#Interview In 8 Jahren hat bei diesem Startup – jetzt 140 Angestellte – noch nie ein Mitarbeiter gekündigt

Das Hamburger Unternehmen sum.cumo, das vor acht Jahren an den Start ging, gehört zu den stillen InsurTech-Firmen im Lande. Inzwischen arbeiten knapp 140 Mitarbeiter für das Startup, das zuletzt einen Umsatz in Höhe von mehr als 10 Millionen Euro erwirtschaftete.
In 8 Jahren hat bei diesem Startup – jetzt 140 Angestellte – noch nie ein Mitarbeiter gekündigt

Schon seit acht Jahren digitalisiert das Hamburger Grownup sum.cumo die Lotterie- und Versicherungsbranche. Die Hanseaten gründen für ihre Kunden etwa neue Gesellschaften. “Mittlerweile sind wir knapp 140 Mitarbeiter, die meisten davon in Festanstellung. Wir haben rund 11,8 Millionen Euro Umsatz zu verzeichnen und verdienen – wie schon seit „Tag 1“ – Geld, ohne aufwendige Finanzierungen zu benötigen. Worauf wir besonders stolz sind: seit Gründung des Unternehmens vor über acht Jahren hat noch kein Mitarbeiter bei uns eine Kündigung eingereicht”, sagt Björn Freter, Gründer und Geschäftsführer von sum.cumo. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Freter außerdem über Investoren mit langfristiger Perspektive, die Leichtigkeit der Gründungsjahre und Fehler als Teil der DNA.

Wie würdest du deiner Großmutter sum.cumo erklären?
Als wir 2010 als Startup losgelegt haben, waren wir eine Gruppe von langjährigen Kollegen, die sich mit dem Thema Internet sehr gut auskannten. Anders als bisher wollten wir uns aber stärker spezialisieren und nur noch für bestimmte Kundengruppen aus der Versicherungs- und Lotteriebranche arbeiten. Wir hatten die Vision, diese Branchen mithilfe von Internettechnologie komplett neu erfinden zu können.

Wer genau sind denn überhaupt eure Kunden?
Unsere Idee ist bisher voll aufgegangen und wir sind ordentlich gewachsen – eigentlich sind wir schon kein Startup mehr. Allerdings sind fast alle unsere Kunden selber Startups oder gründen gemeinsam mit uns solche, die genauso wie wir schnell wachsen sollen. In der Versicherungs- oder Lotteriebranche sind Startups aber grundsätzlich ein bisschen anders aufgestellt. Der Kapitalbedarf ist riesig, daher stehen oftmals große Konzerne oder Investoren mit langfristiger Perspektive dahinter.

Hat sich euer Konzept seit dem Start irgendwie verändert?
Wir sind unserer Strategie treu geblieben, was wahrscheinlich einen großen Einfluss auf den Erfolg hatte. Aber natürlich mussten wir uns und vor allem unser Angebot gegenüber Kunden und Kollegen ständig anpassen. Alleine das Wachstum hat viel mit uns gemacht und es ist eine der wichtigsten Aufgaben, dass wir den Startup-Spirit der Gründungsphase im Wachstum nicht verlieren.

Wie genau funktioniert euer Geschäftsmodell?
Wir bieten Unternehmen der Versicherungs- und Lotteriebranche innovative Technologielösungen an. Unsere Experten aus Beratung, UX, Technologie und Marketing begleiten erfolgreiche Projekte von der Ideenfindung bis zur Umsetzung und sichern den langfristigen Betrieb. Oft gründen wir gemeinsam mit unseren Kunden neue Gesellschaften auf der sprichwörtlichen „grünen Wiese“. So können wir zusammen komplett neue Wege zu gehen.

Wie hat sich sum.cumo seit der Gründung entwickelt?
Am deutlichsten zeigt sich die Veränderung durch das Wachstum. Wir haben jedes Jahr viele neue Mitarbeiter und Kunden für uns begeistern können und sind dadurch substanziell gewachsen. So haben sich viele neue Möglichkeiten ergeben und wir können mittlerweile deutlich mehr Verantwortung für die Geschäftsmodelle unserer Kunden übernehmen. Natürlich ist ein bisschen die Leichtigkeit der Gründungsjahre verloren gegangen – bei so vielen neuen Kollegen muss man aufpassen, dass die Kommunikation und der Informationsfluss weiter erhalten bleiben.

Nun aber mal Butter bei die Fische: Wie groß ist sum.cumo inzwischen?
Mittlerweile sind wir knapp 140 Mitarbeiter, die meisten davon in Festanstellung. Wir haben rund 11,8 Millionen Euro Umsatz zu verzeichnen und verdienen – wie schon seit „Tag 1“ – Geld, ohne aufwendige Finanzierungen zu benötigen. Worauf wir besonders stolz sind: seit Gründung des Unternehmens vor über acht Jahren hat noch kein Mitarbeiter bei uns eine Kündigung eingereicht!

Ihr seid schon acht Jahre unterwegs. Wie viel Startup steckt noch in euch?
Immer noch sehr viel! Wir tun einiges dafür, die positiven Eigenschaften eines Startups zu erhalten. Im Mittelpunkt steht bei uns immer noch der Spaß an dem, was wir tun und wir möchten dies gerne auch an unsere Mitarbeiter und Kunden weitergeben. Wir hören nicht auf damit, uns zu hinterfragen und unsere Leistungen gegenüber Mitarbeitern und Kunden ständig zu verbessern. Am Startup-Wesen gibt es aber auch viel Anstrengendes, das wir mittlerweile glücklicherweise hinter uns gelassen haben. Die Substanz und Größe, die wir uns erarbeitet haben, gibt uns viel Freiraum für z. B. weiterführende Spezialisierung, koordinierte Forschung, angenehme Arbeitszeiten, attraktive Gehälter, usw.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?
Gott sei Dank sehr viel – allerdings niemals so „richtig schief“. Fehlerkultur ist bei uns ein wichtiges Thema. Wir probieren und testen viel, sind oftmals an vorderster Front der Entwicklung unterwegs. Fehler sind also Teil unserer DNA und vor allem der Umgang mit ihnen, der uns immer weiter und weiter bringt.

Und wo habt ihr bisher alles richtig gemacht?
Ich würde sagen, dass ein Geschäftsmodell wie unseres nicht auf der einen ultimativen Wahrheit beruht, sondern vor allem die Koordination der vielen unterschiedlichen Menschen und deren Fähigkeiten den Erfolg ausmachen. Also ist am Ende unsere Crew unser größter Schatz. Bei uns haben verschiedenste Talente ihren Platz und prägen mit ihrer Diversität eine harmonische und gute Unternehmenskultur. Bei uns herrscht eine professionelle Atmosphäre und wir gehen respektvoll miteinander um – gleichzeitig aber gibt es auch viel Raum für Spaß.

Im Insurtech-Segment ist in den vergangenen Jahren viel passiert. Wie nehmt ihr den Markt momentan wahr?
Das Gründungstempo der deutschen Insurtech-Szene ist und bleibt hoch. Versicherungen haben die Notwendigkeit zur Digitalisierung erkannt und kooperieren mittlerweile mit diesen Insurtechs, um Teilbereiche ihres Geschäftsmodells zu optimieren. Die komplette Revolution der Branche ist jedoch bisher ausgeblieben. Die Versicherer tun sich nach wie vor schwer damit, ihre über Jahre gewachsene Struktur ganzheitlich umzudenken und am Kunden auszurichten. Wahrscheinlich sind daher die von uns durchgeführten Projekte deutlich erfolgreicher, bei denen wir immer ein vollständiges Umdenken aller Unternehmensbestandteile zum Ziel haben.

Wo steht sum.cumo in einem Jahr?
Wir wachsen weiter und dürfen wieder viele neue Kollegen in unserer Crew begrüßen. Unsere Kunden wachsen aufgrund ihrer Erfolge ebenfalls, was zusätzliche Möglichkeiten der gemeinsamen Entfaltung und Entwicklung bietet. Sicherlich werden auch neue Projekte entstehen und neue Kunden hinzukommen – aber alles dürfen wir leider auch nicht verraten. Das gehört eben auch zur Startup-Kultur: bahnbrechende Ideen müssen für eine gewisse Zeit möglichst geheim bleiben.

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Foto (oben): Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.