#Interview Erfolg braucht Erfahrung – Essener Unternehmen macht Amazon Konkurrenz

Auf verschiedenen Onlineshopping Seiten unterwegs sein und dabei nur einen Warenkorb verwalten? Für viele Kunden scheint dieser Gedanke noch in weiter Ferne. Nicht aber für Carsten Puschmann und Thomas Heidelbach, die Erfinder des CloudBaskets, die mit ihrer Idee Amazon & Co herausfordern.
Erfolg braucht Erfahrung – Essener Unternehmen macht Amazon Konkurrenz

Durchzuhalten kostet Kraft, aber es lohnt sich. Nach diesem Prinzip haben Thomas Heidelbach und Carsten Puschmann vor 12 Jahren Q.One gegründet. Im August erhielt das Unternehmen eine Millionenfinanzierung des deutschen Unternehmers Ludwig Fresenius. Anfangs entwickelten sie eine Software für Payback, Miles and More für Lufthansa und Bonusprogramme für Kunden der Deutschen Bahn. Aktuell arbeiten 50 Mitarbeiter für das Essener Unternehmen. Mit CloudBasket wollen beide nun den Onlinemarkt revolutionieren.

Wie fing alles an und was hat euch dazu bewegt?
Carsten: Wir haben die Q.One vor zwölf Jahren in Düsseldorf gegründet und sind zwei Jahre später nach Essen gezogen, weil wir dort leben und die Familien der meisten Mitarbeiter aus Essen kommen. Schon damals haben wir kundenzentriert gedacht und wollten kundenorientierte Prozesse durch intelligente Technik automatisiert anbieten. Daraus entstand dann die web2Print-Technologie, ein Marketingtool, das zum Beispiel von der Marriott-Hotelgruppe und dem Finanzdienstleister AWD genutzt wurde.

Wie entstand die Idee des CloudBaskets?
Thomas: Wir haben uns schnell auf das Thema Kundenzentrierung spezialisiert und dies mit unseren Erfahrungen im E-Commerce gematcht. So haben wir die großen deutschen Bonusprogramme im Bereich Onlineshopping und E-Commerce-Strategie beraten und haben uns dabei gefragt, ob es eine Lösung gibt, die den schnelleren Einkauf verschiedener Produkte aus verschiedenen Shops ermöglicht? Die Antwort lautete “Nein”. Gleichzeitig stellten wir fest, dass die Checkout-Prozesse in den verschiedenen Shops häufig sehr komplex ablaufen und eher kaufverhindernd wirken. So entstand die Idee zum CloudBasket: Er soll den marktübergreifenden Einkauf ermöglichen und so die Komfortmerkmale der großen Marktplätze auf das gesamte Internet übertragen.

Seht ihr euch als direkte Konkurrenz zu anderen Online-Shops wie beispielsweise Amazon?
Thomas: Wir realisieren keinen eigenen Shop und sind somit keine Konkurrenz für Onlineshops. Dennoch treten wir ganz klar gegen Marktplatz-Riesen wie Amazon an. Wir wollen die Vormachtstellung der Amerikaner mit unserer neuen deutschen Lösung brechen. Mit dem CloudBasket übertragen wir die Komfortmerkmale der Marktplätze auf das gesamte Internet. Über den CloudBasket können Kunden auch bei Fachhändlern vor Ort einkaufen, vorausgesetzt diese haben einen Onlineshop. Somit unterstützen wir die lokalen Händler. Onlineshops müssen nicht mehr den Umweg über die Marktplätze gehen. Wir sorgen dafür, dass der Kunde wieder direkt beim Händler einkaufen kann.

Wie kann man sich die Nutzung der App vorstellen?
Carsten: Für uns ist klar, dass der Kaufimpuls in Zukunft aus dem Content kommt. Wenn mir also irgendwo im Netz Produkte begegnen, die mir gefallen, lege ich sie in meinen universellen Warenkorb. Das können zum Beispiel ein Paar Sneaker sein, die passende Jeans und dazu noch Kopfhörer. Der CloudBasket Robot übernimmt dann automatisch die Bestellung in den verschiedenen Shops. Unsere Vision geht auch in Richtung Sprachsteuerung. So kann ich mit meinem CloudBasket sprechen und ihm mitteilen, was ich gerne kaufen möchte. Für Endkunden wollen wir den CloudBasket in 2019 an den Start bringen.

Geht ihr Kooperationen mit Online-Shops ein? 
Thomas: Unsere Technologie ist so gebaut, dass wir keine direkten Vereinbarungen mit den Online-Shops benötigen. Über den Robot lassen sich die Produkte auch ohne API auschecken. Unser Geschäftsmodell basiert auf dem Prinzip des Affiliate Marketings. Wir freuen uns selbstverständlich, wenn Shops oder Marken direkt mit uns kooperieren wollen. Da sind wir offen für Gespräche.

Was ist eure Vision mit Q.One? 
Thomas: Wir glauben fest daran, dass der Warenkorb dem User gehört und nicht dem Händler. Der Kunde bringt seinen Warenkorb zum Einkaufen mit und kann ihn universell einsetzen. Gemeinsam mit Millionen Online-Shoppern wollen wir so den E-Commerce revolutionieren. Langfristig wollen wir weiterwachsen und nach dem Rollout in Deutschland auch international skalieren. Dabei ist es uns wichtig zu sagen, dass wir keine eigene Plattform gründen, sondern immer in Netzwerken denken. Wir vernetzen Kunden mit Shops und bieten dafür eine marktplatzübergreifende Lösung an.

Wie sahen eure ersten Schritte bei der Umsetzung der Idee aus?
Carsten: Mit den ersten CloudBasket Booklets sind wir um die Welt geflogen. Alle Gesprächspartner in Deutschland, den USA und Singapur gratulierten uns zu der Idee. Auch der Präsident der Produktentwicklung bei Oracle Thomas Kurian. Er empfahl uns, die Idee in unserem Heimatmarkt umzusetzen, wenn das klappt, würde das Produkt auch skalieren. Also haben wir Click-Dummys gebaut und den CloudBasket in der WLAN-Initiative der Deutschen Bahn im ICE getestet. Wir haben einen Investor gesucht und in dem ehemaligen Adesso-Mitgründer Michael Hochgürtel gefunden. Michael wurde gleichzeitig unser Business Angel und gemeinsam haben wir das Team aufgebaut. Dann konnten wir plötzlich auf Vollgas umschalten. Der nächste Investor kam, das Team nahm Geschwindigkeit auf. Das ermöglicht uns, den CloudBasket zu einem idealen Moment zur Marktreife zu bringen.

An welche Hürden könnt ihr euch erinnern?
Thomas: Egal wo wir Idee des CloudBasket vorgestellt haben. Alle Gesprächspartner waren begeistert. Dennoch hat sich lange niemand getraut, der erste Investor, der erste Partner, der erste Kunde zu sein. Ich glaube, dass die Leute fast schon Angst vor Game Changern haben. Nachdem wir den ersten Investor gewinnen konnten, änderte sich die Lage dramatisch.

Seht ihr Standortvorteile für Startups im Ruhrgebiet? 
Carsten: Wir sitzen mitten in einer Metropolregion. Das Ruhrgebiet ist für Gründer ein innovativer und heute auch sehr digitaler Ort. Der Wettbewerb ist hier nicht so hart. Die Berliner IT-Unternehmen sind nicht besser, sie trommeln nur lauter und werben mit dem Hauptstadtflair. Über die Mentalität der Menschen im Ruhrgebiet müssen wir nicht sprechen: Hier wird angepackt. So war das schon immer.

Was würdet ihr Neugründern und neuen Startups heute mit auf den Weg geben?
Thomas: Prüft genau, ob eure Idee zum Marktzeitpunkt passt. Aktuell haben die großen Shops und Einzelhändler Angst vor der Monopolisierung des Commerce, das ist der ideale Zeitpunkt unsere Idee zu platzieren. Baut euch ein Netzwerk auf, dass euch fördert und unterstützt. Seid bereit Umwege zu gehen. Als erfahrenes IT-Unternehmen sind wir so etwas wie ein Startup 2.0. Alle Partner und Projekte haben wir immer so ausgewählt, dass sie auf den CloudBasket einzahlen. Das zahlt sich jetzt aus.

Der digitale Pott kocht – #Ruhrgebiet


Mit hunderten Startups, zahlreichen Gründerzentren und -initativen, diversen Investoren sowie dutzenden Startup-Events bietet das Ruhrgebiet ein spannendes Ökosystem für Gründer. ds, die Gründerallianz Ruhr und der ruhr:HUB berichten gemeinsam über die Digitalaktivitäten im Revier.

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Foto: Q.One

Sümeyye Algan, Redakteurin bei deutsche-startups.de, mit Blick aufs Ruhrgebiet, seine Geschichten und Persönlichkeiten. Nach zwei Praktika bei der WELT in Berlin und dem WDR in Essen, arbeitete sie u.a. für den WDR und als freie Autorin für Informer Online.