"Für die Foodszene interessant" Deutsche, die in Österreich gründen? Wagen nur wenige!

Obwohl sich Startup-Szene und Fördermöglichkeiten in Österreich gut entwickeln, wagen nur sehr wenige Deutsche den Schritt ins Nachbarland. Dabei kann Österreich durchaus eine Alternative sein. IWICE ist diesen Schritt gegangen und hat das Unternehmen von Beginn an in Kärnten an den Start gebracht.
Deutsche, die in Österreich gründen? Wagen nur wenige!

Als deutsches Gründerteam zum Unternehmensstart nach Österreich? Für viele Deutsche ist die Alpenrepublik zwar ein schönes Urlaubsland, aber in Österreich gründen? Nein, diesen Schritt wagen nur wenige. Dabei könnte das Nachbarland durchaus eine Alternative für junge Startups aus Deutschland sein, wie es das Beispiel von IWICE zeigt. Das deutsche Gründerteam hat sein Unternehmen von Beginn an in Kärnten an den Start gebracht. IWICE stellt Fitness-Eis für alle, die Eis ohne schlechtes Gewissen genießen wollen, her.

In unserem Themenschwerpunkt Österreich beschäftigen wir uns in lockerer Reihenfolge ausgiebig mit der Gründerszene in der schönen Alpenrepublik.

“Die strukturellen und finanziellen Förderungen wären in Deutschland nicht gegeben gewesen”

Bitte stellt euch doch kurz einmal vor: Was ist IWICE und was macht ihr?
Wir sind Dirk, Lukas & Johanna, die Gründer von IWICE deinem natürlichen FitnessEis. Unser Name ist auch ganz schnell erklärt: Eis + Eiweiß = IWICE. Ein Becher enthält 20g Protein, viel frische Frucht und nur natürlichen Zutaten. Damit hilft es den Proteinbedarf mit Genuss zu decken!

Proteine im Eis? Wie muss man sich das vorstellen und an wen richtet sich das Angebot.
Im Supermarkt einen gesunden süßen Snack zu finden, besonders im Bereich der Süßwaren oder Eistheke, ist nicht so einfach. Eiweiß Produkte kennt man bisher fast nur aus der Bodybuilder Szene. Viele schreckt der extreme Körperkult auch ein wenig ab, dabei haben Eiweißprodukte tolle Eigenschaften. Wir wollten hier eine Brücke schlagen. Ein leckeres und vollkommen natürliches Genussprodukt entwickeln, das jeden anspricht und ohne den ganzen Chemieschrott auskommt. Gleichzeitig möchten wir den jeden für das Thema Protein sensibilisieren und auf sympathischer Ebene im Supermarkt anbieten. Dabei richten wir uns nicht an die Hardcore Bodybuilder sondern an ganz normale sportliche und ernährungsbewusste Menschen. Eben so wie wir!

Wo kann man das Eis kaufen?
Aktuell sind wir flächendeckend in Österreich in allen SPAR-Märkten gelistet- also quasi an jeder Ecke. Zusätzlich kann man IWICE auch bei freien Einzelhändlern in Deutschland und Österreich kaufen. Die Nachfrage aus Deutschland ist allerdings so groß, dass wir unseren Online Shop gelauncht haben. Die Eispakete kommen overnight mit Trockeneis geschützt direkt an die Haustüre. Im kommenden Jahr wird es IWICE aber auch im LEH in Deutschland geben.

Ihr seid ein deutsches Gründerteam, seid aber für den Unternehmensaufbau nach Österreich gegangen. Das ist ein eher ungewöhnlicher Schritt. Was waren die Gründe hiefür?
Als es so langsam konkreter mit IWICE wurde, steckten die Jungs in Klagenfurt im Psychologiestudium. Grund für Österreich waren aber vor allem auch die strukturellen und finanziellen Förderungen, die wir erhielten und uns in dieser Form nicht in Deutschland gegeben gewesen wären.

Vielfach werden die strukturellen und finanziellen Förderungen in Österreich gelobt. Welche davon hat euch in den ersten Monaten nach Gründung besonders geholfen?
In der Tat! In Österreich reichen die Fördermöglichkeiten entlang aller Gründungs- und Unternehmensphasen. Die erste wichtigste Anlaufstelle war daher unser Inkubator Build!, um eine Gründung skizzieren zu können. Dort erhielten wir eine große finanzielle staatliche Förderung sowie einen persönlichen Coach und eigene Räumlichkeiten. Ein breites Netzwerk, tolle Veranstaltungen und externe Expertenberatung: Also ein einmaliges Komplettpaket, das uns enorm half. Zudem sind die Fördermöglichkeiten Österreichs, wenn man bereits gegründet ist, enorm und reibungslos selbsterklärend zu beantragen und bieten Zugang zu erheblichem Mehrwert.

Welche Akteure in Österreich haben euch am Anfang besonders unterstützt und geholfen?
Die tatsächliche Gründung haben wir, nachdem die staatliche Unterstützung auslief, komplett losgelöst gemanagt. Unterstützung bekamen wir von unserem Business Angel, der übrigens auch aus Kärnten kommt. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass die Startup-Dichte in Österreich viel geringer ist, als beispielsweise in Berlin. Wer in Österreich erfolgreich gründet, kann also hohe mediale Aufmerksamkeit bekommen.

Für welche deutschen Start-ups in der Gründungsphase würde sich der Schritt nach Österreich lohnen?
Österreich hat sich auf die Fahnen geschrieben das Gründungsland Nr. 1 zu werden. Für uns hat es sich in jedem Fall gelohnt, um erste finanzielle Unterstützung zu bekommen und strategische Unterstützung in der Vorgründungsphase zu bekommen. Österreich ist zudem besonders für die Foodszene interessant, da man bereit ist für gute Lebensmittel etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen. Auf der anderen Seite ist der Markt deutlich kleiner und überschaubarer im Vergleich zum deutschen.

Wie ist deine Einschätzung: warum gründen nur so wenige deutsche Teams in der Alpenrepublik?
Es ist Ausland, es ist teurer, der Markt ist ggf. kleiner und am Ende sitzen die großen Investoren doch wieder in Berlin.

Wie sind deine persönlichen Erfahrungen: wie sehr unterscheidet sich die Gründermentalität zwischen den beiden Ländern?
Ich persönlich nehme die Mentalität der Gründer sehr ähnlich wahr. Jeder Gründer zeichnet sich durch einen Entrepreneurial Spirit aus, der in seinen Grundfesten völlig unabhängig vom Herkunftsland steht. Doch das Umfeld ist es, das den Unterschied macht: eine bestehende Startup-Szene, die sich gegenseitig unterstützt, die Region/Stadt und natürlich die eigene Vernetzung. In Deutschland ist das Thema Startup merklich präsenter, wobei sich in den österreichischen Startup Hot-Spots derzeit einiges tut. Insgesamt nehme ich die deutsche Gründermentalität etwas risikofreudiger wahr. Wer einmal gründet, gründet eben wieder. Früher hatte man eine Band heute hat man ein Startup. Gefühlsmäßig scheint es, als seien zudem die Investitionssummen für Startups in Deutschland insgesamt höher und der Zugang zu Kapital etwas leichter. Deutschland ist rund zehnmal größer und damit besteht auch mehr Potenzial oder Möglichkeiten. Vielleicht ergibt sich die wahrgenommene Risikobereitschaft also auch aus einem höheren Investorenpotenzial.

Welche der Fördermaßnahmen würdet ihr euch auch für Deutschland wünschen?
Unterstützung für den Step nach Deutschland!

Ihr habt an der Sendung „2Minuten2Millionen“ teilgenommen. Was hat euch der TV-Auftritt rückblickend gemacht und würdet ihr diesen auch im deutschen Pendant „Die Höhle der Löwen“ wiederholen?
Für uns war der 2M2M-Auftritt der Kick-Off, denn er hat maßgeblich zu unseren Listungen im Einzelhandel beigetragen. Ob wir uns eines Tages in DHDL sehen, wissen wir allerdings noch nicht.

Wann wagt ihr den Schritt zurück nach Deutschland oder ist dieser gar schon in Planung?
Wie das im Startup-Leben nur mal so ist, kann man nur grob planen. Für uns ist jedoch ganz klar, dass wir strukturell stark wachsen werden und das möchten wir in einer Großstadt tun. Ob diese Stadt Wien oder Berlin heißt, steht allerdings noch in den Sternen.

Kennen Sie schon unseren #StartupTicker? Der #StartupTicker berichtet tagtäglich blitzschnell über die deutsche Start-up-Szene. Schneller geht nicht!

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.