#Gastbeitrag Auf nach China? Drei Gründe dafür – und drei dagegen

Peakboard hat ein Auge auf China geworfen. "Bei aller Euphorie ist uns aber auch sehr klar, dass dieses Expansionsabenteuer krachend schief gehen kann. Gerade die Start-Up-Szene in den großen Städten wie Shanghai oder Shenzhen leidet unter einem enormen Fachkräftemangel", schreibt Gründer Patrick Theobald.
Auf nach China? Drei Gründe dafür – und drei dagegen

In der vergangenen Woche war Shanghai Schauplatz der ersten Chinesischen Internationalen Import Expo. Ein Prestige-Projekt der kommunistischen Führung, bei dem internationale Firmen ihre Produkte den chinesischen Käufern präsentieren sollten. Wichtige nationale und internationale Politiker gaben sich ein Stell-dich-ein, was das ohnehin überlastete Shanghaier Straßennetz endgültig ins Chaos stürzte. Xi Jinping, Chef der kommunistischen Partei und vermutlich derzeit mächtigster Mann der Welt, eröffnete die Messe und ließ in seiner Eröffnungsrede am ersten Tag eine klare Marschroute für das Land erkennen: Ausländische Waren sind in China herzlich willkommen. Weg von der Rolle der Werkbank der Welt, hin zur Konsumgesellschaft mit großem Hunger auf alles, was die Welt an Spitzentechnologie zu bieten hat und in China selbst (noch) nicht produziert werden kann.

Diese Ansage passt hervorragend in die Expansionsstrategie eines deutschen Tech-Start-Ups, wie auch wir es sind. Es gibt ein klares Bekenntnis der politischen Führung zu Themen der Digitalisierung. Gerade in einer Volkswirtschaft, in der Politik und Wirtschaft sehr verwoben sind, geht ohne den Segen der Politik wenig. Darüber hinaus bringen auch die Menschen im täglichen Leben ein sehr hohes Interesse an digitalen Geschäftsideen mit. Wenn sich eine Idee als praktisch erweist, wird sie genutzt. Diese Einstellung setzt sicher auch in den Firmen durch und gilt somit gleichermaßen im B2B-Bereich. Außerdem muss man die jüngere Historie der Fertigungsindustrie in China genauer unter die Lupe nehmen. Diese hat sich in den letzten zwei Dekaden im Auftrag des Westens als lukrativer Produktionsstandort etabliert. Ineffiziente Prozesse in den Fabriken wurden einfach durch den Einsatz billiger Arbeitskräfte wettgemacht. Jetzt, wo die Löhne steigen und der globale Wettbewerb auch vor China nicht Halt macht, rächt sich diese Taktik. Der Hunger nach Technologie, die Prozesse effizient und/oder sicher macht, ist somit riesig und der Einsatz für Fabrikbesitzer überlebenswichtig.

Bei aller Euphorie ist uns aber auch sehr klar, dass dieses Expansionsabenteuer krachend schief gehen kann. Gerade die Start-Up-Szene in den großen Städten wie Shanghai oder Shenzhen leidet unter einem enormen Fachkräftemangel. Gute Techniker sind sehr, sehr teuer und die chinesische Mentalität trägt nicht gerade dazu bei, dass sich Mitarbeiter einem Arbeitgeber verpflichtet fühlen, wenn einen Schreibtisch weiter jemand mit einem besser dotierten Arbeitsvertrag winkt.

Speziell der Import von Waren (wie unserer Box) und die Geldflüsse nach und von China in die westliche Welt unterliegen schwer nachvollziehbaren Regularien, die man als Europäer nicht gewohnt ist. Hierzu wird es noch einmal einen separaten Beitrag geben, wenn ich einen für uns gangbaren Weg gefunden habe. Im Moment kämpfen wir für jede Box, die die Grenze überschreitet, mit dem Zoll. Der letzte große Grund, eine China-Expansion lieber bleiben zu lassen, liegt in makroökonomischen Zusammenhängen. Das unfassbare Wirtschaftswachstum der letzten Jahre, das in chinesischen Metropolen die Wolkenkratzer wie Pilze aus dem Boden schießen lässt, hat sich die kommunistische Führung durch Schulden erkauft. Ein teures Prestigeprojekt jagt das nächste – die Internationale Import Expo ist nur eines von unzähligen Programmen. Meine persönliche Theorie ist, dass ein größerer Schluckauf der Weltwirtschaft, der meines Erachtens unmittelbar bevorstehen könnte, dieses Kartenhaus mit ganz besonders großem Getöse zum Einsturz bringen könnte. Ausländische Firmen oder gar Start-Ups werden dann die ersten sein, die vermutlich sehr schnell handlungsunfähig gemacht werden.

Nichtsdestotrotz halte ich die Chancen, die sich für B2B-Start-Ups hier bieten, dem Risiko überlegen, sonst würde ich kaum diesen Artikel schreiben. Jedes Start-Up muss sich aber sein eigenes Bild machen und Chancen mit Risiken angesichts der eigenen Ziele und Möglichkeiten abwägen.

Pro
Politischer Wille zur Förderung ausländischer Tech-Unternehmen
Hohe Technik- und Digitalisierungsaffinität bei Bevölkerung und Unternehmen
Hoher Druck zu Effizienz und Prozesssicherheit bei chinesischen Unternehmen

Contra
Teure, wenige und teilweise illoyale Fachkräfte
Importregularien sind aufwändig, unübersichtlich und ungewohnt
Risiko einer kollabierenden Wirtschaft

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Foto (oben): Shutterstock