#Interview Die Attraktivität des Standortes Dortmund wird bundesweit nicht wahrgenommen”

Neben Bochum ist Dortmund als Startup-Standort unter Gründern ein beliebtes Pflaster. Auch das Unternehmen MotionMiners, eine Ausgründung aus dem Dortmunder Fraunhofer IML, hat hier Fuß gefasst. Aktuell trägt sich das Startup durch den Forschungstransfer und das Projektgeschäft.
Die Attraktivität des Standortes Dortmund wird bundesweit nicht wahrgenommen”

2017 gründeten Sascha Feldhorst, Sascha Kaczmarek und René Grzeszick in Dortmund MotionMiners. Das Unternehmen zeichnet mit mobilen Sensoren und Kleinstfunksender, sogenannten Beacons, die Bewegungen von Mitarbeitern auf. Damit wollen sie die körperliche Belastung messen, reduzieren und die Prozesszeiten in Unternehmen verkürzen. Gefördert wurde das Startup durch EXIST, ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Aktuell sind 18 Mitarbeiter an den Projekten beteiligt. Welche Rolle das Ruhrgebiet spielt und wieso es den Dortmundern an nichts fehlt, erzählt Gründer Grzeszick im Interview mit deutsche-startups.de

Reden wir über das Ruhrgebiet. Wenn es um Startups in Deutschland geht, richtet sich der Blick sofort nach Berlin. Was spricht für das Ruhrgebiet als Startup-Standort?
Es tut sich aktuell sehr viel im Ruhrgebiet. Die Unterstützung die wir von verschiedenen Stellen erhalten haben, hat uns wirklich überzeugt. Dazu zählt die Wirtschaftsförderung Dortmund, das Centrum für Entrepreneurship & Transfer der TU Dortmund, aber insbesondere auch das Fraunhofer Netzwerk. Gerade für ein Logistik-Startup ist Dortmund mit dem Fraunhofer IML, dem Digitial.Hub Logistics – in dem wir seit Oktober 2017 sitzen – und weiteren Initiativen, ein äußerst attraktiver Standort. Es gibt hier ein enorm starkes Netzwerk und damit eine enge Verzahnung mit der Industrie. Mit der Nähe zu den Ruhruniversitäten Dortmund, Bochum, Duisburg-Essen und den vielen Fachhochschulen in der Umgebung haben wir zudem direkten Zugriff auf Studierende der Studiengänge Logistik, Information, Elektrotechnik und BWL. Von daher spricht unserer Meinung nach viel für das Ruhrgebiet und insbesondere Dortmund als Standort für junge Logistikunternehmen.

Was genau macht den Reiz der Startup-Szene in Dortmund aus?
Die Startup-Szene in Dortmund wird maßgeblich von der Wirtschaftsförderung der Stadt Dortmund geprägt, die sich seit langem dafür einsetzt, die Dortmunder Startup-Szene zu fördern. Darunter fällt beispielsweise auch der überregionale start2grow Wettbewerb. Dabei ist die Quantität mit Sicherheit nicht mit Berlin oder München zu vergleichen, aber verstecken brauchen sich Dortmund und das Ruhrgebiet trotzdem nicht. Was uns so an der Startup-Szene hier gut gefällt ist, dass man es mit bodenständigen, ehrlichen und hartarbeitenden Menschen zu tun hat. Vermutlich hängt das Ganze auch mit der Geschichte dieser Region zusammen.

Was ist in Dortmund einfacher als im Rest der Republik?
Das ist schwer zu beurteilen, da noch keiner von uns außerhalb von Dortmund an einem Startup gearbeitet hat. Wir denken, dass es in Dortmund einfacher ist, Aufmerksamkeit und Unterstützung für das eigene Startup zu bekommen, da hier die Gründerszene vergleichsweise kleiner ist.

Was fehlt in Dortmund/im Ruhrgebiet noch?
Da ich als Schalker im ewigen Streit mit meinen Mitgründern stehe: ein guter Fußballverein. Spaß bei Seite – aktuell mangelt es uns eigentlich an Nichts. Bundesweit gesehen wird die Attraktivität des Standortes Dortmund allerdings nicht wirklich wahrgenommen wird, das finden wir sehr schade. Ein großer Unterschied ist auch, dass es in Berlin und München scheinbar leichter ist junge Menschen für die Arbeit in einem Startup zu begeistern. Viele Menschen wollen in diese Städte ziehen und das Abenteuer Startup auf sich nehmen. Aus unserer Erfahrung muss man sich hier viel weiter strecken, um Absolventen von unserer Vision zu begeistern. Vielleicht ist das die Kehrseite der Bodenständigkeit hier in der Region, dass viele Menschen lieber einen Job mit mehr Sicherheit, aber weniger Gestaltungsmöglichkeit suchen.

Zum Schluss hast Du hast drei Wünsche frei: Was wünscht Du Dir für den Startup-Standort Ruhrgebiet?
Die Sichtweise junger Unternehmen sowie auch regionale Förderprogramme konzentrieren sich im Ruhrgebiet sehr auf die einzelnen Städte. Um mit Standorten wie Berlin und München mithalten zu können, müssen wir geschlossen als Ruhrgebiet auftreten. Wunsch Nummer 1 lautet daher: Weg von regionaler Haarspalterei, hin zum kollektiven Verständnis als „Metropole Ruhr“. Außerdem würde der Region ein besseres Selbstbild gut tun. In Berlin und München sagt man „seht her, wir sind wer“. Zum Beispiel Veranstaltungen wie Bits’n’Pretzels in München sind überregional bekannt, während der Ruhrsummit, ein ähnliches Format, kaum bekannt ist. Als letztes würden wir uns wünschen, dass junge Menschen in der Region etwas mutiger sind. Wir denken, dass Startups als Arbeitgeber sehr attraktiv sein können, es ist natürlich ein ganz anderes Arbeiten als im großen Konzern. Und wir hoffen natürlich, unseren Teil dazu beizutragen diese Dinge zu verändern.

Der digitale Pott kocht – #Ruhrgebiet


Mit hunderten Startups, zahlreichen Gründerzentren und -initativen, diversen Investoren sowie dutzenden Startup-Events bietet das Ruhrgebiet ein spannendes Ökosystem für Gründer. ds, die Gründerallianz Ruhr und der ruhr:HUB berichten gemeinsam über die Digitalaktivitäten im Revier.

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Foto (oben): MotionMiners

Sümeyye Algan, Redakteurin bei deutsche-startups.de, mit Blick aufs Ruhrgebiet, seine Geschichten und Persönlichkeiten. Nach zwei Praktika bei der WELT in Berlin und dem WDR in Essen, arbeitete sie u.a. für den WDR und als freie Autorin für Informer Online.