#5um5 “Manchmal fühle ich mich ein wenig wie der ‘Erklärbär'”

"Wir haben vor acht Jahren gegründet und glaube ich jeden Tag Fehler gemacht. Ich denke, ich habe aus den meisten etwas gelernt. Der lehrreichste Fehler im Business-Kontext war eventuell kurzfristige Investoreninteressen über langfristige Interessen der Firma zu stellen", sagt Thomas Jajeh, Gründer von twago.
“Manchmal fühle ich mich ein wenig wie der ‘Erklärbär'”

Unsere Rubrik “5um5” liefert jeden Tag um Punkt 5 Uhr insgesamt – wer hätte das gedacht – 5 wissenswerte Fakten, bahnbrechende Tipps oder hanebüchene Anekdoten rund um ein startupaffines Thema. Heute geht es um: 5 Fragen an Thomas Jajeh, Gründer von twago, einer Vermittlungsplattform für Freelancer und Agenturen.

Wie sieht Dein ganz normaler Start-up-Arbeitsalltag aus – von früh bis spät?
Wenn ich nicht grade verreist bin, startet der ganz normale Wahnsinn meist wenn mein einjähriger Sohn zwischen 6 und 7 Uhr morgens beschließt, dass die Nacht viel zu früh vorbei ist. Wir frühstücken, bringen ihn in die Kita und ich mache mich auf den Weg ins Office. Oft nutze ich die freie Zeit im Auto für erste Telefonate. Im Office trudele ich meist zwischen 9 und 09:15 Uhr ein. Nach einem kurzen Status-Check mit dem Team geht es an den Rechner, E-Mails checken. In der Regel habe ich relativ viele interne und externe Termine, sodass mein Tag nie langweilig wird. Manchmal fühle ich mich auch ein wenig wie der „Erklärbär“ – viele Fragen landen auf meinem Tisch und ich versuche das Team zu ermutigen mit Lösungen statt Problemen zu kommen. Wir durchlaufen durch den Verkauf an Randstad Mitte 2016 grade eine extrem spannende Zeit, sodass ich auch viel mit Kollegen in den USA an gemeinsamen Kundenprojekten feile. Im Moment haue ich meist relativ früh ab und mache eine kurze „Pause“. Mein Sohn geht um 19:30 Uhr ins Bett und ich mag wenigstens noch „Gute Nacht!“ sagen. Meist esse ich dann mit meiner Frau und setze mich nochmal an den Rechner oder telefoniere noch ein wenig. Zwischen 22 und 23 Uhr gehen wir aber meist schon ins Bett. Wir werden alt.

Was war der lehrreichste bzw. der beste Fehler, den Du gemacht hast?
Ohje, wo soll ich da anfangen. Wir haben vor acht Jahren gegründet und glaube ich jeden Tag Fehler gemacht. Ich denke, ich habe aus den meisten etwas gelernt. Der lehrreichste Fehler im Business-Kontext war eventuell kurzfristige Investoreninteressen über langfristige Interessen der Firma zu stellen. Eventuell war uns auch gar nicht bewusst, was diese damals neue „strategische Ausrichtung“ langfristig bedeutet. Zumindest rudern wir heute noch Jahre nach dieser Entscheidung zurück und versuchen das Model zu korrigieren. Das kostet viel Zeit und Nerven. Persönlich habe ich viel aus der Interaktion mit Menschen gelernt. Welches Verhalten warum welche Reaktionen auslöst und wie man damit umgeht. Das war aber mehr ein kontinuierlicher Prozess als eine Event.

Was würdest Du bei Deinem nächsten Start-up anders machen?
Auch wenn wir stets wirklich gute Investoren hatten, würde ich noch stärker auf den strategischen Fit achten als bisher getan. Es ist so wichtig, dass die langfristige Planung übereinstimmt. Grade im Marktplatz-Business kann man nicht von heute auf morgen profitabel sein. Man braucht einen langen Atem und muss mühsam und teuer an der Reichweite arbeiten. Da darf einem unterwegs nicht die Puste ausgehen. Außerdem würde ich stärker auf verschiedene Profile meiner Mitgründer achten. Ich hatte zwei sehr starke und smarte Mitgründer aber wir waren uns, glaube ich, zu ähnlich und konnten uns nicht wirklich gut ergänzen. Auch wenn ich meine Mitgründer sehr schätze, denke ich, dass es effizienter ist, wenn verschiedene Fachrichtungen zusammenkommen. Zu guter Letzt, würde ich es mir zumindest sehr gut überlegen, in Europa einen echten Marktplatz zu gründen. Marktplätze leben von großen Skalen. Der Umsatz pro „Transaktion“ ist in der Regel klein. Um auf große Reichweite zu kommen, braucht man sehr lange, sehr viel Geld. Viele VCs in Europa agieren eher wir Banker, die in Bundesschatzbriefe investieren wollen. Ich denke nicht, dass ein Konzept wie eBay oder Facebook in Europa genug Funding bekommen hätte, um wirklich groß zu werden. Hier erkenne ich aber grade durch die immer stärkere Präsenz der US-Investoren-Szene in Europa einen Wandel.

Was braucht man für den perfekten Elevator Pitch?
Ach, ich halte nix von diesem Konzept. Ich glaube, das Wichtigste ist Ehrlichkeit und dass man wirklich an das Produkt glaubt. Das Feuer, was da rüber kommt, ist viel wichtiger und ansteckender als ein perfekter Pitch. Seid ihr selbst, seid motiviert, fasziniert, fit, engagiert. Das ist ansteckend.

Welche Veranstaltung sollte man als Gründer unbedingt besuchen?
Das Netzwerk ist das „A und O“ – ich sehe Veranstaltungen weniger als Content-Ding sondern mehr als „Meet and greet“. Startet mit den kostenlosen in eurer Umgebung – später könnt ihr euer Netzwerk gezielt auch auf Fachkonferenzen erweitern. Es gibt viele guter Veranstaltungen und es muss auch nicht immer die teuerste sein. Manchmal reicht es auch schon einfach im Netzwerk der Freunde nach Experten zu fragen und sich mal auf einen Kaffee zu treffen. Ich halte ehrlich gesagt nichts von zu vielen Events – die meisten kosten viel Zeit und bringen wenig. Setzt das gezielt ein. Ihr habt ein Business zu managen.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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