#Gastbeitrag 7 megawichtige Tipps zur Finanzierung eines Startups

Wir haben einen historischen Niedrigzins in Deutschland und das schon seit Jahren. Das bedeutet, dass es sich für Banken und Privatinvestoren nicht lohnt, das Geld zu sparen. Stattdessen suchen alle nach Möglichkeiten zu investieren und das ist perfekt!
7 megawichtige Tipps zur Finanzierung eines Startups

“Bootstrapping” nennt sich dieses Phänomen in der Startup-Szene: ohne Fremdkapital – rein aus dem eigenen Wachstum finanziert – hat sich die Gewürzmanufaktur innerhalb kurzer Zeit als ernstzunehmender Player im deutschen Gewürzmarkt etabliert. In mancherlei Hinsicht entspricht die Gewürzmanufaktur Ankerkraut auch immer noch dem typischen Startup-Klischee: Als Stefan Lemcke 2013 aus einer Passion heraus seine Firma gründet, ist der erste Geschäftssitz eine Garage. Und Stefan schickt sich an, entgegen der Befürchtungen seiner Freunde und Bekannte – so eine Gründung birgt eben auch immer Risiken – den etablierten, verstaubten und gesättigten Markt, in den er sich begibt, buchstäblich umzukrempeln. Wenig später stieg auch seine Frau Anne Lemcke mit in das Familiengeschäft ein. Bei ihrem gemeinsamen Auftritt in der TV-Show “Die Höhle der Löwen” 2016 konnten Anne und Stefan schließlich Frank Thelen von einer Investition überzeugen: 300.000 Euro gegen 20 % Firmenanteile. Ein zuerst schmerzlicher aber später sehr erfolgreicher Deal.

Heute ist Stefan Lemcke als Gründer seiner erfolgreichen Gewürzmanufaktur auf zahlreichen Konferenzen und Events vertreten, um von seiner Startup Gründung zu berichten. Auch in seinem Podcast “In der Würze liegt die Würze” gibt er regelmäßig Einblicke hinter die Kulissen von Ankerkraut. In der aktuellen Folge haben die Ankerkraut-Gründer ihren eigenen Chief Financial Officer Alex Schwoch zu Gast und geben wertvolle Tipps zur Finanzierung und dem Aufbau eines erfolgreichen Startups. Daneben gibt Stefan Lemcke in einem Gastbeitrag Tipps zur Finanzierung eines Startups.

Die 7 Top-Tipps zur Finanzierung eines Startups von Stefan Lemcke

1. Die beste Zeit zum Gründen ist jetzt

Wir haben einen historischen Niedrigzins in Deutschland und das schon seit Jahren. Das bedeutet, dass es sich für Banken und Privatinvestoren nicht lohnt, das Geld zu sparen. Stattdessen suchen alle nach Möglichkeiten zu investieren und das ist perfekt! Jeden Tag entstehen neue tolle Startup Ideen und Unternehmen – eventuell ist eure Firma ja das nächste große Ding!

Sucht euch am besten ein Netzwerk aus Gründern heraus und geht auf möglichst viele Events. Dabei trefft ihr nicht nur andere Gründer zum Austausch sondern ganz häufig auch Banker oder auch andere Geldgeber, die nach Investitionsmöglichkeiten suchen.

Mein Tipp:

Wenn ihr einen Bankenkredit haben möchtet, geht am besten zu einer neuen Bank und nicht zu der, bei der ihr schon privat seid. Eure “alte” Bank bietet nicht automatisch die besten Konditionen, während eine neue Bank euch gerne mit einem guten Angebot als Business-Neukunden gewinnen möchte. Mit gutem Verhandlungsgeschick macht eure “alte” Bank euch im Anschluss vielleicht dann doch noch ein besseres Angebot, um euch zusätzlich als Businesskunden zu halten.

2. Businessplan first

Grundsätzlich muss sich das Investment für eure Kreditgeber lohnen. Bringt zum Termin, egal ob Privatinvestor oder Bank, auf jeden Fall einen realistischen Businessplan mit. Was auf jeden Fall enthalten sein sollte sind eine Marktanalyse, eine Aufstellung eurer Stärken und Schwächen sowie die Erfolgsaussichten, mit denen ihr plant. Dazu kommen dann noch das Umsatzpotenzial und ein Finanz- beziehungsweise Liquiditätsplan. Mit diesen Daten könnt ihr Investoren einen Einblick in euer (zukünftiges) Unternehmen geben und sie davon überzeugen, dass ihr das Investment wert seid!

Mein Tipp:

Bleibt mit eurem Businessplan auf jeden Fall realistisch. Ihr dürft eure Prognosen und Erfolgsaussichten natürlich positiv darstellen, bleibt aber bei der Wahrheit. Die Investoren merken sofort, wenn Zahlen in der Planung keinen Sinn ergeben oder “pi mal Daumen” gerechnet wurden. Auch hier gilt: Holt euch besser einen Fachmann mit hinzu.

3. Das Startkapital ist das A und O

Natürlich ist die Höhe des optimalen Startkapitals von Idee und Branche abhängig. Ich habe bisher nur ein Unternehmen gegründet und habe deswegen nur einen konkreten Erfahrungswert, doch der ist gut. Wir haben ungefähr 60.000 Euro gebraucht, um mit Ankerkraut starten zu können. Diese Zahl ist großzügig gerechnet und sollte auch euch einen geschmeidigen Start ermöglichen, wenn ihr in ähnlichen Dimensionen gründen wollt.

Mein Tipp:

Rechnet am besten auch hier mit einem Finanzberater durch, welche Materialien, Geräte und eventuelles Personal ihr benötigt. Nur so könnt ihr eine realistische Einschätzung erhalten und den nächsten Schritt zur Finanzierung gehen.

4. Funding durch Family & Friends

Eine der wichtigsten Fragen bei der Gründung: Wie komme ich an das nötige Kapital?

Grundsätzlich muss hier zwischen Eigen- und Fremdkapital unterschieden werden:

Eigenkapital kommt von Investoren aller Art und bedeutet, dass Ihr Geld im Gegenzug für Anteile an eurer Firma bekommt. Das ist natürlich eine Option, die häufig in der realen Welt stattfindet. Auch “Die Höhle der Löwen” baut auf diesem System auf.

Fremdkapital kommt ebenfalls von Investoren oder Banken, hat aber den Vorteil, dass ihr hier keine Firmenanteile abgeben müsst. Hier gibt es verschiedene Formen. Eine Variante mit der Ankerkraut sich anfangs stark finanziert hat war das Funding über Family & Friends.

Man leiht quasi bei den eigenen Bekannten –  Eltern, Großeltern und Verwandten. Der große Vorteil, ihr habt längere Rückzahlungsmöglichkeiten und bekommt wahrscheinlich immer einen besseren Zinssatz als von der Bank. Hier ist aber auch Vertrauen ein wichtiger Faktor! Wenn ihr letztendlich das Geld nicht zurückzahlen könnt, kann das für Enttäuschung sorgen. Macht also am besten immer direkt klar, dass auch eure Familie mit einem gewissen Risiko investiert.

Mein Tipp:

Ein Familienkredit ist optimal, um die ersten Schritte im Unternehmen zu machen. Der Vater von Anne hat 50 % unseres Startkapitals beigesteuert. Das hat nachher viel geholfen, als wir weiteres Kapital gesammelt haben und ohne dieses Startkapital würde die Firma heute nicht mehr existieren. Ohne diese Start-Phase hätten wir 2016 noch gar nicht bei DHDL auftreten können.

5. Warenbestand immer im Blick behalten

Gerade in der Anfangsphase bzw. Wachstumsphase sollte man sich nicht übernehmen und zu viele Produkte lagern. Ich habe damals, als es so richtig mit Ankerkraut losging, viel zu viele Produkte eingekauft und vorproduziert und dabei gar nicht gewusst, wie viele wir davon überhaupt vertrieben bekommen. Einige Gläser haben wir erst Monate später im Weihnachtsgeschäft verkauft. So ein riesiger Warenbestand sorgt schnell dafür, dass man vor finanziellen Engpässe steht.

Mein Tipp:

Holt euch möglichst schnell einen Kollegen, der die Finanzen im Blick behält und euch bei Investitionen und Finanzierungen zur Seite steht.

6. Nur Geduld mit den Gewinnen

Wenn ihr plant, euch kurz nach der Gründung direkt ein dickes Auto zu kaufen, ein fancy Büro zu mieten oder euch ein Nettogehalt von 10.000 Euro auszuzahlen, ist das keine gute Idee. Gerade in der Anfangszeit solltet ihr nur Geld ausgeben, wenn es wirtschaftlich sinnvoll ist und euch mehr Umsatz liefert. Wir haben bis heute kein krasses Büroloft in der Hafencity und ich habe mir beispielsweise erst nach zwei Jahren das erste Mal Gehalt ausgezahlt.

Mein Tipp:

Wenn es euch und eurem Unternehmen ein paar Jahre lang gut geht, ist es vollkommen in Ordnung sich mal etwas zu gönnen. Achtet nur darauf, dass ihr mit wachsendem Umsatz häufig auch wachsende Kosten habt. Wenn ihr plötzlich eure Mitarbeiter nicht bezahlen könnt, habt ihr ein großes Problem..

7. Wie wäre es mit Factoring?

Wenn ihr euch euren Platz auf dem Markt gesichert habt und anfangt, mit Großkunden zu arbeiten – bei uns sind das zum Beispiel Edeka und Rewe – dann werdet ihr mit neuen Zahlungsfristen konfrontiert. Als ich das erste Mal hörte, dass es Zahlungsfristen von 60 Tagen gibt, was bedeutet, dass ich zwei Monate auf mein Geld warten muss, bin ich aus allen Wolken gefallen. Deswegen haben wir uns für Factoring entschieden.

Factoring ist im Prinzip nichts anderes als das Verkaufen eurer offenen Forderungen. Es gibt einige Factorer, die euch diese Forderungen gegen eine Gebühr abkaufen. Diese Unternehmen zahlen euch den Rechnungsbetrag (abzüglich der Gebühr) direkt und kümmern sich dann darum, dass sie in 60 Tagen das Geld von REWE und Edeka erhalten. Das bedeutet weniger Stress für euch, ihr könnt direkt wieder neue Ware einkaufen und einen anderen Kunden beliefern.

Mein Tipp:

Wenn euer Lieferant sehr erfolgreich ist, könnt ihr mit ihm auch über einen Lieferantenkredit verhandeln. Das bedeutet, dass ihr die Ware erst nach 30 oder 60 Tagen bezahlen müsst. Es gibt also genügend Möglichkeiten, um euer Unternehmen und eure Kunden zu bedienen!

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Foto (oben): Vox