Gastbeitrag Unternehmenserfolg ist keine ausreichende Altersvorsorge

Gründerinnen und Gründer sollten sich daher regelmäßig mit ihrer Rente und den unterschiedlichen Möglichkeiten zur Vorsorge auseinandersetzen. Dazu gehört für Dr. Niewiarra auch, stets die eigenen Wünsche und Ansprüche an die Altersvorsorge im Blick zu behalten.
Unternehmenserfolg ist keine ausreichende Altersvorsorge

Bei vielen Selbstständigen verschlingen Miete, Kredit und Krankenversicherungsbeitrag einen Großteil ihres Einkommens. Kommen weitere Ausgaben hinzu, etwa für Versicherungen oder ein Auto, bleibt häufig kaum noch Geld übrig. Gerade in der Gründungsphase wird die eigene Altersvorsorge aus Kostengründen daher oft vernachlässigt.

Geht es nach der neuen Bundesregierung, sind Gründerinnen und Gründer jedoch bald verpflichtet, sich finanziell für das Rentenalter abzusichern. Denn die Große Koalition plant eine Altersvorsorgepflicht für Selbstständige. Immerhin: Ob Gründer in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen oder lieber privat vorsorgen, soll ihnen selbst überlassen bleiben.

Doch wie wichtig ist die Altersvorsorge für Selbstständige überhaupt und auf welche Maßnahmen vertrauen Unternehmer bei ihrem Finanzpolster für den Lebensabend? Verschiedene Gründertypen – darunter Solo-Selbstständige, Gründerinnen und Gründer mit Kindern oder Angestellten – geben Einblicke in ihren eigenen Gründungsprozess und erklären Nachwuchsunternehmern, worauf es in Sachen Altersvorsorge ankommt.

Solo-Selbstständige: Finanziell nicht nur auf Geschäftserfolg bauen

Viele Menschen hegen den Traum, eine innovative Idee zum Geschäft zu machen – endlich selbst Chef sein und eigene Vorstellungen umsetzen. Der Schritt in die Selbstständigkeit erfordert dabei einiges an Mut, denn mit ihm kommt eine Menge Verantwortung auf Gründerinnen und Gründer zu. Sie sind nicht nur selbst für den Erfolg ihres Vorhabens verantwortlich, sondern müssen sich zugleich aktiv um die eigene Absicherung kümmern.

Zwar sind manche Solo-Selbstständige wie Hebammen, Dolmetscher und Handwerker in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert. Das reicht jedoch in der Regel nicht aus, um später sorgenfrei leben zu können. Besonders wichtig ist in den Augen von Dr. Kathrin Niewiarra, Gründerin von blue&orange, dass sich Solo-Selbstständige frühzeitig damit beschäftigen, wie es um ihre finanzielle Situation im Alter bestellt ist. Denn „auch wenn eine Geschäftsidee erfolgsversprechend ist – eine Garantie für den langlebigen Erfolg gibt es leider nicht“, sagt sie.

Gründerinnen und Gründer sollten sich daher regelmäßig mit ihrer Rente und den unterschiedlichen Möglichkeiten zur Vorsorge auseinandersetzen. Dazu gehört für Dr. Niewiarra auch, stets die eigenen Wünsche und Ansprüche an die Altersvorsorge im Blick zu behalten und diese entsprechend anzupassen. In Zeiten niedriger Zinsen ist es zudem „wichtiger denn je, sein Geld in Bewegung zu bringen und Geldanlagen mit Renditen zu wählen“, ergänzt Star-Coiffeur Udo Walz aus seiner eigenen Gründungserfahrung.

Bei der Altersvorsorge auf verschiedene Anlageformen setzen

Der eigene Rentenaufbau ist nicht nur für Solo-Selbstständige, sondern auch für Gründerinnen und Gründer mit Angestellten unverzichtbar. Denn bis auf spezielle Berufsgruppen gibt es für Selbstständige keine staatliche Unterstützung. Besonders zu Beginn der Unternehmensgründung haben jedoch viele Menschen keinen Kopf dafür, weiß etwa Enno Kuntze, Mitgründer von Wellnow: „Gründer denken am Anfang ihrer Geschäftsgründung immer daran, möglichst schnell zu wachsen.“

Sowohl Kuntze und sein Geschäftspartner Alexander Freitag als auch der Gründer von Wisefood, Konstantin Neumann, haben am Anfang ihrer Gründung vor allem ihr Unternehmen als Altersvorsorge betrachtet. „Wenn man nicht der absolute Risikotyp ist, ist es jedoch fahrlässig, langfristig allein auf den Geschäftserfolg zu setzen. Deshalb muss man meiner Meinung nach auch privat vorsorgen, sobald es finanziell möglich ist“, rät Kuntze.

Er selbst baut sein Polster für das Alter über eine Kombination verschiedener Anlageformen auf. Neben sicheren Geldanlagen investiert Kuntze in ETFs, Aktien und in hochriskante Kryptowährungen. Neumann vertraut beim Rentenaufbau dagegen auf eine private Rentenversicherung. Im Hinblick auf die Gründung geben die erfahrenen Unternehmer anderen Machern den Tipp, den richtigen Zeitpunkt dafür abzuwarten und Durchhaltevermögen mitzubringen.

Für Selbstständige mit Kind ist der Rentenaufbau besonders wichtig

Für Menschen, die bereits eine Familie gegründet haben, ist der Schritt in die Selbstständigkeit oft noch schwieriger als für Alleinstehende. Denn das Geld aus dem Unternehmen muss nicht nur für sie, sondern auch für den Nachwuchs reichen. Beides – der Unternehmenserfolg und Kinder – verlangen viel Zeit und Hingabe. Eine ausgewogene Balance zu finden, ist dabei fast unmöglich. Daher sollten sich Eltern von dem Gedanken verabschieden, „immer alles perfekt machen zu müssen oder alles unter einen Hut bringen zu müssen“, erklärt das Gründerteam von Friendsurance, das aus drei Vätern besteht.

Dem stimmt Miriam Wohlfarth von RatePAY zu. Als Gründerin und Mutter gibt sie selbstständigen Eltern den Tipp, „dass man manche Aufgaben guten Gewissens abgeben kann. Außerdem muss man nicht immer alles zu einhundert Prozent richtig machen, um gute Eltern zu sein“, betont sie.

Was Gründerinnen und Gründer in den Augen der Experten trotz Belastung durch Kind und Unternehmen jedoch keinesfalls vernachlässigen sollten, ist ihre Altersvorsorge. Dabei ist es verständlich, wenn in den ersten Jahren nach der Gründung zunächst das Unternehmen zählt, erläutert Angela Schmidt, Gründerin von Die Notfallmamas. „Nach fünf Jahren muss der Rentenaufbau aber begonnen werden können – sonst läuft meiner Erfahrung nach etwas falsch“, so die Unternehmerin.

Zur Autorin
Annabell Meyer hat für das Projekt “Expertentipps von Gründerfüchsen” verschiedene Gründertypen portraitiert und die wichtigsten Tipps und Fakten rund um die Altersvorsorge zusammengetragen. Sie arbeitet seit August 2016 als Junior Projektmanagerin bei finanzen.de und widmet sich dabei unterschiedlichen redaktionellen Projekten.

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Foto (oben): Shutterstock

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