"Stuttgarter Satellit" Porsche fährt mit Vollgas in die Digitalisierung

Die Automobilindustrie steht wie so viele andere Branchen vor einem großen Umbruch. Da bleibt kein Stein auf dem anderen und mit digitalen Geschäftsmodellen sollen neue Einnahmequellen geschaffen werden. Nun ist auch der Sportwagenhersteller Porsche in Berlin angekommen und setzt auf die Kraft der Digitalisierung.
Porsche fährt mit Vollgas in die Digitalisierung

Die Automobil-Industrie steht vor einem massiven Wandel: Autos sind kaum noch Statussymbole, Autofahrer steigen wegen gesteigerter Spritkosten immer häufiger auf öffentliche Verkehrsmittel und auch das autonomes Fahren wird die Effizienz der Fahrzeugnutzung in den kommenden Jahren radikal verändern. Automobilbauer müssen umdenken, um vor diesem Hintergrund neue Einnahmequellen zu generieren. Das Thema Startups rückt damit auch für sie stärker in den Fokus. Mit dem Porsche Digital Lab ist nun auch Porsche in Berlin vertreten und zeigt „auch wir können Digitalisierung“.

Neue Ertragsfelder durch Digitalisierung

Als „Stuttgarter Satellit“ ist das Digital Lab dem Vorbild anderer Mobilitätskonzerne gefolgt. Das Schwesterunternehmen VW ist mit nur wenigen hundert Metern in unmittelbarer Nachbarschaft. Porsches Zielvorgabe: Der Sportwagenbauer will mittelfristig einen zweistelligen Prozentsatz seines Geschäfts mit digitalen Diensten erwirtschaften. Dafür wird der Stuttgarter massiv in Entwicklung investieren. Mit dem neuen Zeitalter des autonomen Fahrens ist selbst eine hochpreisige Luxusmarke wie Porsche darauf angewiesen, neue Wachstumspotenziale neben dem Fahrzeug schaffen.

„Porsche soll führend werden für digitale Lösungen im Premiumbereich“, sagt Lutz Meschke, stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Vorstand IT der Porsche AG im Digital Lab des Unternehmens in Berlin. Dafür muss sich der Autobauer öffnen, auch in der eigenen Konzerndenke. Man will sich öffnen, entwickeln, investieren, Kooperationen suchen. Die neue Offenheit soll das Lab auch architektonisch beweisen – helle, hohe Glasfenster, Industriecharme. Startuplike! „Berlin könnte mit seiner Startup Landschaft nicht besser geeignet sein. Hier sind die digitalen Talente“, ist Meschke überzeugt.

“Gas geben” – ganz Startup-like

In Sachen Digitalisierung heißt es daher ab sofort „Gas geben“. Wer nicht Gefahr laufen will, zu einem reinen Hardwareproduzenten zu werden, muss jetzt handeln. Die Lösung? Raus aus dem Auto! Porsche will eine Plattform schaffen, neue digitale Produkte sollen her, neue Geschäftsmodelle erschlossen werden.

Sorgen, junge Entwickler in bester Startup Manier könnten den Porsche-Fahrer, solvent und im Durchschnitt 55 Jahre alt, nicht verstehen, hat man bei Porsche nicht. Immerhin verjüngt sich das Publikum selbst bei den Stuttgartern danke neuer Automodelle wie den «Mission E», der Ende des Jahrzehnts auf den Markt kommen soll – und dank Chinas! „China ist für die Marke Porsche ein extrem wichtiger Markt geworden“, sagt Florian Rothfuss von der Porsche Digital GmbH und sich in dieser Funktion für das Digitalgeschäft verantwortlich zeichnet.

Wetweites Scouting nach Digitalmodellen, die passen

Hauseigene Kreativkraft soll künftig ergänzt werden durch digitale Modelle, die sich von außen in Haus geholt werden. „Ab sofort suchen wir gute Geschäftsideen und Businessmodelle, die zu einer Premiummarke wir Porsche passen“, sagt Rothfuss weiter. Nicht weniger als die steht auf dem Spiel, weshalb nicht alles, was gut ist, auch für den Sportwagenhersteller geeignet ist.

Die erste Runde der externen Investments in digitale Lösungen wurden in das Kölner Start-up evopark, das Parken und Bezahlen in Parkhäusern intelligenter machen will, getätigt. Derzeit gibt es in 22 deutschen Städten insgesamt 60 mit der Technologie des Start-ups aufgerüstete Parkhäuser, in den kommenden Monaten sollen 30 oder 40 weitere entstehen. Das Scouting nach weiteren spannenden Modellen hat gerade erst begonnen. International will man unterwegs sein, sich Inspiration im Silicon Valley holen, oder in Israel. Als erfahrener Finanz-Partner agiert hier zunächst der international agierende Frühphaseninvestor e.ventures.

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Foto (oben): Porsche

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.

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