Nikolai Roth im Interview “Würde nicht von einer gescheiterten Revolution sprechen”

"Das Bestellerprinzip gilt bisher ausschließlich auf dem Mietmarkt. Viele PropTechs lockten Vermieter mit Billigangeboten, hatten aber keinerlei Prozesse im Hintergrund und sind an der Execution gescheitert"
“Würde nicht von einer gescheiterten Revolution sprechen”

Der digitale Immobilienmakler Maklaro (ehemals ImCheck24) kümmert sich seit rund drei Jahren ausschließlich um den Verkauf von Häusern und Wohnungen – also lange vor dem PropTech-Hype. Der Immobiliengigant Jones Lang LaSalle (JLL), der Innovationsfonds Hamburg und der ehemalige Immobilienscout24-Chef Marc Stilke investierten im Frühjahr dieses Jahres in das junge Unternehmen, das von Nikolai Roth geführt wird. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Roth über Eigentümer, Softwarelösungen und kometenhafte Aufstiege.

Vor rund einem Jahr haben wir über Maklaro bzw. den Vorgänger ImCheck24 berichtet. Damals schrieben wir: “Makler mögen dieses Startup nicht”. Hat sich daran inzwischen etwa geändert?
Man nimmt uns jetzt ernster und die Abneigung ist heute besser verpackt, als noch vor ein, zwei Jahren, dennoch existiert sie. Der Grund dafür ist, dass Maklaro ein Wettbewerber für die traditionellen Makler ist und auf dem Markt von den Eigentümern als moderne und kosteneffiziente Alternative wahrgenommen wird. Mit innovativen Ideen und technologischen Neuerungen fordern wir die Branche heraus – und das gefällt vor allem den Traditionalisten nicht.

Im Sommer des vergangenen Jahres gab es mit der Einführung des Bestellerprinzips einen regelrechten PropTech-Boom. Inzwischen sind einige der damals gestarteten Startups schon wieder verschwunden. War die Euphorie zu groß
Das Bestellerprinzip gilt bisher ausschließlich auf dem Mietmarkt. Viele PropTechs lockten Vermieter mit Billigangeboten, hatten aber keinerlei Prozesse im Hintergrund und sind an der Execution gescheitert. Zusätzlich wurden Wohnungen nach Einführung des Bestellerprinzips vermehrt in Eigenregie vermietet. Daraufhin sind einige Unternehmen wieder ganz vom Markt verschwunden, andere haben pivotiert, ihr Geschäftsmodell geändert und konzentrieren sich beispielsweise auf Softwarelösungen für Hausverwaltungen

Ist die Revolution somit gescheitert?
Im Grunde leisten PropTechs gerade Pionierarbeit in der Immobilienbranche und es gibt dabei auch einige Erfolge, wie Immomio, S!mplifa und eben Maklaro. Mehr als 100 PropTechs sind aktuell auf dem deutschen Markt aktiv, davon konzentriert sich ungefähr die Hälfte auf die Vermietung und den Verkauf von Immobilien. Ich würde daher nicht von einer gescheiterten Revolution sprechen. Vielmehr stellt sich jetzt heraus, welche Unternehmen den längeren Atem und vor allem das bessere Geschäftsmodell haben. Was uns vereint, ist die Einstellung, dass die Immobilienbranche ein immenses Potential in zahlreichen Facetten bereithält. Allerdings ist auch wichtig zu wissen, dass es sich bei Eigentum nicht um “fast moving consumer goods” handelt, daher wird der Wandel etwas länger benötigen.

Wo steht Maklaro in einem Jahr?
Wir arbeiten an den richtigen Problemen und bieten damit einen echten Mehrwert – schneller, transparenter, günstiger. Hier unterscheiden wir uns auch von Start-ups, die einen künstlichen, zusätzlichen Layer einziehen, wie beispielsweise Lead-Gen-Portale. Wenn wir einen guten Job machen, werden wir uns daher auch durchsetzen. Schon jetzt sind wir der größte digitale Immobilienmakler in Deutschland und werden diese Position kontinuierlich ausbauen. Unser langfristiges Ziel ist es, das Uber für Immobilien und der Marktführer in Deutschland zu werden.

Ein ziemlich großes Ziel.
Ja, das ist ein großes Ziel, aber es ist machbar und wird Zeit benötigen. Einen kometenhaften Aufstieg wie PurpleBricks in Großbritannien gibt der deutsche Markt aufgrund der Tatsache, dass der Eigentümer selten die Kosten für den Makler tragen muss, aktuell nicht her.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.