtigste Bestandteil von Erfolg sind. Effizienz wird überbewertet – die Sicherheit zu haben, an den richtigen Dingen zu arbeiten, um seine Ziele zu erreichen, ist millionenfach wichtiger. Und weil es einfach keine gute Zielmanagement-Software für Unternehmen auf dem Markt gab, beschlossen Jonathan Morrice und ich, Perdoo zu gründen.

Wie genau funktioniert eigentlich euer Geschäftsmodell?
Perdoo bietet Kunden zwei Versionen seiner OKR-Software an: eine kostenlose Version und eine kostenpflichtige Premium-Version. Wir haben sorgfältig evaluiert, welche Funktionen für Unternehmen, die OKR implementieren wollen, unverzichtbar sind, und haben sichergestellt, dass diese Funktionen in der kostenfreien Version enthalten sind. Zusätzlich zu den unverzichtbaren Funktionen bietet unsere Premium-Version weitere Features wie Visualisierungen, benutzerdefinierte Berichte und Dashboards. Eine weitere Einnahmequelle ist unser Coaching, welches wir zusätzlich zu unserer Software anbieten.

2015 investierte der Berliner Company-Builder Makers in Perdoo. War weiteres Venture Capital nie ein Thema für euch?
Wir haben uns dafür entschieden, uns nicht von Risikokapital abhängig zu machen und stattdessen ein nachhaltiges Unternehmen aufzubauen. Der Cashflow hatte vom ersten Tag Priorität für uns. Wir haben bereits nach der Begrüßung unseres zehnten Kunden eine jährliche Vorauszahlung eingeführt. Das mag zwar einige Firmen abschrecken, aber mehr als genug waren einverstanden. So mussten wir nicht von einer Fundraising-Runde zur anderen rennen, konnten uns voll und ganz auf unsere Kunden konzentrieren.

Was rätst du anderen Gründern, die sich für Bootstrapping entscheiden?
Fundraising ist Mittel zum Zweck, obwohl es aus meiner Sicht für viele Gründer ein Selbstzweck zu sein scheint. Nicht jedes Unternehmen kann sich selbst finanzieren, und nicht alle Wachstumsziele können ohne Risikokapital erreicht werden. Man muss zuerst seinen Markt verstehen und dann entscheiden, ob Bootstrapping in Frage kommt oder nicht. Beim Bootstrapping geht es um die Optimierung des Cashflows, also des Mittelzuflusses und des Mittelabflusses gleichermaßen. Zur Optimierung des Zuflusses haben wir zum Beispiel jährliche Vorauszahlungen eingeführt, wie bereits erwähnt. Zur Optimierung unseres Mittelabflusses führen wir vierteljährliche Überprüfungen all unserer Kosten durch. Meine Empfehlung: Wenn ihr bootstrappen könnt, dann macht es! Der Aufbau eines Bootstrap-Unternehmens ist die Königsklasse des Company Buildings.

Nun aber einmal Butter bei die Fische: Wie genau hat sich Perdoo seit der Gründung entwickelt?
Wir sind sehr zufrieden mit der starken Entwicklung unseres Unternehmens. Seit dem Start im Jahr 2014 hat Perdoo Kunden in 34 verschiedenen Ländern auf allen Kontinenten gewonnen. Darunter sind Firmen wie WeTransfer, Rewe Digital und Flaconi. Perdoo wächst jährlich um durchschnittlich 300 % – gemessen an unseren Umsätzen – und es wurden bereits über 1 Million Ziele über die Plattform getracked. Wir sind sehr stolz darauf, dass wir selbst finanziert sind und ein profitables Unternehmen aufbauen konnten, das einen positiven Cashflow aufweist, ohne uns von Risikokapital abhängig zu machen. Trotz unseres Wachstums haben wir uns dafür entschieden, die Größe unseres Kernteams überschaubar zu halten. Wir glauben, dass kleine Teams glücklicher und effektiver sind. Deshalb lagern wir jede Funktion, die keinen strategischen Wettbewerbsvorteil bietet, aus. So glauben wir beispielsweise nicht an Paid Search als Kanal, aber die Vermarktung von Inhalten ist für uns extrem wichtig. Daher haben wir Paid Search an eine Agentur ausgelagert, würden aber niemals unser Content-Marketing auslagern.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?
Als erstmaliger Unternehmer musste ich auf die harte Tour lernen, wie man ein gutes Team aufbaut. Einige unserer früheren Anstellungen passten nicht gut zum Rest des Teams, was sich auf die Entwicklung des Unternehmens innerhalb der ersten zwei bis drei Jahre ausgewirkt hat. Ganz klar: Eine Fehlbesetzung sagt nichts über den Mitarbeiter aus. Es bedeutet nur, dass der er oder sie nicht gut für die jeweilige Position geeignet ist. In unserem Fall lag das daran, dass wir eingestellten, bevor wir eine klare Vorstellung von der Position hatten. Und wenn man keine klare Vorstellung von der Position hat, kann man auch nicht wissen, nach welcher Art von Mitarbeitern man suchen soll. Das ist schlecht für das Unternehmen, aber auch für die Person, die man einstellt. Ich bin froh, sagen zu können, dass wir in dieser Hinsicht viel besser geworden sind!

Und wo hat Ihr bisher alles richtig gemacht?
Beim Content Marketing! Darauf haben wir uns vom ersten Tag an fokussiert, und die Investitionen, die wir in diesem Bereich getätigt haben, haben sich wirklich ausgezahlt. Wir akquirieren jedes Jahr Tausende von Leads und haben bis heute Null Euro für Werbung ausgegeben. Content ist großartig, weil es wie eine Kapitalanlage funktioniert. Ihr generiert jetzt Leads, könnt aber auch Jahre später Leads generieren. Paid Acquisition ist dagegen schlicht und ergreifend: Scheiße. Sobald ihr aufhört zu zahlen, akquiriert ihr keine Leads mehr. Paid Acquisition ist verlockend, es relativ einfach funktioniert – aber sie ist definitiv keine gute langfristige Investition.

Wo steht Perdoo in einem Jahr?
Wir erwarten, dass unser starkes Wachstum sich auch in den nächsten Jahren fortsetzen wird. Jedes Unternehmen braucht schließlich eine Strategie, und diese Strategie muss umgesetzt werden. Es liegt in der Verantwortung der Führungskräfte, dies zu tun, und wenn sie scheitern, werden sich die Aktionäre nach jemandem umsehen, der es besser kann. Immer mehr Führungskräfte erkennen jetzt, dass es dafür eine Lösung gibt und dass Perdoo ihnen dabei hilft, die Erwartungen zu erfüllen oder gar zu übertreffen.

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Foto (oben): Perdoo

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.