Stefan Seboek im Interview “Wie aus einem schlechten Film, aber es hat funktioniert”

"Wir haben in einem kleinen Büro begonnen, was nicht wirklich sehr repräsentativ war. Um unseren Kunden einen exklusiven Service anzubieten, hatten wir uns etwa mal einen Tisch in einem Münchner Nobelhotel in der Bar reserviert und unsere Auslieferungen dort durchgeführt", sagt Stefan Seboek, Mitgründer von Horando.
“Wie aus einem schlechten Film, aber es hat funktioniert”

Im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern kam der Uhrenshop Horando bisher ohne große Millionenrunden aus. Schon während ihres Studiums verkauften Stefan Seboek und Mitstreiter Christopher Fischer gebrauchte Uhren. 2013 gegründete das Duo dann Horando, einen Online-Shop für Luxusarmbanduhren. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Mitgründer Seboek über Ersparnisse, Bars in Nobelhotels und anspruchsvolle Kunden.

Mit Horando verkauft Ihr teure Luxusuhren im Netz. Euer Start-up zieht ihr mittels Bootstrapping, also ohne externe Finanzierung, hoch. Warum habt ihr Euch für diesen Weg entschieden?
Wir haben uns den Luxusuhrenmarkt lange angesehen und ja schon im Studium mit gebrauchten Uhren nebenbei gehandelt. Als wir die Idee zu Horando hatten, waren wir Feuer und Flamme und wollten unbedingt mit dem Geschäft starten und keine Zeit verlieren. Daher haben wir damals zwei, drei Uhren im Netz angeboten und als die erste Uhr verkauft war und der Kunde das Geld überwiesen hatte, unsere Lieferanten angesprochen und die Uhr eingekauft. Dann war der erste Verdienst auf dem Konto.

Wie lange habt ihr dieses Modell angewandt?
Es hat sich alles relativ schnell gesteigert und wir konnten nach einigen Monaten die ersten Modelle auch auf Lager kaufen. Es ist nicht so, dass man eine VC–Finanzierung nie im Hinterkopf hatte. Unsere Grundidee war, die Firma mal aufzubauen erste Umsätze vorzuweisen und dann für eine bessere Bewertung Anteile abzugeben. Heute freuen wir uns über die gute Entwicklung unseres Geschäfts und das wir noch 100 % der Anteile in unserem Besitz halten.

Ist eine VC-Finanzierung jetzt noch ein Thema für Euch – Eure Mitbewerber sind schließlich alle mit Millionen finanziert?
Ja, das ist richtig. In einige Mitbewerber ist relativ viel Venture Capital geflossen. In der Uhrenbranche darf man auch vermeintlich kleinere Händler nicht unterschätzen. Es gibt auch viele Juweliere mit einem Online-Shop, die der breiten Öffentlichkeit vielleicht nicht so bekannt sind, aber auch finanzkräftige Investoren hinter sich haben und Uhren für viele Millionen Euro auf Lager liegen haben. Es ist letztlich immer die Frage, wo man hin will. Ich denke eine klassische VC-Finanzierung kommt für uns derzeit nicht in Frage und wäre vermutlich auch schwierig, da die meisten VCs ohnehin bei den Kollegen investiert sind. Es gab in der Vergangenheit auch schon Anfragen, ob wir uns nicht vorstellen können, Horando in eine andere Gesellschaft einzubringen und sozusagen die Seiten zu wechseln. Aktuell haben wir ein sehr gutes internationales Partnernetzwerk auf Lieferantenseite und viele Bestandskunden im B2C- und B2B-Bereich. Wir hören uns gerne alles an, wenn es darum geht das Geschäftsfeld zu erweitern, am Ende muss es passen und wir haben aktuell keinen akuten Handlungsbedarf.

Wie war der Start ohne fremdes Geld – was geht recht einfach, was ist als Bootstrapping-Start-up recht schwierig?
Der Start war natürlich schon etwas holprig. Man sagt ja immer, dass Bootstrapping im Handel verhältnismäßig einfach ist und das trifft teilweise auch zu. Wir haben von Beginn an mit den ersten erwirtschafteten Gewinnen recht gut geplant und geschaut, in was wir als nächstes investieren. Gerade der Luxusuhrenmarkt lebt allerdings von schnellen Verfügbarkeiten. Diese erlangt man, wenn man entweder ein großes Netzwerk an guten Lieferanten hat, oder eben von viel Kapital um sich gewisse Uhren direkt ins Lager zu legen.

Klingt nicht einfach…
Gerade die Mischung aus diesen beiden Komponenten war natürlich zu Beginn eine echte Herausforderung. Natürlich ist es grundsätzlich mal einfach eine teure Uhr eines bekannten Herstellers zu verkaufen, wenn der Preis stimmt. Es sind aber so viele Kleinigkeiten im Hintergrund zu beachten und schwierig ist es natürlich, wenn man auf der einen Seite ordentlich Kapital für den Handel benötigt aber eine Online-Firma mit professionellen Strukturen aufbauen will, was eben auch Geld kostet.

Wie genau habt ihr den Aufbau der Strukturen gestemmt?
Wir haben in einem kleinen Büro begonnen, was nicht wirklich sehr repräsentativ war. Natürlich ist gerade der Luxusuhrenmarkt ein Pflaster, wo man mit anspruchsvollen Kunden zu tun hat. Natürlich läuft viel online und über den Versandweg, aber eben auch Face-to-Face und mit Abholung. Um unseren Kunden einen exklusiven Service anzubieten, hatten wir uns etwa mal einen Tisch in einem Münchner Nobelhotel in der Bar reserviert und unsere Auslieferungen dort durchgeführt. Im Nachhinein klingen viele Sachen wie aus einem schlechten Film, aber es hat funktioniert. Wir haben unsere Investitionen langfristig geplant und nichts überstürzt. Heute können wir es uns teilweise selbst gar nicht mehr vorstellen wie und mit welchen Mitteln wir in diese verrückte Branche gestartet sind.

Anderes Thema: Und wovon habt ihr als Gründer in der Anfangszeit gelebt?
Wir hatten natürlich ein paar Ersparnisse von unseren bisherigen beruflichen Stationen. Man muss aber auch dazu sagen, dass wir damals kurz vor dem Weihnachtsgeschäft gestartet sind und in zwei Monaten schon sechsstellige Umsatzerlöse erzielt haben. Für uns war klar, dass wir erst einmal deutlich weniger Geld verdienen werden als vorher und Gewinne in die Firma stecken. 2016 war das bisher erfolgreichste Jahr bei Horando und 2017 ist es unser Ziel, den Umsatz zu verdoppeln. Aktuell läuft hier alles nach Plan, auch wenn man sicherlich noch schneller wachsen könnte.

Was rätst du anderen Gründer, die sich für Bootstrapping entscheiden?
Ich würde grundsätzlich jedem raten so schnell wie möglich im Vertrieb ordentlich Gas zu geben. Völlig egal ob als Händler oder Hersteller. Produkte bei Kunden platzieren, Feedback einholen und ein gutes Netzwerk in wirklich alle Richtungen aufbauen – ich persönlich finde, dass ein breites Netzwerk viel helfen kann und essentiell für den Erfolg ist.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.