#Interview “Eine gewisse Frustrationstoleranz gehört dazu”

"Im Business-Alltag ist es wichtig, dass alle wissen wo wir stehen und wo wir hin wollen", sagt Volker Wohlfarth von Zinsbaustein.de. "Das Team fordert sich gegenseitig, alle wollen etwas bewegen und wenn das dann noch gelingt, macht das auch Spaß."
“Eine gewisse Frustrationstoleranz gehört dazu”

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Heute antwortet Volker Wohlfarth von Zinsbaustein.de, einer Crowdinvesting-Plattform für Immobilien.

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?
Auf dem Weg zur Arbeit Podcasts von Tim Ferris, Gabor Steingart, Hotel Matze oder NewWork, im Büro kurzer News Check Finanz-Szene von Schreiber-Dohms, Venture Daily, TechCrunch und Google Alerts. Idealerweise ist noch ein Barista Cappuccino dabei.

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?
Das Leben und Berlin bietet so viel an, da schalte ich ungern ab. Ich beschäftige mich gern mit Architektur, Kunst, Musik, Laufe gerne, Reise viel, geh Essen oder koche, spiele Speedminton oder Tischtennis mit meiner Tochter und informiere mich was im Startup und Tech-Bereich sich neues tut.

Was über das Gründer-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?
Ich bin erst nach Stunde Null an Bord gekommen, was ich auf jeden Fall gelernt habe ist Geduld im Fintech/Proptech-Bereich mitzubringen. Die etablierte Player haben nicht den Druck den ein Start-up haben und meist lange Entscheidungsphasen.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?
Wir hatten ein besonderes Konstrukt mit Finleap und Sontowski & Partner als Gründungsgesellschafter – was vieles erleichtert hat. Die größten Hürden waren auf jeden Fall schnell Vertrauen aufzubauen. Wir vermitteln Finanzanlagen und prüfen Immobilienprojekte, da ist es wichtig unsere Kompetenz unter Beweis zu stellen und professionell zu kommunizieren.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?
Ich stelle immer wieder fest, dass man Rückschläge, und die kommen immer wieder in einem Startup, schnell analysiert und verarbeitet. Daraus muss wieder ein positives Momentum entstehen. Zudem habe ich die Vorlaufzeiten bei etablierten Kooperationspartnern komplett unterschätzt. Als Start-up ist man ungeduldig, hat Druck, um das Business voranzutreiben und zu skalieren. Wenn dann ein Follow-up Meeting in drei bis vier Monaten geplant wird, und das trotz eines sehr hohen Interesses der anderen Seite, ist das schon enorm herausfordernd. Ich habe gelernt, dass Problemlösung einer meiner Hauptaufgaben ist. Mit dieser Erkenntnis gestaltet sich der Arbeitsalltag viel positiver.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?
Zum einen durchs Netzwerk und durch die Mitarbeiter selbst. Wir sehen aber auch, dass immer mehr erfahrene Leute aus etablierten Unternehmen die Flexibilität und Dynamik, die wir als junges Unternehmen bieten, suchen und gut finden. Zum anderen arbeiten wir auch in diesem Bereich mit Profis zusammen, die uns bei der Identifikation und Ansprache von potentiellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterstützen. Das klappt inzwischen ganz gut.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer?
Ausdauer, Eigen-Motivation und eine gewisse Frustrationstoleranz gehört auf jeden Fall dazu. Wenn man es schafft ein Team aufzubauen, das immer wieder mitzieht, kreativ nach alternativen Lösungen schaut und Verantwortung übernimmt, dann hat man eine gute Basis für den Erfolg. Wichtig finde ich auch, dass man dieselben Werte teilt, ich kann mich zu 100% auf meinen Geschäftsführungskollegen verlassen, auch wenn wir oft nicht derselben Meinung sind, das erleichtert viel.

Ohne welches externes Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?
Kaffeemaschine und diverse Barristas. Slack als Kommunikationstool – in Verbindung mit Giphy.com als Motivationstool. Google Analytics. Und: GYSHIDO – Get your shit done als Einstellung.

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?
Im Business-Alltag ist es wichtig, dass alle wissen wo wir stehen und wo wir hin wollen. Das Team fordert sich gegenseitig, alle wollen etwas bewegen und wenn das dann noch gelingt, macht das auch Spaß. Der Umgang im Büro ist locker. Es wird meist gemeinsam gegessen, einmal die Woche gefrühstückt, wir machen Karaoke Contests oder andere Aktivitäten, das organisieren die Leute bei uns selbst. Aus meiner Sicht haben wir eine tolle Teamkultur entwickelt.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?
Da gibt es unterschiedliche Kategorien. Feiern: Das Ende einer Weihnachtsfeier im Magendoktor mit fast allen aus dem Team. Business: Vorschlag eines begeisterten Kooperationspartner, dass wir unser Kick-off Meeting in fünf Monaten machen können. “Eine Million Euro” hat eine Privatperson in eine von uns vermittelte Vermögensanlage investiert.

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Foto (oben): zinsbaustein.de

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.