#Hintergrund Frank Thelen steigt aus Daily Soap von Floerke aus

In den vergangenen Wochen wurde das Drama um das junge Startup von Floerke immer schlimmer. Nun die neueste Entwicklung: Thelen steigt endlich bei von Floerke aus. Das "manager magazin" sieht Thelen unterdessen "im Zwielicht".
Frank Thelen steigt aus Daily Soap von Floerke aus

Ende des vergangenen Jahres schien es, dass die Startup-Soap von Floerke kurz vor dem Aus stehen würde – siehe dazu unseren Mammutartikel: “von Floerke-Fiasko: Dieses Drama kennt nur Verlierer“. Das bisherige Trauerspiel im Schnelldurchlauf: Das Startup von David Schirrmacher stieg Ende 2018 in das Geschäft mit Alkohol ein – mit Unterstützung des umstrittenen Alkoholverkäufers Christian Lutz Schoenberger – ehemals Stardrinx.

Zunächst verneinte das Unternehmen eine solche Zusammenarbeit, dann kam diese aber trotzdem ans Licht. Die Zusammenarbeit wurde zum Fiasko, das von Floerke-Team konnte die vielen Bestellungen nicht bedienen. Investor und Löwe Frank Thelen brach schließlich mehr oder weniger öffentlich mit Schirrmacher. Anfang dieses Jahres sollte es dann eine Rettung für das Unternehmen geben. Der Schweizer Unternehmer Ruben Welsch wollte von Floerke sanieren. Doch die Rettungsaktion platzte. Kurz darauf sank das Niveau der Daily Soap um das Startups durch die ständigen Social Media-Aktivitäten von Gründer Schirrmacher auf ein neues unterirdisches Niveau. Er wettert in Videos gegen “Feinde” wie Thelen sowie Welsch und erzählte unter anderem – wohl leicht alkoholisiert – sexistische Witze. Er versprach seinen Zuschauern sogar Thelens Telefonnummer zu verraten, wenn nur genügend Bestellungen eingehen würden. Thelen schlug darauf hin zurück: Drohte juristische Schritte an. Insgesamt ging Thelen wohl viel zu sehr auf die Provokationen von Schirrmacher ein und heizte die Stimmung so immer mehr an.

Nun die neueste Entwicklung: Thelen steigt bei von Floerke aus – wie der Tagesspiegel zuerst berichtete. NGIN Food berichtet zudem, dass Thelen seine Anteile für 1 Euro “an den Gesellschafter und Mytaxi-Gründer Niclaus Mewes sowie an ihn selbst und seinen Vater Thomas Schirrmacher überschrieben” habe. Familie Schirrmacher hält nun 90 % an von Floerke, Mewes die verbleibenden 10 %. Löwe Thelen ließ sich beim Notartermin von einem Anwalt vertreten. Thelen widerspricht dem: Er habe seine Anteile Mewes gegeben, teilt er uns mit. Auf erneute Nachfrage bestätigt Schirrmacher, dass Thelens Anteile im ersten Schritt an Mewes gegangen seien. Danach seien sie aber jeweils zwischen Mewes und ihm aufgeteilt worden. Und Mewes? Der bittet auf Anfrage um Verständnis, dass er sich “zu diesem Thema nicht äußern werde”.

Das “manager magazin” sieht Thelen unterdessen “im Zwielicht“. Es geht um die Zusammenarbeit mit Schoenberger und wer wann, was über die Kooperation gewusst habe. Das Wirtschaftsmagazin berichtet über eine WhatsApp-Gruppe der Gesellschafter: “Schirrmacher schrieb dort, bereits am 19. Oktober habe er Thelen gesagt, dass Schoenberger ‘uns hilft, die Getränke zu besorgen’. Mehrere Teilnehmer eines Krisentreffens der Gesellschafter Anfang November bestätigen ein Protokoll, demzufolge damals auch mit Thelen intensiv über die Kooperation diskutiert wurde. Thelen bestreitet dies. Er habe bloß von ‘Tipps’ des Alkoholhändlers gewusst, aber nicht das Ausmaß der Kooperation gekannt”.

Auch ein weiterer Bericht der WirtschaftsWoche kratzt am Image von Startinvestor Thelen. Es geht um die 1,2 Millionen Euro, die von Floerke – auch mit der Hilfe von Thelen – über die Crowdlending-Plattform Kapilendo einsammeln konnte. Im Werbevideo zur Geldammelsaktion pärsentierte sich Thelen als “sehr, sehr glücklicher Investor”. “Bloß stand Thelen selbst schon vor dem Exit, während die Kapilendo-Kampagne lief. Am 4. August 2017 unterschrieb einer seiner Geschäftsführer einen Kaufvertrag”, heißt es im Artikel weiter. Thelen verweist laut Bericht darauf, dass der Vertrag ihm verboten hätte, sich zum Exit öffentlich zu äußern. “Das Video für Kapilendo sei vor den Verkaufsverhandlungen entstanden”. Der Verkauf scheiterte bekanntlich und Themen musste weiter bei von Floerke an Bord bleiben.

Es bleibt dabei: Die Daily Soap von Floerke kennt nur Verlierer. Schirrmacher kann nach diesen Aktionen keiner mehr ernst nehmen. Thelens Image wiederum hat unter der Schlammschlacht arg gelitten.

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Foto (oben): VOX

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.