Interview Getaway mobilisiert Blech, das die Innenstädte verstopft

"Ich habe Getaway im August 2015 formal alleine gegründet, habe aber natürlich schnell ein Team aufgebaut. Heute sind wir ein wachsendes, zwölfköpfiges Team. Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir das Produkt lange ohne externes Investment entwickeln konnten", sagt Edgar Scholler, Gründer von Getaway.
Getaway mobilisiert Blech, das die Innenstädte verstopft

Vor knapp drei Jahren schob Edgar Scholler die Carsharing-App Getaway ins Netz. “Im Gegensatz zu allen anderen Privat-zu-Privat Plattformen, ermöglicht Getaway erstmals das spontane Mieten und Vermieten von Privatfahrzeugen – nur über das eigene Handy, inklusive Tankkarte und rundum versichert”, erklärt Scholler das Konzept hinter dem Unternehmen. Bundesweit bekannt wurde Getaway durch die Teilnahme an der Vox-Show “Die Höhle der Löwen”. Einen Deal konnte Scholler damals nicht mitnehmen.

Inzwischen konnte der Berliner mit Udo Schlömer, dem Gründer der Factory, aber einen bekannten Investor von seiner Idee überzeugen. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Getaway-Gründer Scholler über Kostenfallen, Verfügbarkeiten und Privatautos.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Getaway erklären?
Getaway ist der erste on-demand Fuhrpark aus Privatautos: Das 2015 in Berlin gegründete Unternehmen hat eine Technologie entwickelt, die es erlaubt, parkende Privatautos erstmals sofort und nur über das eigene Smartphone mieten und vermieten zu können – spontan, rundum versichert, bequem. In Deutschland stehen über 40 Millionen Pkw im Durchschnitt 23 Stunden am Tag still. Wenn die Auslastung pro Fahrzeug von einer auf zwei Stunden verdoppelt werden würde, reichte bereits die Hälfte und keiner müsste verzichten. Mit unserer kilometer-basierten Abrechnung bezahlt man erstmals nur, was man tatsächlich verfährt und bleibt entspannt, weil Stau oder Parkplatzsuche nicht mehr zur Kostenfalle werden.

Warum sollten Autobesitzer bei Getaway mitmachen?
Autobesitzer können sich durch die Vermietung ihres privaten PKW somit ganz einfach mehrere Hundert Euro pro Monat ganz ohne Betreuungsaufwand dazu verdienen. Dank innovativster InCar-Technologie, die in die Autos eingebaut wird, können wir auf das Auto aufpassen, wenn es vermietet wird und so erstmals für Gelassenheit beim Autobesitzer sorgen. Gleichzeitig haben wir eine Lösung geschaffen, die Umwelt erheblich zu entlasten, ohne dass auf die wunderbare Freiheit eines Autos verzichtet werden muss. Die großartige Resonanz tausender Nutzer in den letzten Monaten zeigt, dass der Bedarf nach einer einfachen P2P-Carsharing-Lösung riesengroß ist.

Hat sich euer Konzept seit dem ersten Gedankenblitz verändert?
Beruflich im Ausland lebend, war ich oft ohne mein eigenes Auto in Hamburg, Berlin oder meiner Heimatstadt Magdeburg zu Besuch. Konventionelle Carsharing-Angebote haben eine limitierte Verfügbarkeit und stark eingegrenzte Gebiete. Selbst auf der Suche nach einem Mietauto ist mir der Wahnsinn aufgefallen, an wie vielen parkenden Privatautos ich vorbeiging, wie viel ruhendes Blech die Innenstädte verstopft. Autos, die wie mein eigenes, ungenutzt Geld kosten und Platz verschwenden. Die Idee für eine technologiebasierte Privat-zu-Privat Autovermietung war geboren.

Wie ging es dann weiter?
Nur wenige Wochen später zog ich nach Berlin zurück und gründete Getaway. Von Anfang an war ich überzeugt, dass die Idee nur dann nachhaltig funktioniert, wenn die Abläufe flexibel und ohne großen Aufwand gestaltbar sind. Dazu gehörten zum Beispiel die Anforderung, dass eine Vermietung ohne Schlüsselübergabe machbar sein muss, weshalb wir die Autos mit innovativster Technologie ausstatten lassen. Ebenso legten wir von Anfang an Wert auf einfachste, digitale Abläufe für Autobesitzer und -nutzer und die kilometergenaue Abrechnung sowie das Tanken mit der Getaway-Tankkarte.

Was macht ihr anders als P2P-Carsharing Anbieter wie turo, Drivy und SnappCar?
Im Gegensatz zu allen anderen Privat-zu-Privat Plattformen, ermöglicht Getaway erstmals das spontane Mieten und Vermieten von Privatfahrzeugen – nur über das eigene Handy, inklusive Tankkarte und rundum versichert. Da wir alle Fahrzeuge mit unserer inCar-Technologie ausstatten, bieten wir ein komplett digitales Nutzererlebnis und es ist kein persönliches Treffen zwischen Autobesitzer und Mieter nötig. Des Weiteren bieten nur wir ein reines Pay-per-Use Preismodell an. Das bedeutet, dass man für die tatsächlich gefahrenen Kilometer bezahlt, statt sich zwischen Komplettpaketen oder Tagespreisen entscheiden zu müssen. Wer will schon für einen ganzen Tag bezahlen müssen, wenn man nur 12 Kilometer zurücklegt. Das macht es für die Nutzer deutlich lukrativer, was in Mehreinnahmen für die Autobesitzer resultiert. Und zu guter letzt können wir durch den konsequenten Technologieansatz mehr Sicherheit gewährleisten, da wir auch auf das Auto Acht geben können, während es vermietet ist. So kann es bei einem Diebstahlverdacht lokalisiert und sogar aus der Ferne lahmgelegt werden.

Wie hat sich Getaway seit der Gründung entwickelt?
Ich habe Getaway im August 2015 formal alleine gegründet, habe aber natürlich schnell ein Team aufgebaut. Heute sind wir ein wachsendes, zwölfköpfiges Team. Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir das Produkt lange ohne externes Investment entwickeln konnten. Ende 2017 ist ein erster Business Angel bei uns eingestiegen. Ein weiterer Investor steht kurz vor dem Einstieg. Verglichen mit klassischen Carsharing-Anbietern haben wir übrigens sehr niedrige Skalierungskosten, was uns schnell und flexibel macht. Wir müssen und wollen ja nicht erst Autos kaufen, um die Flotte zu vergrößern.

Wie genau habt ihr Getaway aufgebaut?
Unser Fokus liegt auf dem Aufbau der Getaway-Flotte mit dem Ziel, den größten spontan verfügbaren Fuhrpark von Autofahrern für Autofahrer aufzubauen – in ganz Deutschland. Denn im Gegensatz zu den konventionellen Marktbegleitern können wir on-Demand Carsharing unabhängig von Geschäftsgebietsgrenzen auch fernab der Großstädte etablieren. Bisher sind wir in Berlin, Hamburg, Magdeburg und Fürth vertreten. Wir sehen, dass insbesondere in den ländlichen Gebieten der Bedarf nach flexibler Mobilität groß ist. In welche Regionen wir als nächstes gehen, entscheiden die Nutzer bei uns selbst. Je mehr Nutzer sich aus einer Region anmelden, desto schneller kommen wir in die Nähe.

Wo steht Getaway in einem Jahr?
Wir sind zuversichtlich, dass das exklusiv genutzte Privatfahrzeug der Vergangenheit angehören wird. In den Metropolen hat sich der Trend zum geteilte Auto über private Carsharing-Plattformen bereits etabliert. Private Autobesitzer können so mit ihrem Auto Geld verdienen, der ÖPNV wird entlastet und langfristig sind deutliche Entlastungseffekte für die Region zu erwarten. Kleine Städte und Kommunen profitieren dagegen bisher nicht oder nur kaum von den neuen Mobilitätskonzepten. Das soll und wird sich ändern. Seit Anfang Februar bieten wir unseren Service neben den Metropolen Hamburg und Berlin auch in der Region Fürth an und finden hier großen Zuspruch unter Autobesitzern und Autofahrern und wir sind positiv gestimmt, dass sich Getaway auch in ländlicheren Gebieten weiter durchsetzen wird. Und natürlich wünschen wir uns, dass die Entlastungseffekte durch die ökologische Auslastung bestehender Autos in den Städten und Regionen für jedermann sichtbar werden.

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Foto (oben): Getaway

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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