Gastbeitrag Warum Gründer unbedingt ins Silicon Valley gehen sollten

Auch in Deutschland gibt es mittlerweile eine gute Gründungskultur und erfahrene Gründer, die ihr Wissen teilen. In den USA ist die Qualität der Gründer allerdings noch einmal um Einiges höher, weil es im Silicon Valley eine deutlich längere Gründerzeit als bei uns gibt.
Warum Gründer unbedingt ins Silicon Valley gehen sollten

Seit Anfang Januar befinde ich mich dank des German Accelerator-Programms in den USA – genauer gesagt im Silicon Valley. Dieses Programm sieht vor, dass ich mich mit erfahrenen Gründerinnen und Gründern treffe, austausche und sie mir Feedback zu dem von meinem Co-Founder und mir gegründeten Startup Mesaic geben. Es ist nicht das erste Mal, dass ich mich im Valley befinde, aber es ist das erste Mal, dass ich mich als vollwertiger Teil des Ökosystems fühle. Deshalb möchte ich alle (angehenden) Gründer unbedingt, dazu ermutigen, an diesem Programm teilzunehmen oder andere Wege zu suchen, mit denen man über einen längeren Zeitraum – bei mir werden es mindestens drei Monate sein – das Silicon Valley kennenlernen kann. Im Folgenden sage ich Euch, was dafür spricht.

Erfahrung
Zugegeben: Auch in Deutschland gibt es mittlerweile eine gute Gründungskultur und erfahrene Gründer, die ihr Wissen teilen. Wenn man sie fragt, nehmen sich einige von ihnen die Zeit, um Feedback und Input zu geben. In den USA ist die Qualität der Gründer allerdings noch einmal um Einiges höher, weil es im Silicon Valley eine deutlich längere Gründerzeit als bei uns gibt. Die erste deutsche Digital-Welle startete um die Jahrtausendwende. In den USA begann sie 30, 40 Jahre früher. Es macht schon Einiges aus, mit jemandem zusammenzusitzen, der nicht nur 15 Jahre Erfahrung mitbringt, sondern 30 oder 40 und somit die gesamte Ernsthaftigkeit von radikalen Veränderungen und exponentiellem Wachstum erlebt hat.

Netzwerk
Wer von Euch jemals in den USA war, weiß, wie einfach es ist, mit einem Amerikaner ins Gespräch zu kommen. Wir Deutschen sind da ein wenig reservierter. Davon profitiere ich auch als Unternehmer. Hier kann ein Meeting auch nur 15 Minuten dauern, ohne dass es sich anfühlt, als wäre man zu kurz gekommen. Jeder ist wahnsinnig beschäftigt, und trotzdem nimmt man sich gerne zehn oder 15 Minuten, um jungen Gründern mit Rat und auch Tat zur Seite zu stehen. So eine Tat kann dann tatsächlich so aussehen, dass man ein Intro zu einem Investor oder einem spannenden Unternehmen bekommt.

Kapital
Auch wenn in Deutschland noch nie so viel in Startups investiert wurde wie 2017, kann man das Volumen auch nicht im Ansatz mit dem in den USA vergleichen. Über die paar Wochen, die ich hier bin und auch mit potentiellen Investoren ins Gespräch gekommen bin, kamen Summen zur Sprache, von denen ich in Deutschland als Einzelinvest nur träumen kann. Und machen wir uns nichts vor: Die finanzielle Ausstattung sagt dann auch schon sehr viel über die Möglichkeiten eines Startups aus.

Cluster
Unser Geschäftsmodell – Kunden-Erlebnisse mithilfe von Messenger-Technologien positiver und effizienter zu gestalten – ist nicht ganz trivial. In Deutschland haben wir de facto keinen Wettbewerber. Außerdem gibt es nur wenige Unternehmen, die sich als Kooperationspartner anbieten, dafür aber eine ausgesprochen große Zielgruppe. Im Silicon Valley hingegen sitzen diverse Unternehmen, die ebenfalls technisch sehr ambitioniert sind und von deren Wissen wir enorm profitieren können. Man muss nicht immer alles selbst machen. Ganz im Gegenteil: Manchmal ist es sogar viel sinnvoller, mit jemandem zu kooperieren, der einem weiterhelfen kann.

Schattenseiten
Ich möchte nicht Alles über den grünen Klee loben, ohne nicht auch zumindest kurz die Schattenseiten zu erwähnen. Denn auch wenn der German Accelerator mit seinem Mentorenprogramm viele Türen öffnet, ist die Teilnahme an dem Programm teuer. Unterkünfte in San Francisco oder Palo Alto sind deutlich kostspieliger und kleiner als in München, Hamburg oder Berlin. Hinzu kommen noch die Kosten für Bus und Bahn, wenn man – wie ich – in San Francisco wohnt und täglich mit dem Zug nach Palo Alto fahren muss. Auch das kostet etwas. Ebenso Essen. Essen und Trinken ist für deutsche Verhältnisse in den Staaten viel teurer. Jenseits der Kosten ist auch die Workload enorm hoch, wenn man zusätzlich daheim in Deutschland noch ein Team zu führen hat. Zum Glück haben wir bei Mesaic nicht nur agile Arbeitsweisen und tolle Tools, sondern auch verantwortungsvolle Mitarbeiter, die es mir so leicht wie möglich machen. Dennoch arbeite ich am Tag so um die 14 bis 16 Stunden.

Fazit
In nur einem Monat habe ich sehr viele Leute getroffen, Möglichkeiten eröffnet bekommen und auch viel gelernt. Ich freue mich auf die Zeit, die vor mir liegt, weil wir als Unternehmen massiv von der Erfahrung der Leute im Valley profitieren. Darum sollte jeder Gründer, der die Chance bekommt, hier eine Zeitlang arbeiten zu dürfen, diese auch nutzen.

Über den Autor
Sebastian Kellner ist Co-Founder von Mesaic, einer Plattform, die Kundeninteraktion im Conversational Interface, z.B. Messaging, ermöglicht. Der Technologieanbieter unterstützt Unternehmen dabei, das bestmögliche Kundenerlebnis durch intuitive Kommunikation, eine enge Kundenbeziehung und effiziente Prozesse zu gestalten. Gegründet Anfang 2016 gehören u.A. Euromaster, Veloyo und Hermes zu den Kunden von Mesaic.

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Foto (oben): Shutterstock