#Interview Ein Dating-Startup – ganz ohne eigenes Büro – auf dem Weg zu 50 Millionen Nutzern

"Nachdem wir uns im vergangenen Jahr stark auf den Aufbau des Teams fokussiert haben, konzentrieren wir uns in diesem Jahr vor allem auf das Wachstum unserer Userbase. In einem Jahr möchten wir die 50 Millionen geknackt haben", sagt Jens Kammerer, Mitgründer von Jaumo.
Ein Dating-Startup – ganz ohne eigenes Büro – auf dem Weg zu 50 Millionen Nutzern

Unter dem Namen Jaumo starteten Jens Kammerer und Benjamin Roth, die Macher der Community Kwick im Jahre 2011 einen weiteren Dating-Dienst. Fernab von irgendwelchen Hypes mauserte sich die Jungfirma zum Hit. Inzwischen nutzen weltweit 40 Millionen Nutzer Jaumo. “Die ersten sechs Jahre von Jaumo waren wir nur zu zweit und haben erst vor 18 Monaten angefangen das Team zu vergrößern. Das war für uns erstmal eine Umstellung und wir mussten uns in die neue Situation einfinden”, sagt Mitgründer Kammerer im Rückblick. Auch wirtschaftlich ist Jaumo ein Erfolg! Der Jahresabschluss 2017 weist einen Überschuss von rund 958.040 Euro aus. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Kammerer über Hochzeiten, Geburten und Arbeitswege.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Jaumo erklären?
Jaumo bringt durch ein Programm auf dem Smartphone Menschen zusammen. Dabei ist es egal, wie groß die Distanz zwischen den Personen ist, denn das Internet macht es möglich, sich auf einfachem Wege kennenzulernen und auszutauschen. Es spielt auch keine Rolle, ob man gerade auf der Suche nach einem Flirt oder der großen Liebe ist, wo man herkommt und wen man liebt oder lieben möchte.

Hat sich Euer Konzept seit dem Start irgendwie verändert?
Unser grundlegendes Geschäftsmodell hat sich in all den Jahren nicht großartig verändert. Wir sind immer noch eine Dating-App, bei der die Basisfunktionen kostenlos genutzt werden können. Wer aber mehr möchte, beispielsweise erweiterte Filterfunktionen oder die Boost-Option für eine bessere Sichtbarkeit, muss kostenpflichtig die Premium-Funktion freischalten. Da wir immer stärker auf dieses Abomodell setzen, haben wir die Einblendung von Werbung in den letzten Jahren deutlich zurückgefahren. Jaumo gibt es inzwischen auch nur noch als App, während wir in den Anfangsjahren auch noch eine Desktop-Version angeboten haben.

Wie genau hat sich Jaumo seit der Gründung entwickelt?
Seit unserer Gründung im Jahr 2011 ist sehr viel passiert. Mit der Entwicklung der App, entwickelt sich auch jeden Tag unser Unternehmen. Die größte Entwicklung liegt in der steigenden Nutzerzahl, die momentan bei über 40 Millionen weltweit liegt. Lange Zeit haben wir nur zu zweit gearbeitet. Langsam kamen ein paar Software-Entwickler dazu. Mittlerweile sind wir ein größeres Team, mit dem wir unsere Pläne optimal umsetzen können.

Nun aber einmal Butter bei die Fische: Wie groß ist Jaumo inzwischen genau?
Inklusive mir und meinem Co-Founder sind wir mittlerweile auf 24 Mitarbeitern aus 14 Ländern angewachsen. Unsere Nutzerzahlen steigen ebenfalls kontinuierlich an, im Schnitt um 25 % jährlich. Somit zählen wir mittlerweile über 40 Millionen Mitglieder bei Jaumo, die sich monatlich über 500 Millionen Nachrichten schreiben. Regelmäßig erhalten wir Nachrichten von unseren Usern, dass sie durch Jaumo ihre große Liebe gefunden haben. Erst vergangene Woche meldete sich ein Nutzer und erzählte von seiner Hochzeit und der bevorstehenden Geburt des gemeinsamen Kindes.

Ein gemeinsames Jaumo-Büro gibt es aber weiter nicht. Wie funktioniert da die Zusammenarbeit untereinander?
Sehr gut! Unserer Mitarbeiter profitieren von vielen Vorteilen: Wir bieten flexible Arbeitszeiten, unsere Mitarbeiter haben ihre Ruhe und können konzentriert und effektiv arbeiten. Außerdem fällt der Arbeitsweg weg, was viele Nerven spart, da niemand im Stau steht oder auf die Bahn warten muss. Obwohl wir uns “in real life” selten sehen, sind wir dennoch zu einem starken Team zusammengewachsen.

Wie sorgt ihr für ein Teamgefühl?
Uns ist ein ausgeprägtes Teamgefühl sehr wichtig, da das unserer Meinung nach die Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist. So halten wir beispielsweise regelmäßige Videokonferenzen ab, in denen wir uns ausschließlich über Privates und Alltägliches austauschen. Außerdem gehen wir einmal im Jahr zusammen auf ein Retreat, wodurch wir auch persönlich Zeit verbringen können. Ansonsten müssen wir natürlich ein paar Faktoren bei der Zusammenarbeit beachten. Zum einen müssen wir Zeitzonen berücksichtigen und Calls so koordinieren, dass alle problemlos teilnehmen können. Außerdem kommunizieren wir viel über Slack und es ist bei uns üblich, dass wir in unseren Dokumenten kommentieren, um uns gegenseitig Feedback zu geben. Diese Arbeitsweise ist letztendlich viel effektiver, da wir zwangsläufig endlose und möglicherweise sinnlose Meetings vermeiden.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?
Wie in jedem Unternehmeralltag gibt es immer wieder Höhen und Tiefen, aber ich verfolge das Motto “If you’re not failing you’re not pushing your limits”. Die ersten sechs Jahre von Jaumo waren wir nur zu zweit und haben erst vor 18 Monaten angefangen das Team zu vergrößern. Das war für uns erstmal eine Umstellung und wir mussten uns in die neue Situation einfinden. Mit einem größeren Team wuchsen auch die Anforderungen an unsere Software und die Infrastruktur. Als wir zu zweit waren, hatten wir kaum Zeit uns um alles gleichzeitig zu kümmern. Schlussendlich haben wir damit begonnen alles zu modernisieren und auf den neuesten Stand zu bringen. In diesem Prozess gab es viele Learnings – eben weil auch mal etwas schief gelaufen ist.

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht?
Die Unternehmensstrukturen und die Arbeitsmodelle, die wir geschaffen haben, geben uns Recht. Gerade das Remote-Thema war natürlich auch ein Risiko, aber wir sind von den Vorteilen überzeugt und das hat uns motiviert, alles zu geben. Als Dating-App ist es auch nicht immer einfach sich gegen die “Big Player” durchzusetzen. Das hält uns aber nicht davon ab, erfolgreich zu sein. Außerdem ist Jaumo die am besten bewertete Dating-App im Google Play Store. Wir sind stolz darauf, dass wir nicht nur einfach eine App entwickeln, die Menschen aus der ganzen Welt zusammenbringt, sondern sich diese bunte Mischung auch in unserem Team abbildet.

Wo steht jaumo in einem Jahr?
Nachdem wir uns im vergangenen Jahr stark auf den Aufbau des Teams fokussiert haben, konzentrieren wir uns in diesem Jahr vor allem auf das Wachstum unserer Userbase. In einem Jahr möchten wir die 50 Millionen geknackt haben.

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Foto (oben): jaumo

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.