#5um5 “Berlin macht es einem als Workaholic sehr leicht”

"Gründen lehrt Demut. In einer Form wie ich es mir zu Beginn nicht hätte vorstellen können. Denn gerade am Anfang ist der Glaube an die eigene Stärke so essentiell, um überhaupt den Schritt in eine Unternehmensgründung zu wagen", sagt Jason Goldberg, Gründer von Simple Token.
“Berlin macht es einem als Workaholic sehr leicht”

Unsere Rubrik “5um5” liefert jeden Tag um Punkt 5 Uhr insgesamt – wer hätte das gedacht – 5 wissenswerte Fakten, bahnbrechende Tipps oder hanebüchene Anekdoten rund um ein startupaffines Thema. Heute berichtet Fab-Macher Jason Goldberg, Gründer von Simple Token, über seinen Gründeralltag.

Wie startest Du in einen ganz normalen Start-up-Arbeitsalltag?
Mein Tag beginnt, wie für viele andere auch, recht unspektakulär und früh. Nach fünf, sechs Stunden Schlaf starte ich meistens gegen 6 Uhr morgens mit etwas Sport. Das bringt Energie in den Körper zurück und mich auf Trab für den Tag. Während des Trainings versuche ich aber auch schon das Gehirn auf Touren zu bringen, um mich mental auf die Aufgaben des Tages vorzubereiten. All diese Routine heißt natürlich nicht, dass ich auf Kaffee und Co. verzichten könnte.

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?
Berlin macht es einem als Gründer und Workaholic sehr leicht, trotz all der Arbeit zu Abwechslung und Entspannung zu kommen. Durch all die Angebote, Infrastruktur und vielen Leute um einen herum ist es nicht so schwer eine Work-Life-Balance zu finden, die einem persönlich gut tut. Dadurch, dass in Berlin rund um die Uhr etwas los ist und auch die Menschen hier so unterschiedliche Tagesabläufe haben, gibt es eigentlich immer jemanden oder etwas, das einem hilft, sich abzulenken und zu entspannen. Bei mir ist das oft ein Essen mit Freunden, gemütliches Kochen, Ausgehen oder einfach ein Treffen mit netten Leuten. Oft sind die Übergänge zwischen Erholung und Arbeit aber ja auch fließend.

Was über das Gründer-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?
Einen Rat hätte ich mir definitiv gerne gegeben: Gründen lehrt Demut. In einer Form wie ich es mir zu Beginn nicht hätte vorstellen können. Denn gerade am Anfang ist der Glaube an die eigene Stärke und die eigene Kompetenz so essentiell, um überhaupt den Schritt in eine Unternehmensgründung zu wagen. Nach und nach wird dann aber auch immer klarer, dass das nicht alles ist und die eigene Stärke alleine nicht ausreicht. Keiner ist perfekt in Allem und erst mit einem starken Team, das einen in seinen Fähigkeiten ergänzt ist man vorbereitet auf alles, was bei einer Gründung so auf einen zukommt. Die wirklich großen Meilensteine erreicht man nur mit einem schlagkräftigen Team. Also muss man früh die Fähigkeit entwickeln oder haben, andere Menschen zu motivieren und für die Sache zu begeistern. Wenn du wirklich etwas erreichen willst, sei dir also bewusst: Am Ende des Tages arbeitet nicht das Team für dich, sondern du arbeitest für das Team.

Die Start-up-Szene lebt von einer gewissen Hochglanz-Euphorie. Wie glamourös ist das Gründerleben wirklich?
Das hängt von der Definition von glamourös ab. Wenn man arbeiten in Jeans und T-Shirt, viel Reisen, viele Telefonate, Calls und Meetings als glamourös bezeichnet, sicherlich. Aber im Ernst: Für mich hat das Gründerleben wenig mit Glanz und Glitter zu tun. Es geht beim Gründen am Ende um das, was einem am Herzen liegt. Und das hat meist wenig mit Glamour zu tun, sondern mit Leidenschaft und viel Schweiß. Das ist der Stoff, der einen täglich motiviert und der nicht abhängig ist von äußeren Einflüssen wie einem schicken Lifestyle.

Was war Dein bisher wildestes Start-up-Erlebnis – schon mal auf dem Klo dein Konzept gepitcht oder im Traum die Lösung für ein Problem gehabt?
Da fällt mir sofort die frühe Phase unseres Token Sales ein. Wir haben uns mit Simple Token von Beginn an realistische und transparente Ziele gesetzt, aber wie ein Token Sale am Ende tatsächlich abläuft lässt sich schwer vorhersagen. Von den bisherigen Fällen weiß man aber, dass ca. 99 Prozent der Token-Verkäufe während der ersten Tage passieren. In den ersten Tagen waren wir mit dem Simple Token deutlich hinter unseren Zielen und Erwartungen. Natürlich waren wir enttäuscht und mussten uns überlegen, wie wir das Ruder rumreißen können. Also versammelten wir das ganze Team und haben jeden einzelnen Interessenten in unserem Telegram-Channel betreut und seine Fragen beantwortet. Das hieß, tagelang rund um die Uhr verfügbar zu sein. So entstanden die Wine Shifts, in denen wir, in Schichten eingeteilt, zu Nachtzeiten den Telegram-Channel betreut haben. Das war eine intensive und erlebnisreiche Zeit. Das Schöne war aber: Sie hat sich ausgezahlt und uns als Team zusammengeschweißt. Mit 189 % Zielerfüllung haben wir es geschafft, einen tollen Token Sale hingelegt und uns das Vertrauen der Community erarbeitet.

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Foto (oben): Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.