#Interview “Wir konnten unseren Umsatz Jahr für Jahr vervierfachen”

Wir sind ein recht erfahrenes Gründerteam - und vor allem mit vier Gründern auch personell gut ausgestattet. Ich glaube das konnte uns bisher vor wesentlichen Fehltritten bewahren. Ich will mich jedoch auf keinen Fall in falscher Sicherheit wiegen - und bleibe wachsam", sagt Karl Viertel von Alyne.
“Wir konnten unseren Umsatz Jahr für Jahr vervierfachen”

Seit 2015 versucht das Münchner Startup Alyne Regulierungsthemen den Schrecken zu nehmen. Mitgründer Karl Viertel beschreibt das Unternehmen als “Kommandozentrale für Mitarbeiter in Unternehmen, die Schaden von der Organisation abhalten müssen”. Das RegTech liefert seinen Kunden eine Software, mit der diese einen Überblick darüber bekommen, welche regulatorischen und gesetzlichen Vorgaben sie aktuell erfüllen müssen. Alstin Capital und die Hannover Digital Investment investierten Ende des vergangenen Jahres rund 3 Millionen Euro in das Münchner Startup. Insgesamt flossen bereits 4,2 Millionen in Alyne. Derzeit versucht die Jungfirma in den USA Fuß zu fassen. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Alyne-Macher Viertel über falsche Sicherheit, App-Fall und Entscheidungsfreude.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Alyne erklären?
Alyne ist die Kommandozentrale für Mitarbeiter in Unternehmen, die Schaden von der Organisation abhalten müssen. Das ist aber wirklich nur die Großmutterantwort. Cyber Security Management, Interne Kontrollsysteme oder operationelles Risikomanagement wird man den meisten Großmüttern nicht mehr erklären können.

Hat sich Euer Konzept seit dem Start irgendwie verändert?
Grundsätzlich nein. Natürlich reagieren wir auf neue Datenpunkte und Dinge, die wir gelernt haben und passen uns entsprechend an. Alles andere wäre als Start-up arrogant und fatal. Unser Konzept und Geschäftsmodell sind jedoch grundsätzlich erhalten geblieben.

Wie genau hat sich Alyne denn seit der Gründung entwickelt?
Wir haben uns stetig weiterentwickelt – seit Gründung im Sommer 2015 und dem Produkt Go-Live im Frühjahr 2016 konnten wir kontinuierlich unser Produkt weiterentwickeln, neue Kunden gewinnen und weitere Mitarbeiter an mehreren Standorten aufnehmen. Es war natürlich auch harte Arbeit – aber wir konnten bisher immer unsere Ziele erreichen.

Nun aber einmal Butter bei die Fische: Wie groß ist Alyne inzwischen?
Wir haben derzeit 28 Mitarbeiter – Stand Februar 2019. Unser Team ist in den letzten Monaten, nach unserer Series A Runde, stark gewachsen. Wir haben zwei weitere Standorte eröffnet und sind nun in München, London, Melbourne und New York vertreten. Wir konnten unseren Umsatz bisher Jahr für Jahr mindestens vervierfachen.

Momentan treibt ihr insbesondere die Expansion in den USA voran. Was sind eure Erwartungen an den US-Markt?
Die USA bieten eine Konzentration von Zielkunden und Entscheidungsfreude, die es vermutlich sonst in keiner Region gibt. Der Erfolg lässt sich natürlich vorab nicht garantieren, aber wir sind überzeugt, die richtigen organisatorischen Grundlagen erarbeitet zu haben, um auch in den USA sehr erfolgreich zu sein. Ich erwarte in den kommenden Monaten sehr spannende Deals und freue mich auf diese nächste Entwicklungsphase von Alyne.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?
Wir sind ein recht erfahrenes Gründerteam – und vor allem mit vier Gründern auch personell gut ausgestattet. Ich glaube das konnte uns bisher vor wesentlichen Fehltritten bewahren. Natürlich haben wir mal die Zusammenarbeit mit einem Partner wieder eingestellt, weil die erwarteten Ergebnisse ausblieben oder haben unser Pricing-Modell angepasst, um Vertriebsprozesse zu optimieren. Ich will mich jedoch auf keinen Fall in falscher Sicherheit wiegen – und bleibe wachsam.

Und wo hat Ihr bisher alles richtig gemacht?
Insbesondere unsere Technologieentscheidungen haben sich als sehr erfolgreich erwiesen. Eine Kombination aus skalierbaren Plattformen, günstige Einstiegspreise und passende Fertigungstiefe haben uns ermöglicht, wenig “App-Fall” zu produzieren, Betriebskosten niedrig zu halten und dabei hervorragende Performance für unsere Kunden zu ermöglichen. Unsere Verfügbarkeit war beispielsweise in 2018 100 %! Ich glaube wir haben auch bei unseren Investoren – Alstin und Hannover Digital Investments gute Entscheidungen getroffen. Die Zusammenarbeit ist super und wir können umfangreiche Unterstützung in Anspruch nehmen.

Wo steht Alyne in einem Jahr?
Wir wollen unser Umsatzwachstum weiterführen, deutlich mehr als 50 Mitarbeiter sein, und mehrere Großkunden in jeder unserer Kernregionen – Deutschland, UK, Australien und USA – bedienen.

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Foto (oben): Alyne

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.