Lars Kilchert im Interview “Der Fast Follower kommt, wenn das Geschäft läuft”

"Als erster übergeordneter Ansprechpartner sowohl online als auch telefonisch im deutschen E-Care-Markt sind die vielen spezialisierten Player, die in den letzten Jahren entstanden sind und entstehen, für uns meist keine Konkurrenz", sagt Lars Kilchert, Gründer von pflege.de.
“Der Fast Follower kommt, wenn das Geschäft läuft”

Bereits 2011 ging pflege.de ins Netz. Inzwischen mischt eine ganze Reihe Start-ups im Pflegesegment mit. Darunter auch das von Rocket internet finanzierte Unternehmen Pflegetiger. Aber auch Careship kann inzwischen auf ein Millionenpolster setzen – siehe “5 Start-ups, die den Pflegemarkt digitalisieren“. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Lars Kilchert, Gründer und Geschäftsführer von pflege.de, über Multiplikatoren, Endkunden und Sichtbarkeit.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Dein Start-up erklären?
Wir machen das Leben älterer Menschen angenehmer, indem wir Familien zu allen Fragen rund um Pflege, Wohnen und Gesundheit im Alter beraten und passende Anbieter und Produkte aus einer Hand vermitteln, damit pflegende Angehörige wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge haben.

Der Pflegemarkt hat sich in den vergangenen Jahren massiv verändert, viele Start-ups setzen nun auf das Segment. Fühlt Uhr Euch wohl mit der vielen Konkurrenz?
Als erster übergeordneter Ansprechpartner sowohl online als auch telefonisch im deutschen E-Care-Markt sind die vielen spezialisierten Player, die in den letzten Jahren entstanden sind und entstehen, für uns meist keine Konkurrenz, sondern vielmehr willkommene Kunden und Partner – oder auch hilfreiche Multiplikatoren.

Warum?
Alle brauchen den kosteneffizienten Zugang zum Endkunden, und da haben wir nun einmal mit unserem Marktplatz-Modell sechs Jahre Vorsprung. Darauf ruhen wir uns allerdings nicht aus, sondern investieren weiter in die Tiefe und Breite unserer Plattform. Grundsätzlich begrüßen wir die zunehmende Dynamik im Pflegemarkt, damit mehr innovative Lösungen entstehenden, die den Status Quo in der Pflege verbessern.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?
Oje, das kann ich gar nicht alles aufzählen. Wir haben zum Glück immer Investoren und Unterstützer gehabt, die verstehen, dass man als First Mover vor allem eines braucht: Geschwindigkeit. Denn der Fast Follower kommt bestimmt, wenn das Geschäft sichtbar gut läuft. Und das bedeutet zuallererst: schnell Fehler machen, schnell lernen und auch mal die Richtung ändern.

Magst du ein Beispiel nennen?
Wenn ich allerdings das Thema herausgreife, das uns am meisten geschmerzt hat, dann war es, dass wir zu lange auf selbstentwickelte Software-Tools gesetzt haben. Wir dachten, wir wären dadurch schneller und anpassungsfähiger. Das Gegenteil war der Fall. Unser eigenes Wachstum, vor allem aber die Geschwindigkeit neuer Lösungen insbesondere im Online-Marketing, hat uns regelrecht überrollt und wir konnten nur noch reagieren statt als erster neue Technologien auszuprobieren. Vor zwei Jahren haben wir dann radikal auf off-the-shelf-Lösungen umgeschwenkt, der Erfolg gibt uns recht.

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht?
Beim Personal und bei der Einschätzung des Marktes. Unser Motto ist: “Potentiale frühzeitig entdecken und nachhaltig entwickeln”. Auch haben wir einen guten Mittelweg in unserer Ausrichtung gefunden: zwischen dem konsequenten Verfolgen einer langfristigen Strategie und dem flexiblen Reagieren auf dynamische Entwicklungen im Markt.

Wo steht pflege.de in einem Jahr?
Wir werden nochmal Geschwindigkeit aufnehmen und nicht nur online, sondern auch offline in der relevanten Target Group derart an Sichtbarkeit und Bekanntheit gewonnen haben, dass Menschen, die Unterstützung für ihre pflegebedürftigen Angehörigen suchen, automatisch an pflege.de denken. Außerdem werden Nutzer und Kunden von pflege.de noch mehr hilfreiche Unterstützungsangebote vorfinden. Wir bereiten die Umsetzung einiger innovativer Ideen vor, die sich in einem Jahr hoffentlich wie geplant entfalten.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.