VC-Interview “Manchmal scheitern sogar die bestfinanzierten Startups”

"Die Startup-Reise kann voller Höhen und Tiefen sein, wie wir aus erster Hand wissen. Das Team von EQT Ventures war selbst in der Position der Unternehmer und versteht, worum es geht – die Erfolge, Misserfolge und Herausforderungen", sagt Axel Bard Bringéus von EQT Ventures.
“Manchmal scheitern sogar die  bestfinanzierten Startups”

Der schwedische Investor EQT Ventures, der Venture-Capital-Arm der schwedischen Private-Equity-Gruppe EQT, ist längst eine feste Größe auf dem deutschen Markt. In den vergangenen Jahren investierte der Geldgeber in Unternehmen wie holidu, Service Partner One und Home. Im VC-Interview mit deutsche-startups.de spricht Axel Bard Bringéus, seit November International Expansion Partner bei EQT Ventures, über Ambitionen, Erfolgsgeschichten und Industrieberater.

Reden wir über Geld. Was genau reizt Dich daran, Geld in Unternehmen zu investieren?
Das Team von EQT Ventures setzt sich aus Serienunternehmern und operativen Experten zusammen, die einige der erfolgreichsten Unternehmen in Europa gegründet oder aufgebaut haben, wie Booking.com, King, Spotify und Uber. Unsere Leidenschaft ist, Gründer und ihre Teams auf ihrem unternehmerischen Weg zu begleiten. Dabei bieten wir Beratung und tatkräftige Unterstützung basierend auf unseren eigenen Erfahrungen aus erster Hand. Es geht uns nicht nur darum, Kapital anzulegen.

Wie wird man eigentlich Venture-Capital-Geber – wie bist Du Venture-Capital-Geber geworden?
Bevor ich zu EQT Ventures kam, war ich Global Head of Markets bei Spotify. Ich leitete die internationale Expansion des Unternehmens, baute die Betriebs- und Managementstruktur für internationale Märkte auf und leitete die regionalen Führungsteams. Mit meinem Team habe ich Spotify von acht auf 60 Märkte expandiert, darunter die ersten Märkte in Asien, ganz Lateinamerika, Deutschland sowie viele andere Märkte in Europa. Was mich an EQT Ventures wirklich gereizt hat: Das Team versteht, dass der Aufbau eines erfolgreichen Unternehmens mehr als nur den Zugang zu Kapital erfordert. Um erfolgreich zu sein, braucht man Menschen um sich, die bereits eine unternehmerische Reise hinter sich haben. Das gilt besonders, wenn Sie globale Gewinner schaffen wollen, und das ist das Ziel von EQT Ventures. Nach meiner Zeit bei Spotify wollte ich meine Erfahrungen mit der rasanten internationalen Skalierung an die Firmen im EQT Ventures-Portfolio weitergeben und anderen europäische Unternehmen mit globalen Ambitionen zum Erfolg verhelfen.

In der VC-Welt wird oftmals mit Millionenbeträgen hantiert, wird Dir da nicht manchmal mulmig zumute – bei diesen Summen?
Wir gehen mit großen Geldsummen um, aber Unternehmen brauchen den Zugang zu diesem Kapital, um erfolgreich zu wachsen. Europäischen Unternehmen hat es nie an Unternehmergeist oder qualifizierten Arbeitskräften gemangelt, aber im Vergleich zu den USA hat der Zugang zu dem Wachstumskapital gefehlt, das benötigt wird, um die Visionen der Gründer in etablierte Unternehmen umzusetzen. Dies ist einer der Gründe, warum EQT Ventures gegründet wurde. Unser 566-Millionen-Euro-Fonds hat eine mehrstufige Strategie mit Investitionen, die typischerweise zwischen 1 Million und 75 Millionen Euro liegen, von der Serie-A-Runde bis hin zu weiteren Wachstumsrunden. Folglich ist das Unterstützungsfenster von EQT Ventures breiter als bei einem typischen einphasigen Fonds. Damit tragen wir der Tatsache Rechnung, dass der unternehmerische Weg zum Aufbau einer globalen Erfolgsgeschichte ein Marathon ist und nicht ein Sprint.

Was sollte jeder Gründer über Euch – als VC – wissen – wie etwa grenzt Ihr Euch von anderen Investoren ab?
Bei EQT Ventures bieten wir Gründern mehr als nur Geld. Wir bieten Zugang zu einem Team von Experten, die bereits breite unternehmerische Erfahrung haben und mit ihrem Know-how die nächste Welle von Unternehmern unterstützen können. Es ist ein wirklich operativer Ansatz und unser Team bringt die Fähigkeiten, Ressourcen und Erfahrungen in allen Geschäftsbereichen mit – Analytik, User Experience, Marketing, Skalierung, Vertrieb und mehr – um Gründer auf dem Weg zum globalen Erfolg zu unterstützen. EQT Ventures ist zudem Teil der globalen Private-Equity-Gruppe EQT, so dass unsere Portfoliounternehmen auf die Expertise von einem Netzwerk von mehr als 250 Industrieberatern zurückgreifen können. Dieses Netzwerk besteht aus globalen Wirtschaftsführern und Unternehmern. Darüber hinaus konzentriert sich EQT Ventures nicht auf bestimmte Märkte oder Branchen, da transformationelle Veränderungen im Technologiebereich heute in allen Branchen stattfinden. Der Fokus liegt auf Ehrgeiz, Umfang und Timing.

Wie entscheidet Ihr, ob Ihr in ein Start-up investiert: Bauchgefühl, Daten, beides oder etwas ganz anderes?
Bei EQT Ventures verwenden wir eine Kombination aus Daten und menschlicher Interaktion. EQT Ventures hat eine AI-Plattform namens Motherbrain entwickelt, die täglich und rund um die Uhr Tausende von Datensignalen überwacht, um Unternehmen aufzudecken, die das nächste große Ding sein könnten. Dieser datengesteuerte Ansatz fürs Deal Sourcing filtert die entscheidenden Informationen heraus und bedeutet, dass die Mitarbeiter von EQT Ventures mehr Zeit mit Gründern und ihren Teams verbringen und bessere Beziehungen aufbauen können. Letztendlich wird die Entscheidung, in ein Unternehmen zu investieren, natürlich vom Team getroffen.

Welche Unterstützung bietet Ihr – neben Geld?
EQT Ventures bietet umfangreiche Beratung und Know-how und hat einen operativen Ansatz. Unser Beratungsteam mit Partnern aus einigen der besten Startups und Scale-ups Europas unterstützt Gründer dabei, große Unternehmen aufzubauen. Unsere Portfoliounternehmen können zudem auf das EQT-Netzwerk mit mehr als 250 Industrieberatern zurückgreifen. Dieser Zugang zu einem breiten Pool aus Wissen und Erfahrung sowie zu potenziellen Kunden und Partnern ist eines der nützlichsten Dinge, die EQT Ventures zu bieten hat.

Wie organisiert Ihr den Austausch mit Euren Portfolio-Firmen, welche Tools nutzt Ihr?
Wir arbeiten tagtäglich eng mit den Gründern und ihren Teams zusammen und sind so hands-on, wie es die Situation verlangt. Unsere Partner führen außerdem Workshops und Deep Dive Sessions für unsere Portfoliounternehmen in Schlüsselbereichen ihrer Expertise durch, wie etwa zur globalen Expansion, zum Aufbau eines erfolgreichen Vertriebsteams, zur PR-Arbeit, Analytics und Data und noch vieles mehr. Wir bauen auf die langjährige operative Erfahrung, die das EQT Ventures-Team hat.

Was ist wichtiger: Das Team oder die Idee?
Das Geschäftsmodell muss ein hohes Potenzial für Wachstum und Skalierbarkeit haben. Wir wollen in globale Gewinner investieren. Gerade aus dem Grund achten wir auch sehr darauf, ob die Gründer den Ehrgeiz, die Leidenschaft und die Beharrlichkeit haben, ein Unternehmen zu skalieren. Für uns ist das Team wirklich entscheidend.

Wie sieht das ideale Gründerteam aus bzw. gibt es überhaupt das ideale Gründerteam?
Es gibt keine Schablone, aber wie ich schon gesagt habe, kommt es auf Ehrgeiz, Leidenschaft und Ausdauer an, eine großartige Idee zu übernehmen und sie zu einem globalen Unternehmen zu machen. Es schadet aber nicht, falls das Gründerteam sich inhaltlich und kompetenzmäßig ergänzt und die Teammitglieder sich zudem gut kennen und länger miteinander gearbeitet haben.

Nicht jedes Startup läuft rund, nicht jedes wird ein Erfolg. Was macht Ihr, wenn eine Eurer Beteiligungen in Schieflage gerät?
Die Startup-Reise kann voller Höhen und Tiefen sein, wie wir aus erster Hand wissen. Das Team von EQT Ventures war selbst in der Position der Unternehmer und versteht, worum es geht – die Erfolge, Misserfolge und Herausforderungen. Wir bieten Hilfe, Unterstützung und Beratung basierend auf unserer eigenen Erfahrung und Expertise, um unseren Gründern zu helfen, die Herausforderungen zu meistern, mit denen sie konfrontiert sind.

Und woran merkt Ihr, dass Ihr bei einem Start-up die endgültige Reißleine ziehen müsst?
Manchmal werden sogar die am besten finanzierten Startups mit den engagiertesten Teams scheitern. Das ist Teil der unternehmerischen Reise. Viele erfolgreiche Unternehmer haben ein paar gescheiterte Versuche hinter sich. Wenn ein Portfoliounternehmen in ernsthafte Schwierigkeiten gerät, mehr Finanzmittel benötigt und das Team von EQT Ventures hart mit einem Gründungsteam zusammengearbeitet hat, um eine Lösung zu finden und zu dem Schluss kommt, dass es selbst bei zusätzlichen Investitionen einfach nicht mehr aufwärts geht, dann können wir uns dazu entschließen, nicht mehr Kapital bereitzustellen. Wir haben auch eine Verpflichtung gegenüber unseren Investoren. Was uns wichtig ist, ist Transparenz. Viele Probleme können gelöst werden, wenn sie so früh wie möglich auf den Tisch gebracht werden, nicht erst dann, wenn die Situation akut ist.

Wie wichtig und bindend ist ein Businessplan?
Ein großartiges Gründungsteam ist viel wichtiger als ein Geschäftsplan. Ein Geschäftsplan ist eine Möglichkeit, zu visualisieren und zu erläutern, wie die Vision und das Handeln eines Unternehmens zu konkreten Ergebnissen führen werden. Es konzeptualisiert, wie das Gründerteam denkt. Aber besonders am Anfang wird so ein Plan hauptsächlich auf Annahmen basieren. Für EQT Ventures ist es eine Art Gesundheitscheck, einige dieser Annahmen zu überprüfen und sie mit Branchen-Benchmarks zu vergleichen. Geschäftspläne ändern sich im Laufe der Zeit radikal, werden jedoch mit wachsendem Unternehmen und mehr Datenpunkten immer genauer.

Wie spricht man als Gründer am besten einen Investor an?
Wir treffen jedes Jahr Tausende von Unternehmen und sie kommen auf viele verschiedene Arten zu uns. Aber eine Empfehlung von einem Gründer, den wir kennen oder dem wir vertrauen, zieht immer unsere Aufmerksamkeit auf sich.

Was sollten Gründer vor Investoren niemals sagen oder machen?
Unternehmer sollten immer offen und ehrlich sein, da die Beziehung zwischen Investor und Gründer eine langfristige Beziehung ist und sie eng zusammenarbeiten werden, um sicherzustellen, dass das Geschäft ein Erfolg wird. Es muss Vertrauen auf beiden Seiten bestehen. Wir sitzen im gleichen Boot und wir verstehen, dass Fehler passieren und nicht immer alles reibungslos verläuft. Gründer sollten uns so früh wie möglich auf Probleme aufmerksam machen und transparent bleiben, damit wir versuchen können, zu helfen.

Gebt Ihr uns einen Einblick in Euer Anti-Portfolio – bei welchen, jetzt erfolgreichen, Firmen seid Ihr leider nicht eingestiegen?
Wir müssen leider jedes Jahr Tausenden von Gründern absagen und es besteht immer die Möglichkeit, dass wir uns manchmal irren und nicht in zukünftige Erfolge investieren. Wenn wir uns entschließen nicht zu investieren, dann geben wir den Gründern so viel Feedback und Einblick in unsere Entscheidung, wie wir können. Natürlich bedauern wir jede Absage, aber da wir einen mehrstufigen Fonds haben, kann es jederzeit eine zweite Chance geben, dass wir in eine spätere Runde investieren.

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Foto (oben): EQT Ventures

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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