Interview Als ein Gründer starb, gab das InstaFreight-Team nicht auf

"Ich kenne kein Start-up, bei dem in einer so frühen Phase einer der Founder verstorben ist und es das Start-up heute noch gibt. Ich denke bei InstaFreight spricht das ganz klar für unser Geschäftsmodell und für unser Team", sagt InstaFreight-Mitgründer Philipp Ortwein.
Als ein Gründer starb, gab das InstaFreight-Team nicht auf

Der Speditionsdienst InstaFreight, der 2016 von Philipp Ortwein und Gion-Otto Presser-Velder gegründet wurde, sammelte gerade stattliche 8 Millionen Euro ein. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Mitgründer Ortwein über Paletten, schwierige Phasen und E-Mail-Formulare.

Wie würdest Du Deiner Großmutter InstaFreight erklären?
Vor wenigen Jahren konnte sich kaum einer vorstellen, seine nächste Reise im Internet zu organisieren. Heute ist es selbstverständlich, den nächsten Hotelaufenthalt im Internet zu buchen. In der Transportlogistik läuft es heute noch ähnlich wie bei Hotels vor gut zehn Jahren. Wenn Kunden eine Palette versenden oder einen ganzen Lkw für einen Transport benötigen, werden häufig per Telefon, Fax und Email bei mehreren Speditionen Angebote eingeholt. Die Preisermittlung dauert hierbei oft mehrere Tage und gestaltet sich für den Kunden zum Teil sehr zäh.

Wie löst ihr nun dieses Problem?
Bei InstaFreight können sich Kunden hingegen einfach auf unserer Website einloggen, geben die Be- und Entladestelle ein sowie was transportiert werden soll. Wir berechnen dann den Preis sofort und Kunden können zu diesem online direkt buchen. Der Kunde spart sich jede Menge Zeit und weiß, dass InstaFreight als Vertrags- und Ansprechpartner den Transport zuverlässig und zu fairen, transparenten Konditionen durchführen wird. Ähnliches gilt, wenn Kunden regelmäßig eine Tour fahren lassen möchten. Heute arbeiten sie dabei häufig mit einer Hand voll Transportunternehmern zusammen. Schwierig wird es insbesondere dann, wenn diese Transportunternehmer den Auftrag aufgrund fehlender Kapazitäten nicht durchführen können. InstaFreight arbeitet bereits heute mit mehr als 3.000 Transportunternehmen zusammen, das heißt wir können auf eine Vielzahl von Lkw zugreifen und führen den Transport durch.

Wie hat sich InstaFreight seit der Gründung entwickelt?
Gestartet sind wir im Juni 2016 mit zwei Mitarbeitern und Praktikanten. Ziel war es zunächst, möglichst schnell mit einem ersten Produkt an den Markt zu gehen und zu lernen.

Mit welcher Zielgruppe habt ihr InstaFreight getestet?
Typische Kunden waren in der Anfangszeit insbesondere kleinere Unternehmen, die unregelmäßig einige Paletten versendeten. Damals haben wir Preisanfragen über ein E-Mail-Formular entgegengenommen. Heute sind wir hier erheblich weiter.

Wie läuft der Prozess heute ab?
Kunden können sich auf instafreight.de einloggen und über unseren Preisalgorithmus live Preise für Transporte quer durch Europa ermitteln und online verbindlich buchen. Neben der Website binden sich erste große Unternehmen via API an unsere Systeme an und platzieren ihre Aufträge direkt bei uns.

Wie sieht InstaFreight in Zahlen ausgedrückt aus?
Mittlerweile sind wir mit rund 40 Mitarbeitern unterwegs und haben unser eigenes Office im Herzen Berlins bezogen. Das Geschäft wächst weiter rasant – wir zählen aktuell gut 1.000 Kunden.

Hat sich Euer Konzept, Eurer Geschäftsmodell, in den vergangenen Jahren verändert?
Wir haben uns von Anfang an als “One-Stop Shop für die Straßenfracht” positioniert, das heißt ein verladendes Unternehmen kann bei uns von der einzelnen Palette bis zum kompletten Lkw Transporte buchen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Weiterentwickelt haben wir hingegen unser Angebot mit Blick auf die Regelmäßigkeit von Transporten.

Was genau habt ihr denn da weiterentwickelt?
In 2016 sind wir zunächst mit Spot-Transporten gestartet, also mit einmaligen Transporten von A nach B. Dies hat wunderbar funktioniert und wir konnten sehr schnell die Anforderungen an Transporte sowie die Bedarfe unserer Kunden verstehen. Heute bieten wir Kunden auch wiederkehrende Transporte zu fest vereinbarten Konditionen an. Für einige unserer Kunden fahren wir auf dieser Basis täglich quer durch Europa.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?
Ein richtiger Schock für mich persönlich und für das ganze Team war der plötzliche Tod meines Mitgründers Gion-Otto Presser-Velder. Als Experte auf dem Gebiet Logistik hat er von Anfang an viele wichtigen Weichen gestellt und ein sehr erfahrenes Team aufgebaut.

Ein schwerer Schlag für das Team und das Unternehmen. Stand InstaFreight damals auf der Kippe?
Ich kenne kein Start-up, bei dem in einer so frühen Phase einer der Founder verstorben ist und es das Start-up heute noch gibt. Ich denke bei InstaFreight spricht das ganz klar für unser Geschäftsmodell und für unser Team, das in so einer schwierigen Phase nicht aufgegeben hat und viel Verantwortung übernommen hat. Mittlerweile bin ich sehr froh, dass wir mit Max Schäfer einen zweiten Geschäftsführer gefunden haben, der nicht nur sehr erfahren und „Execution stark“ ist, sondern auch schnell Zugang zum ganzen Team gefunden hat und die Kultur von InstaFreight mitprägt.

Und wo habt ihr bisher alles richtig gemacht?
Insbesondere weil der Logistikmarkt so groß ist, ist es wichtig, schnell eine gute Positionierung mit dem richtigen Geschäftsmodell zu finden. Das ist uns aus meiner Sicht sehr gut gelungen. Wir haben darauf gesetzt eine digitale Spedition zu sein, also kein Vermittler, sondern direkt für die Durchführung gegenüber dem Kunden verantwortlich zu sein. Darüber hinaus sind wir über den Spot-Markt, also über sporadisch stattfindende Transporte, in den Markt eingestiegen. Das hat Vertrauen beim Kunden aufgebaut und ihm die Möglichkeit gegeben, uns ohne Risiko zu testen. Das war wirklich ideal für den Markteintritt. Zusätzlich haben wir von Anfang an einen starken Fokus auf unser Produkt gelegt und bekommen sehr gutes Feedback von unseren Kunden und Frachtführern. Auch haben wir nur wenige unnötige Schleifen gedreht. Unser CTO Markus Doetsch und sein Tech- und Product Team, haben hier gemeinsam mit unseren erfahrenen Logistikexperten echt einen super Job gemacht!

Wo steht InstaFreight in einem Jahr?
Wir arbeiten gerade an verschiedenen strategischen Partnerschaften auf der Seite von Kunden und Frachtführern. Hier können wir in den nächsten Monaten sicherlich spannende Neuigkeiten verkünden, die uns ermöglichen noch schneller zu wachsen! Wir befassen uns gerade natürlich auch intensiv mit dem Thema Internationalisierung. Viele unserer bestehenden Kunden möchten uns jetzt zunehmend auch für ihre täglich stattfindenden Verkehre nutzen. Hier werden wir unser Angebot nochmal deutlich erweitern. Ansonsten geben wir einfach weiterhin Vollgas um unsere Kundenbasis und Transportunternehmer weiter auszubauen.

Lest außerdem das Interview mit InstaFreight-CTO Markus J. Doetsch auf Digitale Leute.

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Foto (oben): InstaFreight

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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