Podcast “Auf einen ICO zu wetten, ist wie ins Kasino zu gehen”

Mit der Gründung von Kreditech verhalf Sebastian Diemer “FinTech made in Germany” zum Durchbruch. Im Gespräch mit Startup Notes erklärt er, worauf man als Gründer bei der Umsetzung von Ideen achten muss und warum es risikoreich ist, in Kryptowährungen wie Bitcoin zu investieren.
“Auf einen ICO zu wetten, ist wie ins Kasino zu gehen”

Nach kurzen Stationen in der Konzernwelt und bei Rocket Internet gründete Sebastian Diemer mit Mitte 20 gemeinsam mit Alexander Graubner-Müller sein erstes Startup namens Gigalocal, was sich jedoch als nicht erfolgreich erwies. Dennoch sollte es den Grundstein für seinen späteren Durchbruch als Unternehmer legen – aus Gigalocal wurde 2012 das bekannte FinTech-Startup Kreditech. Nach drei intensiven Jahren als CEO des Startups verließ er das Unternehmen 2015 und legte mit der Gründung des Factoring-Anbieters Finiata (in Deutschland auch unter bezahlt.de bekannt) direkt erneut los. Aus einem schlichten Grund, wie Diemer im Gespräch mit Startup Notes hervorhebt: “Die FinTech-Industrie ist einfach zu interessant und es gibt noch viele Geschäftsmodelle in der Hinsicht zu entwickeln.”

Als FinTech-Experte verfolgt Diemer die derzeitigen Entwicklungen in der digitalen Finanzindustrie daher besonders genau. Dabei gefällt ihm bei Weitem nicht alles, da seiner Ansicht nach viele Risiken unterschätzt werden – Stichwort “Kryptowährungen”. Der Markt für Bitcoin & Co. sei generell sehr interessant und böte durch seine liberale Ausrichtung viel Potenzial. Insbesondere die ihm zugrunde liegende Blockchain-Technologie sei spannend, da diese das Ziel habe, Währungen zu demokratisieren. Dennoch mahnt der Finiata-CEO zur Vorsicht: “Man kann mit Kryptowährungen gegebenenfalls hohe Erträge erzielen, aber gleichzeitig ist das Risiko sehr hoch, dass man leer ausgeht. Man sollte sein Geld nur in Bitcoin anlegen, wenn man es sich leisten kann, es zu verlieren. Das ist im Endeffekt so als würde man in ein Early-Stage-Startup investieren.”

Dabei merkt Diemer kritisch an, dass das Potenzial von Kryptowährungen die tatsächlichen Anwendungsfälle derzeit noch übersteigt. “Wer bezahlt ein Bier in einer Bar mit Bitcoin?” Ebenfalls sei die starke Konzentration von reinen Finanzinvestoren auf dem Krypto-Markt, die die Blockchain-Technologie nicht zwangsläufig in ihrer Gesamtheit verstünden, ein Risiko. “Ein Markt mit hohem finanziellen Ertragspotenzial kreiert jedoch Gier. Und, Gier und Angst treiben Märkte letztendlich”, so der Branchenexperte. Letztendlich solle man Krypto-Investments nur mit einer langfristigen Perspektive von mindestens fünf Jahren in Betracht ziehen. Diemer selbst bewahrt seine eigenen Kryptowährungen daher in einem sicheren Depot bei der Berliner Sparkasse auf, sodass er mit diesen nicht spekulativ traden kann. Man könne laut Diemer alternativ natürlich auch auf einen der momentan gehypten ICOs (Initial Coin Offering) setzen. Dies sei jedoch wie Glücksspiel: “Dann kann man auch ins Kasino gehen.”

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Foto (oben): Shutterstock