#Interview In unter 5 Jahren zu 125 Mitarbeitern und 15.000 Nutzern

"Unser Kundenstamm ist auf 15.000 Anleger, die bislang im Durchschnitt rund sechsmal jährlich investiert haben, angewachsen. Daraus leiten wir auch eine sehr positive Zukunftsperspektive ab – was werden wir erst erreichen bei 100.0000 Investoren, oder gar 500.000?", sagt Simon Brunke, Mitgründer von Exporo.
In unter 5 Jahren zu 125 Mitarbeitern und 15.000 Nutzern

In den vergangenen Jahren gingen zahlreiche Startups an den Start, die sich um Immobilieninvestments kümmern. Das Hamburger Unternehmen Exporo, das 2014 loslegte, sieht sich inzwischen als “Markführer für digitale Immobilieninvestments in Deutschland”. “Seit der Gründung haben wir über 170 Projekte finanziert, mehr als 315 Millionen Euro Kapital vermittelt und mit einer Rückzahlungsquote von 100 % bereits über 100 Millionen Euro an unsere Anleger zurückgezahlt”, sagt Simon Brunke, Mitgründer von Exporo.

Investoren der Jungfirma sind etwa e.ventures, Holtzbrinck Ventures, Sunstone und BPO Capital. Die Kapitalrücklage von Exporo lag Ende 2017 bei rund 10,2 Millionen Euro. Der Bilanzverlust des Unternehmens, eine kleine Kapitalgesellschaft, die zuletzt 125 Mitarbeiter beschäftigte, lag Ende 2017 bei rund 5,9 Millionen. “Mit frischen Mitteln, aus einer zeitnah anstehenden Finanzierungsrunde, wollen wir die Internationalisierung angehen und in den kommenden 12 Monaten mindestens in einem weiteren europäischen Markt aktiv sein”, sagt Brunke zu den Planungen für die kommenden Monate. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht er zudem über die eigene BaFin-Lizenz, absolut richtige Entscheidungen und Projektanfragen.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Exporo erklären?
Exporo ist Europas größte Plattform für digitale Immobilieninvestments. Sie bietet Anlegern einen Überblick über professionelle Immobilienprojekte und Bestandsimmobilien, in die sie online und direkt investieren können. Dabei profitieren private Investoren von zwei sich ergänzenden Produktkategorien: Zum einen können sie sich kurzfristig und fest verzinst an renditestarken und geprüften Immobilienprojekten beteiligen – hier errichten Projektentwickler zum Beispiel neue Wohngebäude oder sanieren Gewerbeobjekte über eine bestimmte Laufzeit. Und zum anderen, eine echte Innovation, können sich Anleger direkt an ausgewählten Bestandsimmobilien – wirtschaftlich wie ein Eigentümer – beteiligen, hierbei erhalten sie quartalsweise Ausschüttungen aus den Mietüberschüssen und sind zusätzlich mit 80 % am Wertzuwachs beteiligt. Das beste daran: diese Stücke “Digitaleigentum” sind über Exporo handelbar.

Hat sich euer Konzept seit dem Start irgendwie verändert?
Gestartet und groß geworden sind wir im Bereich der Projektfinanzierungen. Dieser Markt wurde bisher von institutionellen Investoren dominiert und wir haben ihn für Kleinanleger geöffnet. Die Vorteile der Digitalisierung – also Echtzeitinformation, Transparenz, Zugang, geringe Investmenthöhen, effiziente Abwicklung, etc. – auf das Thema Eigentum zu übertragen, war für uns der nächste logische Schritt. Wir sehen für das Thema Immobilienbestand eine deutlich größere Zielgruppe als bei reinen Projektfinanzierungen, da sie hier wirtschaftlich “wie ein Eigentümer” investieren können, sodass es neben dem ausgeschütteten Cashflow der Bestandsimmobilie zusätzlich eine Teilhabe an der Wertentwicklung gibt und das Investment zudem wertstabil, sachwertgesichert und inflationsgeschützt ist. Wir haben bereits mehrere Objektankäufe mit einem Volumen von insgesamt circa 60 Millionen Euro getätigt und planen 2019 rund 30 weitere Objekte mit einem Asset-Volumen von zusammen etwa 300 Millionen Euro anzukaufen. Darüber hinaus haben wir in puncto Regulierung mit unserer BaFin-Lizenz natürlich einen sehr großen Schritt gemacht, sodass wir nicht mehr mit gesetzlichen Sonderregelungen arbeiten sondern voll reguliert. Vom Grunde her hat sich aber unser Konzept nicht verändert, wir haben es nur verbessert. Nach wie vor wollen wir es jedem ermöglichen, bereits mit kleinen Beträgen und wenig Aufwand vom attraktiven Immobilienmarkt zu profitieren.

Und wie genau hat sich Exporo seit der Gründung entwickelt?
Sehr erfreulich: Jedes Jahr seit der Gründung im November 2014 haben wir sowohl die Anzahl der finanzierten Projekte als auch die Summe des vermittelten Kapitals über unsere Plattform mehr als verdoppelt, ebenso natürlich auch unseren Revenue. Auch die Summe des an unsere Anleger zurückgezahlten Kapitals – mittlerweile über 100 Millionen Euro – und die Anzahl der Mitarbeiter im Team sind stetig gestiegen. Dazu haben wir eine eigene BaFin-Lizenz – was über 12 Monate gedauert hat – erhalten und uns technisch auf beiden Seiten unserer Plattform extrem weiterentwickelt.

Nun aber einmal Butter bei die Fische: Wie groß ist Exporo inzwischen?
Aktuell haben wir 125 Mitarbeiter und haben seit der Gründung über 170 Projekte finanziert, mehr als 315 Millionen Euro Kapital vermittelt und mit einer Rückzahlungsquote von 100 Prozent bereits über 100 Millionen Euro an unsere Anleger zurückgezahlt. In 2018 wurden mehr als 173 Millionen Euro Kapital vermittelt, davon allein im Dezember über 22 Millionen Euro mit einem Tagesspitzenwert von 4,15 Millionen Euro. Unser Kundenstamm ist auf 15.000 Anleger, die bislang im Durchschnitt rund sechsmal jährlich investiert haben, angewachsen. Daraus leiten wir auch eine sehr positive Zukunftsperspektive ab – was werden wir erst erreichen bei 100.0000 Investoren, oder gar 500.000? Gerade die Kombination mit Immobilien als größte Asset-Klasse weltweit und der Notwendigkeit zum Sparen und Investieren macht unseren Case so spannend.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?
Richtig schief gegangen ist bisher nichts. Das liegt daran, dass es für uns extrem wichtig ist, die eingereichten Projekte ganz genau zu prüfen. Von circa 20 bis 25 Projektanfragen pro Woche schaffen es nur ein bis zwei Projekte auf die Plattform. Bei Exporo arbeitet ein Team von 40 erfahrenen Immobilienexperten, die jedes einzelne Projekt bzw. Objekt gründlich prüfen, vertraglich strukturieren und vor allem auch nach der Vermittlung über exporo.de monatlich im Controlling behalten. Aber es gab schon Dinge wie zum Beispiel die BaFin-Lizenz, was unglaublich lange gedauert hat – das haben wir ordentlich unterschätzt. Ebenso diverse digitale Prozesse mit Depotbanken und der voll regulierten Welt – da wird noch viel analog gearbeitet, was uns immer wieder vor Herausforderungen stellt.

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht?
Wir haben uns von einem zunächst Cashflow-orientierten Startup zu einem skalierenden Unternehmen entwickelt, konnten viele Arbeitsplätze schaffen, die wir mit unglaublich tollen Menschen besetzen durften und haben mit Exporo den Beweis angetreten, dass die Immobilienbranche unfassbar viel “Speck” hat, sehr analog und intransparent arbeitet und Digitalisierung hier enorme Vorteile für den Endverbraucher schaffen kann. Da aber dieses ganze Thema als Plattform nur über Skalierung – viele Mitarbeiter, große Tech-Ressourcen etc. – Erfolg haben kann, war es die absolut richtige Entscheidung, für diesen Weg auf Venture Capital zu setzen.

Wo steht Exporo in einem Jahr?
Wir wollen uns auch in den kommenden 12 Monaten wieder “verdoppeln”. Das heißt konkret, Bestandsimmobilien für 300 Millionen Euro und 200 Millionen Euro an Projektfinanzierungen über unsere Plattform zu vermitteln. Dazu werden wir weitere Experten und Spezialisten an Bord holen, sodass unsere Mannschaft auf 160 Teammitglieder wachsen wird. Mit frischen Mitteln, aus einer zeitnah anstehenden Finanzierungsrunde, wollen wir die Internationalisierung angehen und in den kommenden 12 Monaten mindestens in einem weiteren europäischen Markt aktiv sein. Auch unseren Exporo-Handelsplatz – mit dem Ziel, aus einem illiquiden Gut ein Liquides zu schaffen – werden wir weiterentwickeln mit dem Ergebnis, dass jeder seine über Exporo erworbenen “Stücke an Immobilien” täglich zum fair value handeln kann. Und nicht zuletzt wollen wir bis Ende 2019 sämtliche Tätigkeiten von Exporo zu 100 Prozent unter die Bafin-Regulierung stellen.

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Foto (oben): Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.