Gastbeitrag von Susanne Grundmann Unternehmen müssen bereit sein, die Richtung zu ändern

„Einfach mal machen“ – ein Credo, das in keiner Startup Bibel fehlen darf, in etablierten Unternehmen aber oft nur Wunschdenken ist. In Top-Down-Hierarchien werden erstmal fünf Meeting-Marathons angesetzt, bevor eine Entscheidung gefällt wird.
Unternehmen müssen bereit sein, die Richtung zu ändern

Wer in der digitalen Wirtschaft sein Geld verdient, kann sich eingestaubte Hierarchien und Silos nicht mehr erlauben. Jeden Tag kann eine disruptive Veränderung den Markt auf den Kopf stellen – wer dann nicht schnell genug reagiert, wird von neuen Konkurrenten überrollt. Häufig sind es Startups, die den etablierten Unternehmen mit gesunder Naivität, unkonventionellen Business-Ideen und hochmotiviertem Personal vormachen, wie man aus den Spielregeln der Digitalisierung Profit schlägt. Die Etablierten müssen zurück an den Puls der Innovation – und damit nach Berlin.

Agilität in allen Bereichen

„Einfach mal machen“ – ein Credo, das in keiner Startup Bibel fehlen darf, in etablierten Unternehmen aber oft nur Wunschdenken ist. In klassischen Top-Down-Hierarchien werden erstmal fünf Meeting-Marathons angesetzt und zehn Freigabeschleifen durchlaufen, bevor eine businessrelevante Entscheidung gefällt wird. Während der bürokratische Apparat stockt, drehen die Airbnbs und Ubers dieser Welt ganze Branchen auf links. Weil sie agiler sind als die Player der alten Welt. Von Startups können wir uns abschauen, klassische Strukturen über Bord zu werfen. Wir müssen zum „Schwarm“ werden: immer bereit die Richtung zu ändern und auf neue Technologien und Marktteilnehmer zu reagieren. Neue Strukturen ausprobieren und implementieren. Am besten geht das immer noch abseits der Konzernzentrale in einem kreativen Umfeld – und sicher nirgends besser als in der Hauptstadt. Visitenkarten-Hersteller können sich freuen: Jobtitel ändern sich so schnell wie das April-Wetter, der Mediaplaner von gestern ist heute Data Scientist und morgen Brand Developer.

Junge Talente brauchen mehr Freiheit

Das Tagesgeschäft wird in den meisten Unternehmen von den Mitarbeitern auf der unteren Ebene der Unternehmenshierarchie gestemmt. Ihre Ideen schaffen es aber nur selten bis in die oberen Etagen des Büroturms. Die jungen, wirklich kreativen Köpfe – diejenigen, die die Digitalisierung mit der Muttermilch aufgesogen haben – machen dann häufig lieber ihr eigenes Ding oder wechseln zur „coolen“ Konkurrenz. Wir müssen den jungen Wilden also endlich mehr Freiraum geben. Flexible Arbeitszeiten und Homeoffice sind Must-Haves, reichen aber nicht aus. Wir sollten die Digital Natives und ihre Ideen ernstnehmen und sie ermutigen, früh Verantwortung zu übernehmen. Aktuell sorgt das Düsseldorfer Startup „Welect“ medial für Aufmerksamkeit, weil es Nahverkehrstickets verschenkt, wenn sich Nutzer ihrer App drei Werbespots ansehen. Das Startup wurde von MediaCom Mitarbeitern gegründet – parallel zum Fulltime-Job in der Agentur. Anstatt Steine in den Weg zu legen, haben wir sie bei der Gründung gefördert, denn das gesammelte unternehmerische Wissen wird auch in der Arbeit mit unseren Kunden helfen. Zeitgleich Angestellter und Entrepreneur – solche Modelle werden in Zukunft stark zunehmen. Ein Blick nach Berlin hilft uns, die Arbeitswelt von morgen besser zu verstehen.

Agile Unternehmen brauchen agile Mitarbeiter

Natürlich können und werden junge Talente auch mal abspringen, egal wie modern das Unternehmen aufgestellt ist. Wichtig ist, dass dann neue Talente nachrücken. Deshalb müssen wir da hin, wo die Zielgruppe ist. Einerseits in der digitalen Welt: MediaCom-Jobs bewerben wir neben klassischen Stellenanzeigen mittlerweile auch via Facebook-Livestream, über den wir auch gleich das Bewerbungsgespräch abwickeln. Andererseits in der realen Welt: Es mag abgedroschen klingen, aber Berlin ist immer noch der Place-to-be. Für die jungen Querdenker – und gleichzeitig für uns als Arbeitgeber.

Die Hauptstadt ist immer noch cool

Berlin hat nach wie vor die meisten Startups, hier schlägt das Herz der Innovation. Berlin steht für Freiheit und Selbstverwirklichung. Wenn ich junge Disrupter für mein Unternehmen oder meine Agentur gewinnen will, ist ein Standort in der Hauptstadt beinahe unvermeidlich. Auch wenn es darum geht, als erster von technologischen Neuerungen und potenziellen Hype-Apps zu profitieren, macht es sich bezahlt, physisch vor Ort zu sein. Im digitalen Marketing vergeht aktuell gefühlt kein Tag ohne neue Daten-Algorithmen, Werbeformen und Automatisierungstechnologie. Wir bauen unseren Hauptstadt-Standort daher aus und investieren in neue Kundenbeziehungen, Plattformen und den Nachwuchs, der die Mediaagentur der Zukunft formen wird.

Berlin ist ein Wachstumsmotor

Mit seinen vielen Startups im Bereich Hightech und Digital Economy, aber auch mit zahlreichen Großkonzernen, ist Berlin ein wichtiger Treiber der hiesigen Wirtschaft. Für Agenturen ist ein Hauptstadtstandort daher besonders relevant – wir betreuen hier mit ebay Kleinanzeigen einen wichtigen Kunden aus der digitalen Wirtschaft. Denn auch in einer Welt von zeit- und raumunabhängiger Kommunikation ist die physische Präsenz vor Ort für eine erfolgreiche Zusammenarbeit nicht zu unterschätzen.

Über die Autorin
Susanne Grundmann verstärkt seit April 2014 die MediaCom-Geschäftsführung im Bereich Client Services. Als Marketing-Verantwortliche und ehemaliges Mitglied des Top Managements eines großen Kameraherstellers bringt sie langjährige Erfahrung für das tägliche Kundengeschäft mit. Dort verantwortete sie national und international zahlreiche Marketing- und Führungsaufgaben. Ihr Fokus lag dabei auf den Bereichen Marketing-Controlling, Strategische Planung, eCommerce und Marketing-Kommunikation.

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Foto (oben): Shutterstock