#Interview

“Du erreichst in knapp 20 Minuten fast 4 Millionen Menschen”

"Wir haben zum Start nicht mit so einem rasanten Wachstum gerechnet. Die von uns erstellten Umsatzprognosen wurden Monat für Monat übertroffen, sodass wir schnell neue Mitarbeitern einstellen und parallel auch Prozesse optimieren mussten", sagt Nina Wegert, Gründerin von Grace Flowerbox.
“Du erreichst in knapp 20 Minuten fast 4 Millionen Menschen”
Montag, 16. September 2019VonAlexander Hüsing

Vor zwei Jahren waren Nina Wegert und Kirishan Selvarajah, die Köpfe hinter Grace Flowerbox in der Vox-Show “Die Höhle der Löwe” zu Gast und räumten einen Deal mit Löwin Dagmar Wöhrl ab. “Aktuell haben wir 40 Festangestellte und müssen zeitweise zu den Events wie Valentinstag, Muttertag oder Weihnachten auf über 100 Mitarbeiter aufstocken”, sagt Gründerin Wegert zum Stand der Dinge bei Grace. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht sie außerdem über Pfingstrosen, Prozessoptimierung und Markenaufbau.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Dein Startup erklären?
Grace Flowerbox hat sich darauf spezialisiert, echte Blumen, die durch ein Konservierungsverfahren – jahrelang haltbar gemacht werden, neu und modern zu verpacken.

Hat sich das Konzept seit dem Start irgendwie verändert?
Wir haben direkt zu Beginn mit frischen Blumensträußen angefangen. Haben dann relativ früh unser Konzept ausgebaut und das Sortiment um sogenannte „Infinity Rosen“ erweitert. Diese Rosen sind echt und halten mindestens ein Jahr – bei guter Pflege sogar deutlich länger. Heute haben wir neben langhaltenden Rosen, auch Nelken, Hortensien oder auch exklusiv Pfingstrosen im Angebot. Neben unseren klassischen runden Flowerboxen ist mittlerweile eine kleine Produktwelt mit verschiedensten Verpackungen entstanden.

Wie funktioniert denn euer Geschäftsmodellß
Wir sind ein typischer E-Commerce Shop mit eigener Manufaktur. Zeitweise haben wir zu Werbezwecken auch Pop-Up Stores in renommierten Kaufhäusern in ganz Europa. Aktuell betreiben wir sogar einen eigenen Shop in Paris – circa 300 Meter vom Eiffelturm entfernt.

Wie genau hat sich Grace Flowerbox seit der Gründung entwickelt?
Wir sind 2016 auf 100 Quadratmeter Büro und Lager gestartet und sind ziemlich schnell von der Nachfrage überrannt worden. Heute betreiben wir neben einer eigenen Herstellungsmanufaktur und dem Lagerlogistik Center auch unser Headquarter in Berlin an zwei Standorten auf über 2.500 Quadratmetern.

Nun aber einmal Butter bei die Fische: Wie groß ist Grace Flowerbox inzwischen?
Aktuell haben wir 40 Festangestellte und müssen zeitweise zu den Events wie Valentinstag, Muttertag oder Weihnachten auf über 100 Mitarbeiter aufstocken.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?
Wir haben zum Start nicht mit so einem rasanten Wachstum gerechnet. Die von uns erstellten Umsatzprognosen wurden Monat für Monat übertroffen, sodass wir schnell neue Mitarbeitern einstellen und parallel auch Prozesse optimieren mussten. Vor allem bei der Prozessoptimierung haben wir einige Entscheidungen getroffen, die wir so heute nicht mehr treffen würden. Aber zum Glück haben wir unser Team heute so gut aufgestellt, dass die Prozesse auch für Peak-Phasen optimal laufen.

Wie viele andere Startups habt ihr bereits an der Vox-Show “Die Höhle der Löwen” teilgenommen. Hat sich die Teilnahme an der Show für euch gelohnt?
Die Teilnahmen hat sich für uns allemal gelohnt. Für uns war es von Anfang an wichtig eine Marke aufzubauen und kein Hype-Produkt auf den Markt zu bringen. Und das ist uns sehr gut gelungen. Wir haben schon während der Ausstrahlung die Ausrichtung auf Markenaufbau gelenkt um langfristig existieren zu können. Wir profitieren auch heute noch extrem von der Bekanntheit der TV-Show. Aber auch in Ländern wir Frankreich, UK oder Italien sind wir Marktführer, wo die Sendung nicht ausgestrahlt wurde.

Welchen Einfluss genau hatte die Vox-Show auf eure Entwicklung?
Du erreichst in knapp 20 Minuten fast 4 Millionen Menschen. Das ist nicht ansatzweise mit der typischen TV-Werbung zu vergleichen. Der Trust ist viel höher und die Gründer stehen persönlich da und erzählen von ihrem Produkt und der Geschichte dahinter. Wenn das Paket passt, dann geht zwar am Abend noch der Onlineshop durch die Decke – aber wenn man vorher schon seinen Fokus auf Markenaufbau setzt, dann kann man von der Sendung noch mehrere Jahre profitieren.

Warum habt ihr euch damals entschieden, bei “Die Höhle der Löwen” mitzumachen?
Wir wurden damals total untypisch von der Produktionsfirma angefragt, ob wir aktuell auf der Suche nach Investoren sind und nicht Lust hätten an der Sendung mitzumachen. Wir hatten zu dem Zeitpunkt eine extreme Reichweite über Instagram generiert und so auch die Aufmerksamkeit auf uns gezogen. Nach kurzem Überlegen war für uns klar, dass wir an der Sendung teilnehmen werden!

Lief alles so, wie ihr es euch vorgestellt habt?
Tatsächlich ja! Man hat natürlich vorher schon überlegt welcher Löwe zu einem passen würde. Man kennt ja die strategische Ausrichtung der einzelnen Investoren und so kann man schon im Vorhinein gut evaluieren welchen strategischen Partner man gerne im Boot haben möchte. Mit der Familie Wöhrl haben wir mit dem Fokus “langfristigen Markenaufbau” definitiv den richtigen Partner gewonnen!

Wie nervös wart ihr kurz vor eurem TV-Pitch?
Ziemlich nervös! Man hat zwar vorher einen Probe-Pitch, aber da ist man weder im Studio, noch laufen da die Kameras…Es war sehr aufregend, aber sobald man im Studio steht, die Löwen vor einem sitzen und die Kameras laufen, vergisst man alles um sich herum und fokussiert sich nur noch auf seinen Pitch und verfolgt nur noch den Gedanken einen Deal mit nach Hause zu nehmen.

Was rätst Du anderen Gründer, die bei der Gründershow mitmachen wollen?
Man sollte sich extrem gut auf den Pitch vorbereiten und neben seinem Produkt auch seine Zahlen sehr gut kennen. Ein Investor wird auch mal kritische Fragen stellen, die man aber nicht persönlich nehmen darf – in diesem Fall lieber souveräne Antworten parat haben. Damit punktet man bei den Löwen!

Wo steht dein Startup in einem Jahr?
Wir werden nächstes Jahr weitere Blumenprodukte einführen und unser Sortiment weiter ausbauen. Außerdem haben wir 2019 unseren neuen Frischblumen-Shop „BLOOM by GRACE“ gestartet, wo wir 2020 die Expansion vorantreiben werden.

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Foto (oben): Vox

Alexander Hüsing

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.