Interview Impact Hub Ruhr: “Aufbruchstimmung an allen Ecken”

"Wir sind ja der Impact Hub Ruhr und nicht Impact Hub Essen, deshalb betrachten wir das Ruhrgebiet als gesamte Region. Deshalb gehe ich vom Ruhrgebiet aus und sage, dass hier gerade sehr viel passiert", sagt Janna Prager, Initiatorin des Impact Hub Ruhr.
Impact Hub Ruhr: “Aufbruchstimmung an allen Ecken”

Direkt gegenüber vom Hauptbahnhof in Essen residiert der Impact Hub Ruhr, eine Art modernes Gründerzentrum und Coworking Space. Im Mai des vergangenen Jahres eröffnete die Anlaufstelle für Startupper, die Teil des weltweiten Impact Hub-Netzwerkes ist, ihre Pforten. Das Ziel von Ulrike Trenz, Benedikt Brester und Janna Prager ist es, “das Ruhrgebiet zu einer Region zu gestalten, die für enkeltaugliches Wirtschaften steht”.

Quasi zum Geburtstag haben sich die Ruhrstartupper weitere Räumlichkeiten gegönnt. Um den Ausbau und die Einrichtung der weiteren Räumlichkeiten zu finanzieren setzen die Essener auf eine Crowdfunding-Kampagne. “Der Impact Hub Ruhr ist kein exklusiver Club, sondern eine offene Community für alle, denen das Ruhrgebiet und Nachhaltigkeitsthemen am Herzen liegen“, sagt die Impact Hub Ruhr-Macherin Prager. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Prager zudem über Aufmerksamkeit, das Ruhrgebiet im allgemeinen und das WM-Finale.

Seit rund einem Jahr ist der Impact Hub Ruhr eine Anlaufstelle für Startupper, die nachhaltige Unternehmen aufbauen wollen. Wie lautet euer Fazit nach einem Jahr im Markt?
Es war auf jeden Fall ein sehr aufregendes Jahr. Wir haben unglaublich viele Menschen und Akteure in diesem Jahr getroffen, waren auf unzähligen Veranstaltungen und Messen und haben uns regional vernetzt. Wir haben erfolgreiche Hackathons, Programme mit Unternehmen und Start-ups durchgeführt und uns mit einem neuen Space nochmal vergrößert. Dabei war der Anfang auf jeden Fall mühsamer als gedacht.

Inwiefern?
Wir hatten uns vorgestellt, dass wir schneller mehr Projekte umsetzen können oder auch mehr Mitglieder haben. Das Thema Coworking und Gründen, und besonders nachhaltige oder Social Startups, hat einfach noch mehr Aufmerksamkeit benötigt, als wir vorher gedacht haben. Aber in dem letzten Jahr und auch schon davor haben wir ein sehr gutes Netzwerk aufgebaut und kooperieren mit anderen Akteuren in den Feldern. Gemeinsam arbeiten wir daran, Startups und Gründer*innen aus dem Ruhrgebiet zu fördern, zu vernetzen und sichtbar zu machen. Es dauert halt manchmal länger als gedacht, aber gerade in den letzten Monaten tut sich bei uns einiges und wir freuen uns, immer mehr Mitglieder und Startups in unserem Coworking Space in Essen begrüßen zu dürfen.

Was sind eure Highlights aus den ersten zwölf Monaten?
Ein Highlight für mich ist, dass wir eine so tolle Community haben, die interessiert ist an dem was um sie herum passiert und die aktiv mitgestaltet. Die sich gegenseitig hilft und gemeinsam neue Projekte startet. Es freut mich immer zu sehen, was für eine positive Stimmung bei uns im Impact Hub Ruhr herrscht und die Anzahl der Mitglieder wächst. Dafür wurden wir auch zum Lieblings Coworking Space in Essen gewählt. Zudem haben wir im ersten Jahr, mit dem Edu Hack Ruhr und dem Climathon gleich zwei erfolgreiche Hackathons durchgeführt, die eine Menge Spaß gemacht haben und aus denen auch Projekte entstanden sind, an denen bei uns weitergearbeitet wird. Dieses Jahr geht es dann in die zweite Runde. Zudem haben wir erste Innovations- und Nachhaltigkeitsworkshops und Programme mit verschiedenen Unternehmen durchgeführt, was wir dieses Jahr mit einem noch größeren Workshop-Angebot im Bereich New Work, Innovation und Gründung weiter ausbauen. Dafür haben wir mit Franziska Krasnici seit ein paar Monaten tatkräftige Unterstützung bekommen, so dass unser Team mittlerweile auf fünf Personen angewachsen ist und wir hoffentlich demnächst noch weiter wachsen können.

Nicht nur im Team auch in der Fläche konntet ihr wachsen, oder?
Im März konnten wie endlich in unsere neuen Räumlichkeiten im Haus der Technik und haben neben unserem bisherigen Space nun einen schönen neuen und offenen Space, in dem wir Veranstaltungen und Workshops machen können und in dem wir natürlich auch coworken. Gerade jetzt im Sommer ist das super, weil wir uns dann auch nach draußen setzen können. Für die weitere Ausstattung der Räume haben wir gerade eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, die super angelaufen ist in den ersten Tagen.

Warum setzt ihr beim weiteren Ausbau des Impact Hub Ruhr auf die Crowd?
Wir binden unsere Community bei allem was wir machen sehr stark ein. Jeder kann sich bei uns einbringen, eigene Expertise weitergeben, den Raum mitgestalten, lernen und sich austauschen. Da wir das Investment für die finale Ausstattung der neuen Räume nicht selbst stemmen können, da wir als Gründer*innen bereits einen Kredit für die Gründung des Impact Hub Ruhr aufgenommen haben, haben wir uns dazu entschieden die Crowd einzubinden. Denn es ist ja auch ein Raum für die Crowd, bzw. die Community, den wir gemeinsam gestalten möchten. Wir haben eine Auswahl an tollen Dankeschöns, wie vergünstigte Mitgliedschaften, Tickets für einen Design Thinking-Workshop oder das WM-Finale bei uns zu gucken. Da ist glaube ich für jeden etwas dabei. Und dass wir das erste Ziel innerhalb von einem Tag erreicht haben, zeigt uns, dass es eine gute Entscheidung war. Wir freuen uns wirklich sehr, diese Unterstützung aus unserem Netzwerk zu bekommen und sind dafür unheimlich dankbar.

Zurück zu den Highlights bzw. zu den Nicht-Highlights. Was ist bisher schief gegangen?
Wir haben im Mai 2017 eröffnet und sind dann direkt in das sogenannte Sommerloch gefallen. Außerdem hatten wir damals eine Baustelle vor der Tür, die ziemlich laut war und uns an manchen Tagen echt Nerven und teilweise auch Kunden gekostet hat. Sowas kann man vorher halt nicht einplanen. Wir haben auch unser Angebot in dem letzten Jahr immer wieder auf dem Prüfstand gehabt, optimiert und verändert. Das Thema Coworking ist in vielen großen Städten ein richtig gutes Angebot, da die Mieten sehr teuer sind. Im Ruhrgebiet gibt es dafür derzeit noch nicht die Nachfrage, die wir angenommen hatten.

Wie habt ihr darauf reagiert?
Dafür haben wir unser Programm jetzt stärker an die Kundennachfrage angepasst und setzen auf Programme und Trainings. Und es gibt natürlich immer Zeiten in denen der Wurm drin ist. Wir hatten bei zwei größeren Programmen, die wir mit öffentlichen Stellen machen wollten ein ziemlich gutes Gefühl und dann wurde unser Angebot leider doch abgelehnt, weil jemand anders billiger war. Das zieht einen dann kurz runter, aber dann macht man halt weiter und versucht es beim nächsten Mal besser zu machen.

Wie nimmst Du generell die Startup-Szene in Essen bzw. im Ruhrgebiet derzeit wahr?
Wir sind ja der Impact Hub Ruhr und nicht Impact Hub Essen, deshalb betrachten wir das Ruhrgebiet schon als gesamte Region und denken nicht nur in einzelnen Städten. Deshalb gehe ich vom Ruhrgebiet aus und sage, dass hier gerade sehr viel passiert und sowohl viele Unternehmen, als auch öffentliche Stellen und Universitäten sich dafür einsetzen die Startup-Szene im Ruhrgebiet zu fördern. Das passiert meist durch Beratungsangebote oder Veranstaltungen.

Reichen diese Angebote aus?
Da ist noch Luft nach oben und gerade von Firmen und dem Mittelstand würde ich mir noch mehr Engagement wünschen, um die Startup Region Ruhrgebiet weiter nach vorne zu bringen. Mit dem Gründerfonds Ruhr und dem Business Angel Netzwerk gibt es eine erste finanzielle Unterstützung. Hier muss sich allerdings noch mehr tun. Ich finde, dass die Szene hier momentan unheimlich viele Möglichkeiten bietet und man ein tolles Spielfeld hat, um sich und die eigene Idee auszuprobieren und sich zu vernetzen. Die Lebenshaltungskosten sind relativ gering im Vergleich zu anderen Städten und nirgendwo sonst erreicht man so viele Menschen auf einem Fleck. Zudem herrscht Aufbruchstimmung an allen Ecken und die Gründer*innen hier sind sehr motiviert und am Austausch untereinander interessiert. Das stellen wir bei uns immer wieder fest.

Der digitale Pott kocht! Mit hunderten Startups, zahlreichen Gründerzentren und -initativen, diversen Investoren sowie dutzenden großen Startup-Events bietet das Ruhrgebiet ein spannendes Ökosystem für Gründer. deutsche-startups.de, die Gründerallianz Ruhrund der ruhr:HUB berichten gemeinsam über die Digitalaktivitäten im Revier.

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Foto (oben): Impact Hub Ruhr

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.