#Interview “Es ist wichtig, nicht starr an einem Konzept festzuhalten”

"Ich glaube wir haben am Kunden bisher viel richtig gemacht. Ohne die finanzielle und unternehmerische Situation unserer Kunden zu verstehen, kann man kein Finanzierungsprodukt verkaufen – noch dazu kein neues", sagt Stefan Fenner, Mitgründer von entrafin.
“Es ist wichtig, nicht starr an einem Konzept festzuhalten”

Das junge FinTech entrafin bietet kleinen und mittleren Unternehmen an, ihre Einkäufe vorzufinanzieren. Der Einkaufsfinanzierer startete 2015 im westfälischen Emsdetten. Inzwischen wirken die entrafin-Macher Stefan Fenner und Christoph Bauer sowie ihr Team aber im schönen Köln und Frankfurt. In den vergangenen Jahren investierten Geldgeber wie DvH Ventures, S-UBG sowie Bernd Rolfes, Stefan Kirmße und Patrick Tegeder eine Millionensumme in die Jungfirma. Im Interview mit deutsche-startups.de sprechen die entrafin-Macher über Learnings, Wunschkunden und Wachstum.

Wie würdest Du Deiner Großmutter entrafin erklären?
Fenner: Oma, du bekommst die Zutaten für den Kuchen heute, musst sie aber erst bezahlen, wenn du den ganzen Kuchen verkauft hast.

Hat sich Euer Konzept seit dem Start irgendwie verändert?
Fenner: Ja. Zu den großen Learnings zählt zum Beispiel, dass wir anfangs ein Modell gebaut hatten, welches in Realtime bis 100.000 Euro Finanzierungsentscheidungen treffen kann. Investoren fanden das super, wir eigentlich auch, aber: ein Kunde, der in Realtime 100.000 Euro braucht hat keinen Finanzierungsbedarf, sondern wahrscheinlich ein Finanzierungsproblem. Es ist
wichtig, nicht starr an einem Konzept festzuhalten, sondern Produkte zu schaffen, die sich am Kunden orientieren und sich entwickeln.

Wie genau funktioniert euer Geschäftsmodell?
Bauer: Wir schließen die finanzielle Lücke zwischen Einkauf und Umsatz, indem wir Waren vorfinanzieren. Wir zahlen den Lieferanten sofort und geben unserem Kunden 120 Tage Zeit die Waren an uns zu bezahlen. So verschaffen wir unseren Kunden Raum für mehr Wachstum.

Wie genau hat sich entrafin seit der Gründung entwickelt?
Bauer: Mit Höhen und Tiefen natürlich. Wir sind in Bereichen professioneller geworden von denen wir anfangs gar nicht wussten, dass wir sie brauchen. Aus einer Idee ist ein Team geworden, dass mit viel Leidenschaft und Überzeugung an einer besseren Finanzierung für unsere Kunden arbeitet.

Nun aber einmal Butter bei die Fische: Wie groß ist entrafin inzwischen?
Fenner: Unser Fokus liegt auf nachhaltigem und gesundem Wachstum, um vor allem auf der Mitarbeiterebene ein harmonisches und effizientes Team zu erhalten, welches momentan aus einem Kern von ca. 10 Mitarbeitern zzgl. einiger externer Kräfte besteht. Mit diesem Team haben wir bereits über 2.000 Handelsgeschäfte abgewickelt und über 20 Millionen finanziert.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?
Bauer: Wir hatten die Risiken in unserem Modell an anderen Stellen vermutet und waren an den vermuteten Stellen auch gut vorbereitet.

Und wo hat Ihr bisher alles richtig gemacht?
Fenner: Ich glaube wir haben am Kunden bisher viel richtig gemacht. Ohne die finanzielle und unternehmerische Situation unserer Kunden zu verstehen, kann man kein Finanzierungsprodukt verkaufen – noch dazu kein neues. Wir haben daher von Anfang an nur erfahrene Kollegen im Vertrieb eingestellt, die eben auch mit Geschäftsführern auf Augenhöhe über Finanzierung sprechen können. Professionalität ist der Schlüssel zu unserem Markt.

Wo steht entrafin in einem Jahr?
Fenner: Wenn es nach dem Business Case geht bei doppelten Kunden und doppeltem Umsatz.

Kölle is e jeföhl – #Köln


In unserem Themenschwerpunkt Köln berichten wir gezielt über die Digitalaktivitäten in der Rheinmetropole. Mit über 650 Start-ups, 25 Gründerzentren, attraktiven Investoren und zahlreichen Veranstaltungen und Netzwerken bieten Köln und das Umland ein spannendes Ökosystem für Gründerinnen und Gründer. Diese Rubrik wird unterstützt vom Digital Hub Cologne und der Stadt Köln.

Foto (oben): entrafin

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.