#Interview

getbaff verwandelt analoge Flächen in Video-Bildschirme

"Wir sehen riesiges Potential Augmented Reality im Alltag einzusetzen. Sei es morgens beim Aufschlagen der Tageszeitung mit zusätzlicher Video-Berichterstattung, im Fitnessstudio, um Trainingsanweisungen direkt am Gerät anzusehen oder im Supermarkt", sagt Hendrik Gottschalk von getbaff.
getbaff verwandelt analoge Flächen in Video-Bildschirme
Freitag, 27. September 2019VonAlexander Hüsing

Bei getbaff, das im kleinen Dorsten zu Hause ist, geht es um Augmented Reality. “getbaff erweckt alltägliche Dinge zum Leben auf eine außergewöhnliche und innovative Art und Weise. Mit unserer Technologie können wir alltägliche Objekte und Oberflächen auf eine smarte und spielerische Art und Weise mit Video Content verbinden”, sagt Gründer Hendrik Gottschalk. Im Interview mit deutsche-startups.de stellt er das Konzept hinter getbaff einmal ganz genau vor. Zudem spricht er über den Startup-Standort Ruhrgebiet.

Wie würdest Du Deiner Großmutter getbaff erklären?
Wenn meine Oma etwas mit Youtube oder Augmented Reality (AR) anfangen könnte würde ich ihr sagen: “getbaff ist das YouTube für AR”. Da Doris vermutlich weder etwas mit YouTube noch mit AR anfangen kann, verpacke ich es so: ”Stell dir vor du schlägst deine Kochzeitschrift auf und kannst direkt ein Video anschauen wie das Gericht zubereitet wird”. Allen anderen würde ich sagen: “getbaff verwandelt analoge Flächen wie Verpackungen, Zeitungen oder Plakatwände in digitale Video-Bildschirme”

Welches Problem genau wollt Ihr getbaff Startup lösen?
Wir sehen riesiges Potential Augmented Reality im Alltag einzusetzen. Sei es morgens beim Aufschlagen der Tageszeitung mit zusätzlicher Video-Berichterstattung, im Fitnessstudio, um Trainingsanweisungen direkt am Gerät anzusehen oder im Supermarkt um zusätzliche Informationen zu Produkten zu erhalten. Nützliche Anwendungsfälle gibt es wie Sand am Meer. Gerade deshalb haben wir uns die Frage gestellt: Warum nutzen wir eine Technologie mit diesem Potential, so selten im Alltag? Um der Ursache auf den Grund zu gehen, haben wir uns zahlreiche AR Apps angeschaut und dabei relativ schnell wiederkehrende Muster erkannt. In der Regel war der Anwendungsfall eine nette Spielerei. Schön anzusehen aber ohne echten Mehrwert. Viel ausschlaggebender war aber folgendes: Die Erstellung von AR Inhalten ist zeitaufwendig, technisch anspruchsvoll, nicht skalierbar und damit ein ein teures Wegwerfprodukt. Dies hindert viele Unternehmen daran sich überhaupt mit AR auseinanderzusetzen. Ob YouTube, Instagram oder Facebook. Video ist das beliebteste Medium des Internets. Mit getbaff erschaffen wir die weltweit erste Augmented Reality Video Plattform. Der Benutzer hinterlegt, ähnlich wie etwa bei YouTube, ein Video und definiert ein dazugehöriges Bild welches als Auslöser dient. Auf diesem Bild –  Oberfläche – wird anschließend das Video abgespielt. Das hinterlegte Bild kann etwa eine Produktverpackung sein. Diese muss dafür nicht angepasst werden. Es wird kein QR-Code oder ähnliches benötigt. Dadurch besteht die Möglichkeit Produkte jederzeit, selbst wenn sie bereits im Handel sind, “AR-Ready” zu machen.

Jede Woche entstehen dutzende neue Startups, warum wird ausgerechnet getbaff ein Erfolg?
Wir schaffen es zum ersten Mal analoge und digitale Inhalte einfach, effizient und spielerisch miteinander zu verbinden. Analoge Produkte lassen sich dadurch im Handumdrehen digitalisieren. Zudem liefern wir Antworten auf unternehmensrelevante Fragen wie zum Beispiel: Wie schaffe ich ein zeitgemäßes Kundenerlebnis? Wie kann ich Kunden begeistern und binden? Wie messe ich analoge Inhalte und Außenwerbung? Darüber hinaus haben wir ein unschlagbares Team. Wir haben in den letzten 12 Monaten große Partner wie P&G, Vodafone und Unitymedia aus komplett eigener Kraft gewinnen können.

Wer sind eure Konkurrenten?
Den “AR Video Plattform”-Ansatz habe ich bisher bei keinem Mitbewerber gesehen. Die meisten Anbieter spezialisieren sich auf aufwendig produzierte, nicht skalierbare, AR Szenen die an ein spezielles Produkt gebunden sind. Andere Apps erlauben es dem Benutzer willkürliche Gegenstände wie Emoji oder Lamas im Raum zu platzieren. Wir verfolgen mit getbaff eine vollkommen andere Vision. Wir wollen den Massenmarkt erreichen und getbaff im Alltag platzieren, sodass für den Benutzer echte Mehrwerte entstehen.

Wo steht getbaff in einem Jahr?
Wir sitzen aktuell in einem Co-Working Space und stecken in unserer ersten Finanzierungsrunde. Bis Ende nächsten Jahres sollen mindestens noch eine weitere große Finanzierungsrunde folgen. 2020 ist ein großes Office im Düsseldorfer Medien Hafen geplant. Wir wollen bis Ende 2020 – 1 Millionen App-Downloads realisiert haben. 

Reden wir zudem noch über den Standort Ruhrgebiet. Wenn es um Startups in Deutschland geht, richtet sich der Blick sofort nach Berlin. Was spricht für das Ruhrgebiet als Startup-Standort?
Gute Infrastruktur, aufstrebende Startup-Szene, authentische und ehrliche Menschen.

Was genau macht den Reiz der Startup-Szene in Dorsten aus?
Ich sehe den Startup-Standort Dorsten vielmehr als Teil der Startup-Szene Ruhrgebiet. Alleine können Städte wie Dorsten, Essen oder Bochum es kaum mit Startup-Epizentren wie Berlin, Tel Aviv oder San Francisco aufnehmen. Gemeinsam als Standort “Ruhr Valley” erhöhen wir die Chance international wahrgenommen zu werden. Die 

Was ist in Dorsten einfacher als im Rest der Republik?
Die Wege sind Kürzer. Dadurch, dass ich hier aufgewachsen bin, jahrelang Fußball und Tennis gespielt habe, konnte ich mir ein großes Netzwerk aufbauen. Es gibt viele Menschen die einen von sich aus unterstützen, weil sie es großartig finden, dass man den Mut hat den eigenen Weg zu gehen. Ich erzähle immer mit Stolz, dass ich aus der wunderschönen Stadt Dorsten komme und man diese unbedingt mal besucht haben sollte. Einfacher ist es natürlich aus der Masse hervorzustechen, wenn ein Grundschullehrer seinen Job kündigt um seine große Vision zu verfolgen. Das schlägt in einer 80.000 Einwohner Stadt höhere Wellen, als vergleichsweise in Berlin. 

Was fehlt in Dorsten bzw. im Ruhrgebiet noch?
Der Startup-Standort Ruhrgebiet entwickelt sich in meinen Augen hervorragend. Momentan ist vieles in Bewegung und Bewegung ist gut. Ob Meetups, Konferenzen oder finanzielle Unterstützung durch das Land NRW, die Szene wächst und das Ruhrgebiet muss sich längst nicht mehr hinter Städten wie Berlin verstecken.

Zum Schluss hast Du drei Wünsche frei: Was wünscht Du Dir für den Startup-Standort Ruhrgebiet?
Ich bevorzuge lieber einen großen als drei kleine Wünsche: Dass der Standort “Ruhr Valley” den Leuten irgendwann mal so ein Begriff sein wird, wie es bisher nur “Silicon Valley” geschafft hat.

Der digitale Pott kocht – #Ruhrgebiet


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Foto (oben): Shutterstock

Alexander Hüsing

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.