Interview Über Investoren für anspruchsvolle High-Tech-Themen

"Die erste Phase ohne Investoren ist die schwierigste, weil man ein Team akquirieren muss ohne ein Produkt zu haben und zusätzlich über wenig bis kein Geld verfügt, sondern „nur“ Anteile an das Team vergeben kann", sagt Frank Brügmann von cloudplan.
Über Investoren für anspruchsvolle High-Tech-Themen

Das Hamburger Startup cloudplan entwickelt seit einigen Jahren “eine Speicherlösung der nächsten Generation”. Investoren wie der High-Tech Gründerfonds, der Innovationsstarter Fonds Hamburg und Co. investierten bisher in das junge Unternehmen, das von Frank Brügmann und Matthias Krueger gegründet wurde. cloudplan, das 15 Mitarbeiter beschäftigt, konnte bisher 1.000 Kunden gewinnen. Nutzer können cloudplan zum Start 14 Tage kostenlos testen. Später kostet cloudplan – je nach Paket und Leistungsumfang – bis zu 649 Euro im Monat.

“Wir haben in unserer vorherigen Firma Erlebnisse mit Serverausfällen machen müssen, die nur mit viel Aufwand und hohen Kosten wiederhergestellt werden konnten. Grund dafür waren zu komplexe und zentralisierte Produkte – sehr bekannter Hersteller! In unserem Produkt ist deshalb alles sehr simpel in der Handhabung gestaltet”, erzählt Mitgründer Brügmann zur Entstehungsgeschichte von cloudplan. In den kommenden Monaten wollen die Hanseaten nun die USA erobern. “Nicht nur um Kunden, sondern auch US-Investoren für unser Unternehmen gewinnen zu können”, verrät Brügmann. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht der cloudplan-Macher zudem über Ausfallsicherheit, Anforderungen und Investoren.

Wie würdest Du Deiner Großmutter cloudplan erklären?
Unsere Software vereinfacht das Speichern, Verwalten und die Zusammenarbeit mit Dateien in Unternehmen. Unternehmen müssen zunächst sicherstellen, dass Ihre Daten sicher vor Verlust und Diebstahl aufbewahrt werden können und trotzdem ermöglichen, dass Mitarbeiter und Geschäftspartner möglichst leicht von jedem Ort aus darauf zugreifen können. Hinzu kommen viele Anforderungen für hohe Performance, geringe Kosten, Gesetzesvorgaben und möglichst wenig notwendiges IT Know-how. Um diese Anforderungen möglichst gut erfüllen zu können, bauen sich Unternehmen meist eine „Private Cloud“ auf, was ein langes und komplexes Projekt werden kann, das eine Vielzahl an Zulieferern und Produkten beinhaltet. Mit der cloudplan Lösung wird alles sehr viel einfacher, günstiger, performanter und sicherer! Es ist nur noch ein Produkt notwendig, das in kurzer Zeit einsatzfähig ist und nur geringes IT Know-how erfordert, um die zuvor genannten Anforderungen zu erfüllen.

Bei welcher Gelegenheit entstand die Idee zu cloudplan?
Wir haben in unserer vorherigen Firma Erlebnisse mit Serverausfällen machen müssen, die nur mit viel Aufwand und hohen Kosten wiederhergestellt werden konnten. Grund dafür waren zu komplexe und zentralisierte Produkte – sehr bekannter Hersteller! In unserem Produkt ist deshalb alles sehr simpel in der Handhabung gestaltet und die „Intelligenz“ des Produktes wurde dezentralisiert, damit man nicht mehr abhängig ist von zentralen Komponenten. Man findet dezentrale Architekturen heute in vielen Bereichen wie Blockchain, Automotive, IoT oder Flugzeugtechnik. Ziel ist es, die Redundanz und damit die Ausfallsicherheit zu erhöhen indem viel autarke Einheiten im Vergleich zu zentralen Komponenten agieren. Bei unserem Produkt erhöht sich durch die dezentrale Intelligenz auch gleich die Performance, weil Aufgaben parallel erledigt werden können.

Hat sich euer Konzept seit dem ersten Gedankenblitz verändert?
Absolut! Mit der Lernkurve, die man bei der Entwicklung durchläuft, ist auch eine ständige Überprüfung des Geschäftsmodells und des Produktes verbunden. Man versucht ständig beides zu optimieren und zu ergänzen. Außerdem entwickelt sich der Markt weiter und man muss sein eigenes Produkt auf neue Anforderungen immer wieder anpassen.

Wie hat sich cloudplan seit der Gründung entwickelt?
Wir konnten bis heute circa 1.000 Kunden akquirieren und in den letzten Monaten kommen auch sehr große Kunden aus dem Mittelstand in unsere Pipeline. Dass heißt, es gibt die erhoffte Nachfrage nach unserem Produkt.

Was hättest Du gerne vor der Gründung gewusst?
Für uns war es nicht die erste Gründung von daher waren die generellen Prozesse für ein Startup bekannt. Man vergisst allerdings, dass die erste Zeit in einem Startup die schwerste ist, weil man mit sehr viel Basisorganisation zu tun hat und vor allen Dingen meist noch keinen Umsatz besitzt, sondern nur Kosten generiert. Das erzeugt einen ständigen Druck und fordert die komplette Fokussierung auf das Unternehmen. Für Urlaub oder andere Dinge bleibt in den ersten Jahren meist keine Zeit. Das wird einem dann etwas überraschend wieder klar, weil man doch immer davon ausgeht, dass bei „dieser“ Gründung alles einfacher sein sollte als bei der letzten.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?
Die erste Phase ohne Investoren ist die schwierigste, weil man ein Team akquirieren muss ohne ein Produkt zu haben und zusätzlich über wenig bis kein Geld verfügt, sondern „nur“ Anteile an das Team vergeben kann. Der Gedanke nur oder teilweise mit Anteilen entlohnt zu werden ist für viele nicht attraktiv genug. Wir konnten allerdings nach einigen Monaten ein sehr gutes Team zusammenstellen.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer?
Wenn man als Gründer noch räumlich flexibel ist, sollte man prüfen, ob der Standort Deutschland für das eigene Projekt der optimale ist oder ob es etwa in den USA besser wäre die ersten Investoren zu akquirieren. In unserem Fall gibt es nur sehr wenige Investoren in Europa die in Software „High-Tech“ in der Phase „Early Stage“ investieren. Wir waren allerdings persönlich nicht flexibel genug, gleich in die USA zu gehen. In Europa kann man gut Investoren für „Low Tech“-Themen finden, auch wenn man noch „Early Stage“ ist, ansonsten bleiben nur die halbstaatlichen Investoren in Deutschland, die im Prinzip die einzigen Investoren auch für anspruchsvollen High-Tech-Themen in Deutschland sind. Ist man über „Early Stage“ hinaus, ist das dann fast egal, weil das Verständnis eines Investors für den Business Case nicht so tiefgreifend sein muss, denn ein Unternehmen das Geld verdient scheint ja einiges richtig zu machen, da ist dann die Technologie und das Verständnis dafür nicht mehr so wichtig. Allerdings ist ja die erste Phase die schwierigste und hier sollte man gleich die richtigen Entscheidungen treffen!

Ihr seid in Hamburg zu Hause. Was macht den Reiz der Startup-Szene in der Hansestadt aus?
Es gibt viele Veranstaltungen für Startups, die man zum Networking nutzen kann. Vielversprechend sind auch vermehrt Projekte von Beratungsfirmen und Banken, um deren Kunden mit Startups im Rahmen einer möglichen „Digitalisierung“ zusammen zu bringen. Ein „Win-win“ für alle Parteien. Da es sehr schwierig für ein Startup ist, mit Mittelständlern zusammen zu kommen, ist eine Vorstellung der Entscheider durch ein drittes Unternehmen wie eine Beratungsfirma sehr hilfreich.

Wo steht cloudplan in einem Jahr?
In einem Jahr wollen wir in die USA expandieren, um nicht nur Kunden, sondern auch US-Investoren für unser Unternehmen gewinnen zu können. Ziel ist es, mit interessanten Referenzkunden die Basis für eine globale Expansion zu legen.

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Foto (oben): cloudplan

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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