#Hintergrund Über einen Gründer, der keine Bilder mehr von sich im Netz sehen möchte

Der Gründer eines bekannten und erfolgreichen Unternehmens, das gerade Millionen eingesammelt hat, lässt gerade alle offiziellen Pressebilder von sich aus dem Netz entfernen. Wenn diese Praxis Schule macht, sind Redaktionen im Lande bald nur noch beschäftigt, Bilder aus alten Artikeln zu löschen.
Über einen Gründer, der keine Bilder mehr von sich im Netz sehen möchte

In den vergangenen Jahren haben sich immer wieder Gründer bei uns gemeldet, die alle Artikel über sich und ihr gescheitertes Unternehmen gelöscht haben möchten. Klar, ein Startup zu beerdigen ist nicht angenehm. Im eigenen Lebenslauf sollte jeder Gründer diesen Versuch aber wie eine Goldmedaille tragen. Doch leider wollen viele Gründer ihre Vergangenheit vertuschen, das Netz von ihrem Fehlschlag reinigen – siehe “Gründer, bitte steht einfach zu Eurer Vergangenheit“.

Nun zündet der Gründer eines bekannten und erfolgreichen Unternehmens, das gerade Millionen eingesammelt hat, die neuste Stufe dieser unnötigen Säuberungsaktionen. Der Gründer, dessen Namen wir hier nicht nennen möchten, weil er für den Vorgang an sich keine Rolle spielt, verbringt gerade sehr viel Zeit damit, Bilder von seiner Person aus dem Internet zu tilgen. Ein Journalist schreibt uns: “Im Augenblick ist der Gründer [gelöscht] damit beschäftigt, seine Fotos und Videos aus dem Web zu löschen. Dabei handelt es sich jedoch nicht etwa um private Jugendaufnahmen oder kompromittierende Einträge in Facebook, sondern um Pressefotos, die er selbst im Rahmen seiner Öffentlichkeitsarbeit verbreitet hat.”

Zum Verständnis: Der Gründer bzw. das Unternehmen, das er gegründet hat, stellte Journalisten in der Vergangenheit – schon etliche Jahre her – offizielle Pressefotos zur Verfügung. Diese lässt der Firmenmacher nun mit viel Aufwand überall löschen/entfernen. “Stichhaltige Gründe für diese ungewöhnliche Aktion hat er nicht genannt, uns dafür aber eine strafbewehrte Unterlassungserklärung über seinen Anwalt zukommen lassen”, teilt ein betroffener Journalist mit. Besagter Gründer beruft sich dabei unter anderem auf das Kunsturhebergesetz (KUG). Bildnisse dürfen demnach “nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden”.

Wenn diese Praxis Schule macht, sind Redaktionen im Lande bald täglich damit beschäftigt, Bilder aus alten Artikel zu löschen. Sei es aus purer Eitelkeit oder aus anderen Gründen. Ob es wirklich möglich ist, seine Einwilligung für die Verbreitung von Pressebildern zu widerrufen, ist wohl nur vor Gericht klärbar. Besagter Gründer hat mit seiner geforderten Löschaktion bisher Erfolg. Eine Bildersuche bei Google ergibt, dass sein Antlitz von zahlreichen redaktionellen Websites verschwunden ist. Unter anderem auch bei den Kollegen von Gründerszene. Wir hatten in unserem Archiv keinen Artikel mit dem Gründer bebildert, sondern meist Symbolfotos im Zusammenhang mit dem Unternehmen benutzt. Interessanter Nebenaspekt: Sogar auf Linkedin und Xing hat der Firmenmacher sein Bild entfernt.

Auf Anfrage teilt das Unternehmen in Sachen Bilderentfernung mit: “Herr [gelöscht] möchte einfach keine Bilder von sich im Netz, schon gar nicht sehr alte. Unsere Geschichte ist die von einer Firma, nicht von einer Person. [Gelöscht] Erfolg und Weiterentwicklung sind Produkte der Arbeit eines ganzen Teams. Von daher sind alte Bilder, die auf eine einzelne Person bezogen sind, gar nicht relevant.” Zumindest bei Xing und Linkedin könnte der Firmengründer aber aktuelle Bilder von sich einfügen. Und auch aktuelle Fotos vom Gründer und dem Team des Startups gibt es nicht. Schon merkwürdig, wenn es doch angeblich darum geht, den Teamerfolg in den Vordergrund zu stellen.

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Foto (oben): Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.