#Hintergrund DerDiemer wünscht sich “men that act and look like men, vice versa for the ladies”

Berlin ist und bleibt Berlin! Meckern gehört in Berlin zum guten Ton. Seriengründer Sebastian Diemer meckert über Berlin und geht nun nach Frankfurt am Main. Diemers erster und somit wichtigster Punkt, warum er Berlin nicht mag, ist insbesondere ein Kopfstoß für alle Menschen in einer modernen Gesellschaft.
DerDiemer wünscht sich “men that act and look like men, vice versa for the ladies”

Wie bereits mehrfach berichtet, zieht Kreditech-Mitgründer Sebastian Diemer derzeit ein Cannabis-Startup hoch – siehe unter anderem: “Mit diesem Team will Sebastian Diemer im Cannabis-Segment durchstarten“. Farmako, so der Name des Unternehmens, das unter anderem von Heartbeat Labs finanziell unterstützt wird, residiert in Frankfurt am Main.

Von Berlin hat DerDiemer, wie Seriengründer Diemer in der Szene genannt wird, die Schnauze voll. Gestrichen voll! Auf Facebook macht er sich ordentlich Luft. Der leidenschaftliche Motorcross-Fan verkündete am Wochenende seinen Umzug nach Frankfurt: “A little over 2,5 years ago I moved from Hamburg to Berlin in order to start a new company (finiata) and experience the ‘Berlin vibe’ (penthouse at Torstasse). My Berlin and startup days are over, i shifted the plan to move to Munich (and LA) towards 2-3 years in Frankfurt, building Farmako, probably the biggest opportunity in my lifetime. 2,5 years later I must confess that the “Berlin” vibe isnt my type of cake. As much as i do like the entrepreneurial spirit, the international flair, the magnitude of nightlife, i feel that some of the gings i value most are not easy to get in Berlin while other things I dont care about exist in abundance)”.

Es folgen zwei kurze Sätze, was Diemer an Berlin so gefallen hat: “You can literally dress whatever you want. Trust me, i have tried to push the limits of tolerance”. Und dann folgt Berlin-Bashing vom Feinsten. Darum geht es aber hier gar nicht! Berlin ist halt Berlin und Berlin muss nicht jedem gefallen! Meckern gehört in Berlin zum guten Ton. Wer nicht meckert, ist kein echter Berliner! In Berlin ist nicht alles perfekt. Berlin ist sogar oftmals ganz weit weg von perfekt. Dies macht für viele aber auch den Reiz der Stadt aus.

Diemers erster und somit wichtigster Punkt, warum er Berlin nicht mag, ist insbesondere ein Kopfstoß für alle Menschen in einer modernen Gesellschaft. Für alle Gründerinnen und Gründer, die die Arbeits-(Welt) und die Gesellschaft mit ihren Taten und ihren Unternehmen verändern wollen. Für alle Menschen, deren Lebens- und Arbeitsstil nicht dem entspricht, wie Konrad Adenauer einst die Welt gesehen hat.

Diemer schreibt: “I am not a fan of hipsters, excessive feminism, so I am looking forward to more conservative roles – men that act and look like men, vice versa for the ladies. People have normal jobs, normal relationships and look somewhat normal”. Zunächst einmal: Wer bestimmt, was normal ist? Und wer, wie Männer oder Frauen sich verhalten oder gar aussehen sollen oder sogar müssen? Und was überhaupt sind “normal relationships”? Die Gesellschaft – nicht nur Berlin – ist da längst weiter.

Man kann Diemers Sprüche als Machogehabe abtun. Man muss aber drüber reden! Es gibt noch immer zu wenige Frauen in der deutschen Startup-Szene. Und Männer, die sich in die Zeiten von Mad Men zurückwünschen, werden dies nicht ändern. Leider klatschen einige aus der Szene dem Berlin-Bashing laut Beifall. Leider übersehen sie dabei, welches Altherrendenken und welches Frauenbild dabei vermittelt wird.

Wir dokumentieren hier die Dinge, die DerDiemer nicht an Berlin mag

– I am not a fan of hipsters, excessive feminism, so I am looking forward to more conservative roles – men that act and look like men, vice versa for the ladies. People have normal jobs, normal relationships and look somewhat normal.

– No nature. It literally takes over an hour to get out of this city to exerpience an absence of mountains or any type of nice nature, which I do value a lot for motocrossing, downhill biking, hiking etc.

– Less idealism, more substance. People in Berlin talk and brainstorm a lot but get very little shit done. Might be due to an oversupply of nightlife activities and likeminded people that give you the feeling that it’s ok to work on some new , nonsense project every 2 months without making any money or building substance.

– Drugs and Party. If you have never taken cocaine or any other chemical drugs like myself and don’t attend the “Berlin clubs” (I havent made it to any of the trashy druggy places in 2,5 years) there isn’t much value in having 2147124 places around that allow you to party from Wednesday to Tuesday with fucked up people in fucked up locations :)

– Public administration. Pretty much everything that isnt privately owned in Berlin doesnt work. Try registering a car or getting a new passport in Berlin. They call it “failed state” for a reason.

All in all, Berlin was a great part of my journey and I will always remember the great people I have met here and the good fun that came along with it. But now it’s time to leave adolescence and take things a bit more “normal”.

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Foto (oben): Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.