#Interview Nach BuyVip und Pippa&Jean folgt nun youtiful

In den vergangenen Jahren baute der ehemalige BuyVip-Macher Gerald Heydenreich Pippa&Jean mit eine Social Selling-Community auf. Nun startet er mit youtiful erneut durch. Der Unternehmer beschreibt sein neues Projekt als "Beauty Involvement Marke".
Nach BuyVip und Pippa&Jean folgt nun youtiful

Das Duo Gerald Heydenreich und Annette Albrecht-Wetzel baut mit youtiful derzeit eine sogenannte “Beauty Involvement Marke” auf. “youtiful bietet ausschließlich Produkte an, die zuvor von der youtiful-Community getestet und für empfehlenswert befunden wurden. Für ihre Empfehlungen erhalten youti friends sogenannte youti coins, die sie gegen Rabatte einlösen können und erhalten so unsere Produkte preiswerter als Gegenleistung für ihr Engagement”, sagt Heydenreich. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht der Serienunterunternehmer außerdem über Rabatte, Verschwendung und Anreizsysteme.

Wie würdest Du Deiner Großmutter youtiful erklären?
youtiful ist die weltweit erste Beauty Involvement Marke, bei der die Kunden entscheiden, welchen Weg die Marke als nächstes einschlägt und welche Produkte angeboten werden: egal ob Produktentwicklung, Innovationen oder Klimaschutzprojekte. youtiful bietet ausschließlich Produkte an, die zuvor von der youtiful-Community getestet und für empfehlenswert befunden wurden. Für ihre Empfehlungen erhalten youti friends sogenannte youti coins, die sie gegen Rabatte einlösen können und erhalten so unsere Produkte preiswerter als Gegenleistung für ihr Engagement. Wenn sich jemand dazu entscheidet, youti partner zu werden, wird er für seine Mitarbeit in unserer Community sogar finanziell belohnt, da er die Möglichkeit erhält, in seinem eigenen Shop nebenberuflich und bei freier Zeiteinteilung Geld zu verdienen.

Welches Problem genau wollt Ihr mit youtiful lösen?
Die Kosmetikindustrie befindet sich im Wandel, denn längst reicht die Markenbekanntheit für einen langfristigen Produkterfolg nicht mehr aus und der Austausch zwischen Unternehmen und Kunden wird immer wichtiger. Leider gehen viele große Marken nicht auf die Kundenwünsche ein, weshalb Produkte vermehrt in den Markt gedrängt werden, ohne dass eine Nachfrage besteht. Vor allem in Zeiten, in denen Überfluss und Nachhaltigkeit zunehmend infrage gestellt werden, führen solche Produkte zu noch mehr Verschwendung. Genau dem wollen wir mit youtiful entgegenwirken, indem wir unsere Kunden von Anfang an mit einbeziehen und so ausschließlich Produkte auf den Markt bringen, die wirklich gewollt und von den Kunden geliebt werden. Damit wollen wir indirekt zu weniger Ressourcen Verschwendung beizutragen.

Jede Woche entstehen dutzende neue Startups, warum wird ausgerechnet youtiful ein Erfolg?
Bei uns ist die Meinung unserer Konsumenten maßgeblich und das macht uns einzigartig. Zu jedem Aspekt wird unsere youtiful-Community befragt und von Anfang an mit einbezogen. Dabei haben vorab registrierte Mitglieder mehrere Wochen Zeit, die Produkte exklusiv zu testen und zu bewerten. Mit diesem Konzept wollen wir die Kosmetikindustrie revolutionieren. Außerdem setzen wir auf die „Macht der Empfehlung“ die von Anfang an, fester Bestandteil der Marke ist. Hierzu haben wir ein einzigartiges Anreizsystem entwickelt, das uns bereits jetzt ermöglich hat, ohne einen Euro in Marketing zu investieren, mehr als 300.000 Euro Umsatz mit inzwischen mehr als 1.000 youti partnern in nur drei Monaten zu generieren.

Wer sind eure Konkurrenten?
Da wir mit youtiful ein ganz neues Beauty-Businessmodell schaffen und die weltweit erste Beauty Involvement Marke sind, gibt es keine direkten Konkurrenten. In den USA gibt es die Unternehmen Glossier und The Beauty Counter, die jeweils einen Teil unserer Vision abdecken.

Vor youtiful hast du schon Portum, BuyVip und Pippa&Jean gegründet bzw. geführt. Was reizt Dich daran neue Ideen umzusetzen?
Ich bin immer in Branchen gegangen, in denen etablierte Player nicht die Macht des Internets und der Technologie verstanden haben. Diese neuen Technologien zu nutzen, um Dinge in Frage zu stellen und besser zu machen, ist für mich ein starker Antrieb. Bei youtiful kommen noch zwei weitere Motivatoren für mich hinzu. Wir leben in einer Gesellschaft des absoluten Überflusses und werden von dem unglaublichen Warenangebot erschlagen. Dies führt dazu, dass viele Ressourcen für Produkte verschwendet werden, die eigentlich niemand braucht. Wenn wir etwas beim Thema Umweltschutz erreichen wollen, dann ist bereits ein wichtiger Beitrag, weniger zu konsumieren – und zwar eben nur das, was wir wirklich für gut befinden. Wir haben uns gefragt: Warum bieten wir eigentlich nicht nur das an, was die Menschen wirklich wollen, binden sie in den Prozess der Auswahl, der Entwicklung und des Vertriebs mit ein und belohnen sie für diese Mitwirkung? Und genau das machen wir nun mit youtiful, zunächst im Bereich Beauty, Health und Wellbeing. Wir sind eine Plattform auf der wir kontinuierlich Produkte launchen und in enger Abstimmung mit der Community entscheiden, was angeboten wird. Die Community ist dann natürlich auch der beste Vertriebsweg, weil sie mitentschieden hat, was wir anbieten und dementsprechend überzeugt ist. Deshalb ist bei youtiful meine Motivation zum einen, einen aktiven Beitrag zum Thema Umweltschutz zu leisten und zum anderen die Menschen, die uns helfen, die Produkte zu testen, zu bewerten und zu vertreiben, an dem Erfolg von youtiful partizipieren zu lassen. Wir sind der festen Überzeugung, dass wir mit diesem Ansatz eine Bewegung starten können, die Kosmetikindustrie nachhaltig zu verändern.

Mit Henkel habt ihr bereits einen namhaften Investor bei youtiful an Bord. Wie kam dies zustande?
Wir hatten gar nicht aktiv nach Investoren gesucht, sondern uns zunächst aus eigener Kraft finanziert. Durch einen Zufall kam dann der Kontakt zu Henkel X zustande, die eine sehr ähnliche Vision teilen. Nach einigen Treffen mit Marius Swart, Digital Lead Operations & Strategy, und Rhamyn Kress, Chief Digital Officer von Henkel, haben wir dann schnell gemerkt, dass wir uns vermutlich sehr gut gegenseitig unterstützen und voneinander lernen können. Die sehr unternehmerische Art und Weise der beiden hat uns absolut begeistert und wir sind sehr froh über diese starke Partnerschaft.

Wo steht youtiful in einem Jahr?
Wir wollen mit youtiful ein Umdenken in der Beauty Industrie schaffen und so soll youtiful als weltweit erste Beauty Involvement Marke auch die größte Beauty-Community der Welt werden. Vielleicht schaffen wir das noch nicht in einem Jahr aber wir sind überzeugt, dass wir einen großen Schritt in die richtige Richtung gegangen sind!

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Foto (oben): Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.